Fußball Für UEFA-Boss Platini ist Frankreich nicht Favorit

Berlin - Vor 28 Jahren erlebte er seinen Höhepunkt als aktiver Profi, heute steht Michel Platini vor der größten Herausforderung als Funktionär.

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Für UEFA-Boss Platini ist Frankreich nicht Favorit Bild: dpa

Mit seinen neun Toren bei der Europameisterschaft 1984 im eigenen Land hat sich der Franzose längst seinen Platz in den dicken Geschichtsbüchern der Fußball-Historie gesichert. Und das nicht nur wegen des ersten EM-Titels der Équipe Tricolore, sondern vor allem wegen seines Treffers im Halbfinale.

Zwischen Frankreich und Portugal steht es nach 90 Minuten 1:1. In der Verlängerung erzielen die Portugiesen den Treffer zum 2:1. In der 114. Minute gleicht Frankreich in Marseille aus. Eine Minute vor dem Ende kämpft sich Jean Tigana irgendwie in den Strafraum durch und spielt den Ball in die Mitte zu Platini. Der Kapitän stoppt kurz den Ball und schießt aus der Drehung das Siegtor zum 3:2.

Kapitän ist Platini auch heute noch - sein effektives und effizientes Wirken hat sich aber verlagert. Seit 2007 ist der mittlerweile 56-Jährige Präsident der Europäischen Fußball-Union. Bislang gelang es dem gewieften Strategen perfekt, sich als Reformer und Anwalt des Fußballs zu präsentieren und zu positionieren.

Im Gegensatz zur korruptionsgeschädigten FIFA unter seinem Duz-Freund Joseph Blatter gilt der Ruf der UEFA als tadellos. Platini inszeniert sich gekonnt als Funktionär «zum Anfassen», als uneitler und glaubwürdiger Chef eines Dachverbandes mit 53 Mitgliedern.

Doch die EM in Polen und der Ukraine ist auch für Platini eine gewaltige Herausforderung. Nach all den Problemen in der Turniervorbereitung sorgte zuletzt die Menschenrechtssituation in der Ukraine für unschöne Schlagzeilen, in denen manche ein klares Wort des Präsidenten forderten - und lange Zeit vermissten.

Dabei spricht der ehemalige Angreifer gerne und ausführlich über die bevorstehende EM - allerdings am liebsten über das sportliche Geschehen. «Die EURO ist ein schwerer Wettbewerb, das hat die Vergangenheit gezeigt», sagte Platini. «Ich glaube, es gibt zwei klare Favoriten: Deutschland und Spanien oder eher Spanien und Deutschland. Wenn sie ihre Leistung zu hundert Prozent abrufen, werden Spanien oder Deutschland Europameister. Aber wenn sie nur 80 oder 90 Prozent bringen, werden sie es schwer haben.»

Für das Kontinentalturnier unter der Regie seines Verbandes sieht er - ganz diplomatischer Vertreter aller Teams - gleich mehrere potenzielle Kontrahenten für das Favoriten-Duo. «England, Frankreich, Italien, Dänemark, Portugal, Holland zählen zu den Teams, die schwer zu schlagen sein werden. Auch Kroatien oder Irland darf man nicht unterschätzen. Man weiß nie, wie es läuft. Das ist kein einfaches Turnier, aber es wird interessant», prophezeit Platini.

Und seinen Nach-Nach-Nachfolgern - traut er denen den ersten EM-Titel seit zwölf Jahren zu? «Sie haben Fortschritte gemacht. Wir haben Deutschland geschlagen, aber das schaffen wir immer nur in Freundschaftsspielen», sagt Platini in Anspielung auf den 2:1-Sieg der Franzosen gegen die Löw-Auswahl im Freundschaftsspiel in Bremen am 29. Februar. «Wir haben keinen schlechten Angriff mit Karim Benzema, Franck Ribéry, Jérémy Menez. Aber ich sehe Frankreich nicht auf dem Niveau von Spanien oder Deutschland. Wir sind sicher nicht die Favoriten.» Das war 1984 noch anders.

news.de/dpa

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