EM-Test DFB-Elf besteht Generalprobe gegen Israel

Deutschland fährt mit einem Erfolgserlebnis zur Europameisterschaft: Gegen Israel gewann die Nationalmannschaft klar. Doch vor allem in der ersten Hälfte wirkte das Spiel der DFB-Elf wie eine Kopie des FC Bayern. Bis zum EM-Auftakt bleibt noch viel Arbeit.

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Siege bei Generalproben vor großen Turnieren sind ein gutes Omen für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Vor den drei EM-Titelgewinnen 1972, 1980 und zuletzt 1996 wurde das letzte Länderspiel vor Turnierbeginn jeweils gewonnen. 1976 und 2008 reichte es nach einem Sieg beim abschließenden EM-Test jeweils zur Finalteilnahme.

Das letzte Spiel vor der bevorstehenden Europameisterschaft in Polen und der Ukraine gewann das deutsche Team zwar gegen Israel mit 2:0 (1:0). Die Art und Weise des Arbeitssieges war jedoch über weite Strecken wenig europameisterlich. In der letzten halben Stunde spielten sich die Nationalkicker dann die Trainingsmüdigkeit aus den Beinen und entfachten gegen schwache Israelis das erwartete Offensivfeuerwerk. Joachim Löw sah insgesamt eine «ordentliche Leistung gegen einen sehr defensiven, aufsässigen, rustikalen Gegner, die uns Rückenwind gibt und ein gutes Gefühl und Sicherheit für die nächste Woche».

Der Bundestrainer hatte die Aufstellung im Vergleich zur 3:5-Niederlage am Samstag in der Schweiz komplett verändert. Von Torhüter Manuel Neuer bis Sturmtank Mario Gomez rückten sieben Spieler des FC Bayern in der Startformation - bis auf den nicht einsatzfähigen Bastian Schweinsteiger alle DFB-Kicker des Rekordmeisters. Von Doublesieger Borussia Dortmund fand sich hingegen kein einziger Akteur mehr in der ersten Elf wieder.

Und genauso ließ sich das Spiel der deutschen Mannschaft bei strömendem Regen auch an. Die DFB-Elf agierte wie eine Mini-Ausgabe des FC Bayern, ergänzt um die internationalen Akteure Özil, Khedira, Podolski und Mertesacker. Zwar hatten Philip Lahm & Co. mehr als 60 Prozent Ballbesitz, allein gefährliche Aktionen ergaben sich daraus kaum. Ähnlich wie den Bayern zuletzt im Klub fiel dem WM-Dritten und Vize-Europameister gegen die bestenfalls zweitklassigen Israelis lange viel zu wenig ein.

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Video: dapd

Offensivspiel viel zu statisch

Der Weltranglisten-58. hatte sich offenbar Champions-League-Sieger FC Chelsea zum Vorbild genommen, stand tief, machte die Räume geschickt eng und verschleppte das Spiel, um gelegentliche Vorstöße vorzutäuschen.

Nach einer Viertelstunde starteten die 43.241 Zuschauer im ausverkauften Leipziger Stadion bereits die erste Laola - das sagt über das letzte Testspiel vor dem EM-Auftakt in Polen und der Ukraine schon einiges aus. Immer wieder versuchten die Zuschauer, die DFB-Helden mit Sprechchören und Applaus zu unterstützen. Allein, der Funke sprang nicht von den Rängen auf den Rasen. Nach einer guten halben Stunde gellten die ersten Pfiffe des wahrlich nicht erfolgsverwöhnten Leipziger Fußball-Publikums durch das WM-Oval.

Zwar zirkulierte der Ball nett von der Abwehr auf die Außen und zurück, und bis zur Pause kamen auch 11:0-Torschüsse zustande. Doch Überraschungsmomente in Hälfte eins gelangen dem Kreativzentrum um Özil, Khedira und Kroos kaum. Nur selten, wie in der 22. Minute war einmal etwas von der Kombinationssicherheit, Gedankenschnelligkeit und Spielfreude zu sehen, die das Team im vergangenen Jahr zum Titelanwärter hatten wachsen lassen. Zwar versuchten vor allem Özil und Khedira ab und an, die Rollen zu tauschen. Dennoch blieb das Offensivspiel der deutschen Nationalmannschaft viel zu statisch.

Dauerdruck im letzten Drittel

Rechtsverteidiger Jerome Boateng - Lahm verteidigte auf Links - hatte mit seinem Pfostentreffer lange die beste Gelegenheit (19.) der ersten 45 Minuten. Mario Gomez, der sich wie gewohnt einige Male vielversprechend in Flanken gestürzt hatte (18., 34., 38.), bekam in der 42. Spielminute den Ball von Thomas Müller in den Fuß serviert und hämmerte das Spielgerät zum 1:0-Pausenstand unter die Latte.

In der zweiten Hälfte wagten Deutschlands beste Kicker etwas mehr. Deutschland stand hoch, das Spiel öffnete sich etwas und vor allem Lukas Podolski und Mesut Özil entwickelten mehr Zug zum Tor; Podolskis schöne Schüsse aus halblinker Position landeten allerdings über dem Kasten (59.) beziehungsweise in den Armen von Torhüter Ariel Harush (63.). Dadurch ergaben sich jedoch auch mehr Räume für das Team von Trainer Eli Gutmann. So prüfte der Kaiserslauterer Gil Vermouth Manuel Neuer in der 55. Minute mit einem strammen Schuss, den Neuer über die Latte lenkte. Viel mehr war von dem insgesamt schwachen Gegner offensiv nicht zu sehen,

Während Israel exzessiv durchtauschte, brachte Löw zunächst nur Oldie Miroslav Klose und André Schürrle für Gomez und Podolski ins Spiel. Vor allem im letzten Drittel dominierte die deutsche Mannschaft nun nicht nur die Partie, sondern gefiel auch mit ununterbrochenen und zwingenderen Offensivaktionen. Thomas Müller hätte in dieser Phase das 2:0 erzielen müssen, schob den Ball aber unbedrängt am Tor vorbei (76.). Die dürftige Chancenverwertung wird wohl auch ein Thema der kommenden Trainingswoche sein. So war es nach Dauerdruck der deutschen Nationalelf André Schürrle, der mit einem Traumtor von der Strafraumlinie Abwehr und Torhüter überwand und die Führung ausbaute (82.). Miroslav Klose scheiterte mit einem Kopfball kurz vor Schluss am starken Keeper Harush. In den letzten Minuten durften sich auch Maro Reus, Mario Götze und Lars Bender noch einmal zeigen.

Mit den starken 30 Minuten zum Schluss versöhnten Lahm & Co. mit Blick auf den EM-Start am Samstag in einer Woche. Hoffentlich hat sich die Nationalmannschaft endlich das Phlegma aus den Knochen gespielt - der Sieg gegen Israel war der erste des Jahres 2012.

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • putinfanatiker
  • Kommentar 1
  • 02.06.2012 06:30

So schnell wie die Deutsche Fussballmanschaft zur EM fahren tut,so schnell fahren die auch wieder nach Hause die kommen nicht weit denn dafuer fehlt denen der MUMM !!!!!

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