DFB-Arzt Meyer Schweinsteigers Verletzung ist harmlos

Fußball-Deutschland bangt vor dem EM-Start um Bastian Schweinsteigers Wade. DFB-Teamarzt Tim Meyer gibt aber bei news.de Entwarnung. Im Interview spricht der Professor über den herausragenden Fitnesszustand in der Nationalmannschaft, Ernährung, Doping und die Zusammenarbeit mit Jogi Löw.

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Herr Professor Meyer, Bastian Schweinsteigers lädierte Wade ist gerade enorm gefährdet, den Titel «Wade der Nation 2012» zu erhalten. Wie sehr beunruhigt Sie die Personalie Schweinsteiger?

Tim Meyer: Die Verletzung ist völlig anderer Art als die 2006 von Michael Ballack - aktuell ist das insbesondere ein Medienthema. Er ist der einzige Spieler, der in der vergangenen Woche nicht beim Training war und er ist einer der prominentesten Spieler - deshalb interessiert das die Leute. Aber es handelt sich um eine relativ normale Verletzung, die intensiv behandelt wird - im Grunde ein Routinevorgang. Verantwortlich sind unsere beiden Orthopäden.

Schränkt es den Heilungsverlauf ein, dass Schweinsteiger beim Champions-League-Finale 115 Minuten mit der Verletzung gespielt hat?

Meyer: Ich glaube nicht, dass das den Heilungsverlauf zwangsläufig beeinträchtigt, das Ausmaß einer Blutung kann jedoch davon beeinflusst werden, ob man weiterspielt oder nicht. Wenn man eine Verletzung zunächst gar nicht bemerkt oder dennoch weiterspielt, gibt es möglicherweise eine stärkere Einblutung. Aber es ist doch normal, dass man beim Fußball einen Schlag bekommt, man kann dann nicht immer gleich aufhören zu spielen. Welcher Schlag sich später negativ auswirkt, weiß man nicht immer sofort.

Wird Bastian Schweinsteiger Ihrer Prognose nach am 9. Juni einsatzbereit sein?

Meyer: Da Prognosen den behandelnden Ärzten vorbehalten bleiben sollten, können das nur die Orthopäden seriös beantworten.

Wie fit ist das deutsche Team generell?

Meyer: Wir haben vor einer Großveranstaltung während meiner Tätigkeit noch selten so ein fittes Team gehabt wie jetzt. Diese Mannschaft ist jung, das trägt natürlich dazu bei. Und wir haben eine sehr strukturierte Ausbildung im Juniorenbereich, die fittere, junge Spieler liefert als das früher der Fall war. Mit Ausnahme von Schweinsteiger, Benni Höwedes und Miroslav Klose war keiner dabei, der im Trainingslager von Beginn an nicht trainieren konnte. Aus meiner Sicht ist das alles sehr normal; am Ende einer Bundesligasaison könnte es schlimmer kommen. Wir haben im Vergleich zu anderen Top-Nationen wie Spanien oder England keinen Spieler, der komplett aus dem Rennen ist.

Hat sich der gesundheitliche Zustand bei der aktuellen Generation im Vergleich zu Spielertypen wie Mario Basler & Co. grundlegend verbessert?

Meyer: Es gibt zwei wesentliche Unterschiede zu früher. Erstens sind die Spieler schlicht und ergreifend jünger. Jüngere Spieler haben nicht so viele Verletzungen. Wer dagegen einmal Verletzungen hatte, bekommt sie mit einer höheren Wahrscheinlichkeit wieder. Daher sind die Voraussetzungen besser. Und zweitens ist das ein Generationeneffekt. Die Spieler sind durch die Professionalisierung des Geschäfts schon im Juniorenbereich auf professionelles Verhalten und Lebensführung getrimmt. Das war sicherlich vor 20 Jahren noch weniger ausgeprägt als aktuell.

Waren die Spieler damit auch verletzungsanfälliger?

Meyer: Wir hatten zumindest einige ältere Spieler mit mehr Problemen. Hohes Trainingsalter und viele Spiele führen einfach dazu, dass häufiger Verletzungen auftreten, chronische Beschwerden, die immer wieder behandelt werden müssen.

Heißt das, dass Sie heute weniger zu tun haben als noch vor zehn Jahren?

Meyer: Ja, auf diesem Gebiet durchaus.

Aber Sie sind darüber sicher nicht traurig.

Meyer: Nee. Es ist ganz wichtig, dass man seine Arbeit nicht selbst überhöht und auch nicht versucht, sich Arbeit heranzuziehen. Das kann man ja als Arzt recht einfach: Ich werfe mit ein paar Fremdwörtern um mich und verteile ein paar Placebos und schon bin ich wichtig. Zurückhaltung bei beschwerdefreien Spielern ist ein ganz wichtiger Baustein. Dann bin ich zwar im Hintergrund und auf Standby, aber es geht ja nicht um mich, sondern darum, dass Erfolg zustande kommt.

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Maik
  • Kommentar 1
  • 06.06.2012 08:38

Last doch den schweinsteiger zu hause .wir werden wieder einmal sehen das der kult um ihn eigentlich nichts bringt. ausser 9 mile pro jahr auf sein konto. da gibt es ganz ander spieler die das spiel machen werden . PS ; tempo taschentücher gibt es bestimmt auch in Polen !

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