EM-Generalprobe Löw sucht seine Euro-Elf

Die Position im Tor besetzt unumstritten Manuel Neuer, doch in allen übrigen Mannschaftsteilen sucht Jochim Löw noch seine Idealformation. Beim Test gegen Israel bekommen die Wackelkandidaten im Nationalteam die letzte Chance, sich im Wettkampf für die EM 2012 empfehlen.

Fußball EM 2012: Jogi Löw sucht seine Euro-Elf (Foto)
Löw, der Grübler: In einer guten Woche startet das DFB-Team gegen Portugal in die EM 2012 Nur mit welcher Mannschaft? Bild: dpa

Nur noch ein ernsthafter Test, dann muss Joachim Löws EM-Elf stehen. Der Bundestrainer arbeitet auf mehreren Baustellen. Löw hofft, dass er am heutigen Donnerstag bei der Turnier-Generalprobe der Fußball-Nationalmannschaft in Leipzig gegen Israel (20.30 Uhr/ZDF und im news.de-Liveticker) zumindest die eine oder andere schließen kann. «Auf den meisten Positionen sind wir jetzt doppelt besetzt», erklärte der 52 Jahre alte Chef der deutschen EM-Mission. Einige von Löws Favoriten auf einen Stammplatz schwächeln noch - aus unterschiedlichen Gründen.

Tor: Manuel Neuer ist unumstritten. Bei seinem ersten großen Turnier 2010 in Südafrika hat er sofort den Sprung in die Weltklasse geschafft. Nach seinem Wechsel zum FC Bayern musste der 26-Jährige seinen Stil etwas umstellen, hat sich einige kleine Fehler erlaubt. Wenn Neuer etwas passiert, stehen Routinier Tim Wiese und Frischling Ron-Robert Zieler bereit, die nicht Neuers Klasse haben. Wiese hat keins seiner bisherigen sechs Länderspiele gewonnen. Zieler kann überhaupt erst einen Einsatz im A-Team vorweisen.

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Innenverteidigung: Bayerns Holger Badstuber war in der EM-Qualifikation die feste Größe. Per Mertesacker fehlt nach langer Verletzung die Spielpraxis. Mats Hummels sucht im DFB-Team bisher vergeblich das Dortmund-Gen. Zwar sagt Löw: «Alle drei passen hervorragend zusammen und sind auf höchstem internationalen Level.» Doch Zweifel bleiben. Löw will unbedingt Mertesackers Abgeklärtheit. Auch Benedikt Höwedes und Jerome Boateng sind gelernte Innenverteidiger.

Außenverteidigung: Am liebsten hätte Löw seinen Kapitän rechts und links zugleich. Doch er muss sich entscheiden, vielleicht sogar von Spiel zu Spiel. «Philipp Lahm wird mal links beginnen in Leipzig. Das hat noch nichts damit zu tun, wie wir gegen Portugal antreten», sagt der Bundestrainer. Der Dortmunder Double-Sieger Marcel Schmelzer konnte links nicht überzeugen. Die Tendenz: Jérome Boateng macht die rechte Seite dicht und ist auch links ein Kandidat, falls Lahm doch wie bei Bayern rechts spielt. Höwedes scheint eher Lückenfüller.

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Video: dapd

Zentrales Mittelfeld: Nach vielen Verletzungen muss sich Löw ausgerechnet um Chef Bastian Schweinsteiger sorgen. «Er braucht noch die eine oder andere zusätzliche Einheit», erklärt der Chefcoach, traut seinem Vize-Kapitän aber noch die Rückkehr zur alten Stärke zu. Feste Größen sind die beiden Real-Madrid-Stars Sami Khedira und Mesut Özil. Khedira ist für Löw der «Inbegriff der Präsenz». Toni Kroos ist die erste Alternative. «Auch Mario Götze kann die Sechs spielen», sagt Löw. Das Wichtigste: Das Dreieck muss nicht nur offensiv glänzen, sondern auch für defensive Stabilität sorgen. Ilkay Gündogan gilt als Ergänzung, Lars Bender mit seinen hervorragenden Qualitäten in der Balleroberung als Mann für besondere Aufgaben.

Außenbahn offensiv: WM-Torschützenkönig Thomas Müller ist rechts gesetzt. Links steht der «ewige Poldi» (derzeit 96 Einsätze) vor seinem 100. Länderspiel. Allerdings wird Lukas Podolski von André Schürrle bedrängt. Löw sieht hier einen Fortschritt: Bei der WM 2010 konnte sein Team die Halbfinal-Sperre von Müller nicht kompensieren. «Heute haben wir mehr Möglichkeiten: Marco Reus, Mario Götze», erklärt der Bundestrainer. Reus sieht Löw vor allem als Double für Müller, Götze könnte für Özil in die Mannschaft rücken.

Angriff: Löw will wie in den Turnieren zuvor auf den spielstarken Miroslav Klose setzen. Doch der Routinier sucht seinen Rhythmus. Der DFB-Chefcoach ist nicht sicher, ob der gebürtige Pole, der am 9. Juni 34 wird, die Spielbelastung alle vier Tage aushält. «Wenn ein Spieler so lange verletzt war, gibt es vielleicht auch mal Schwankungen», fürchtet Löw. Die Chancen von Mario Gomez sind gestiegen. Seine Trefferquote vor allem in der Champions League spricht für den Münchner. Da Löw keinen dritten Stürmer nominiert hat, steht Reus als Ersatz bereit.

Voraussichtliche Aufstellungen zu Deutschland - Israel:

Deutschland: Neuer (Bayern München) - Boateng (Bayern München), Mertesacker (FC Arsenal), Hummels (Borussia Dortmund), Lahm (Bayern München) - Khedira (Real Madrid), Kroos (Bayern München) - Müller (Bayern München), Özil (Real Madrid), Podolski (1. FC Köln) - Gomez (Bayern München)

Israel: Harosh (Beitar Jerusalem) - Schpungin (Omonia Nikosia), Haim (FC Portsmouth), Gershon (Standard Lüttich) - Natcho (Rubin Kasan), Melcisohn (Wisla Krakau), Benayoun (FC Arsenal), Zahavi (Palermo) - Shechter (1. FC Kaiserslautern) - Hemed (RCD Mallorca), Sahar (AJ Auxerre)

Schiedsrichter: Kevin Blom (Niederlande)

kru/news.de/dpa

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