Olympia Großer Traum: Mongolei hofft auf Olympia

Ulan Bator - Bei den Olympischen Spielen in London wollen die Mongolen ihren Erfolg von 2008 wiederholen. 29 Athleten treten an. Die Hoffnungen des kleinen Volkes liegen besonders auf den Judoka.Es war ein großes Volksfest in der Mongolei: Vor vier Jahren, am 14.

Großer Traum: Mongolei hofft auf Olympia (Foto)
Großer Traum: Mongolei hofft auf Olympia Bild: dpa

August 2008, fuhren Autokorsos durch die Hauptstadt Ulan Bator, Nationalfahnen wehten im Fahrtwind, wildfremde Menschen beglückwünschten sich gegenseitig auf der Straße. Das mongolische Team hatte bei den Olympischen Spielen in Peking gerade die erste olympische Goldmedaille in der Geschichte des zentralasiatischen Landes errungen. «Das war ein historischer Moment. Wir Mongolen hatten so lange davon geträumt», sagt Odbog Baltschinjam, der Chef-Nationaltrainer der Judoka.

Besonders glücklich seien sie darüber gewesen, dass die erste Goldmedaille aus dem Judo stammte, sagt er. Denn Judo ähnelt dem traditionellen mongolischen Ringkampf, dem Nationalsport des Landes. «Nach diesem Erfolg wurden zahlreiche neue Judo-Clubs gegründet», sagt Baltschinjam. «Viele junge Leute interessieren sich seitdem dafür.» Der 52-jährige, der selbst einmal Vizeweltmeister in der Klasse bis 100 Kilogramm war, lächelt zufrieden und lehnt sich in seinem Stuhl zurück, so dass sich sein wuchtiger Nacken in Falten legt.

Der Held von 2008 heißt Naidan Tüwschinbajar, ein Hüne von ebenfalls fast 100 Kilogramm, mit kantigem Gesicht und schmalen Augen. «Die erste Goldmedaille zu gewinnen, war ein unglaubliches Gefühl», sagt er. «Aber auch eine große Verantwortung.» Auf ihm liegen nun große Erwartungen, den Erfolg zu wiederholen. Die Judoka sind gerade von einem Trainingscamp in Japan zurückgekehrt; zur Regeneration hat der Trainer einige spielerische Einheiten angesetzt - mit mongolischem Ringkampf.

Durch die hohe schmucklose Halle, die mit gelben und blauen Matten ausgelegt ist, weht noch ein Hauch von Sozialismus. Bis 1990 war die Mongolei kommunistisch und stark von der damaligen UdSSR dominiert. Der sogenannte Sportpalast, in dem das Judo-Team trainiert, stammt noch aus dieser Zeit. Breitbeinig und mit einem blauem Judoanzug bekleidet, steht Tüwschinbajar auf der Matte und hält seinen Sparringpartner im Schwitzkasten. Dabei blickt er immer wieder zu seinem Trainer, der ihm Grifffolgen erklärt.

Nach den olympischen Spielen in Peking hatte Tüwschinbajar sich eine Knieverletzung zugezogen, doch mittlerweile fühlt er sich wieder fit. «Im Februar hat er den Grand Slam in Paris gewonnen», sagt sein Trainer Hiromi Tomita. Der Japaner betreut die mongolische Nationalmannschaft. «Ich denke, er hat gute Chancen, auf eine Medaille, und auch er da drüben, mit dem weißen Anzug.» Er weist auf den 28-jährigen Chaschbaatar Tsagaanbaatar. Er hatte 2009 einen Weltmeistertitel im Judo gewonnen, doch bei den olympischen Spielen in Peking war er leer ausgegangen.

«Ich hatte mir eine Woche vor dem Kampf eine Rippe verletzt, daher lief es nicht so gut», sagt Tsagaanbaatar. «Aber jetzt bereite ich mich richtig gut vor, und dann hoffe ich auf eine Medaille.» Er zählt bereits die Tage: «In 65 Tagen ist mein erster Kampf», sagt er und streckt seine Faust mit Daumen hoch.

Bisher sind 29 mongolische Athleten für London nominiert - 16 Männer und 13 Frauen, darunter Judoka, Ringer, Boxer, Bogenschützen, Marathonläufer, Schwimmer und Sportschützen. «Wir haben ja nur eine sehr kleine Einwohnerzahl», sagt Judo-Nationaltrainer Baltschinjam - die Mongolei zählt nur rund 2,8 Millionen Menschen. «Und wir treten gegen sehr berühmte internationale Sportler an, da ist jede Medaille für uns ein großes Ereignis.»

Bereits jetzt säumen Werbeplakate eines Getränkeherstellers die Straßen von Ulan Bator. Darauf lächeln die mongolischen Olympiateilnehmer den Passanten entgegen. Auf einigen der Plakate steht auf mongolisch: «Olympia, auf geht's!» und «ein Land, ein Team».

Info zum mongolischen Judoka-Verband

Mongolisches Olympisches Komitee

Japanischer Judo-Trainer

news.de/dpa

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