Motorsport «Hollywood-Grand-Prix»: Die Formel 1 in Monte Carlo

«Hollywood-Grand-Prix»: Die Formel 1 in Monte Carlo (Foto)
«Hollywood-Grand-Prix»: Die Formel 1 in Monte Carlo Bild: dpa

Monte Carlo - Im schwimmenden Team-Tempel am Rande des Fahrerlagers hat Sebastian Vettel keinen Blick für den Glamour von Monte Carlo. Am trainingsfreien Freitag nutzte der Doppel-Weltmeister der Formel 1 jede freie Minute zur Beratung mit seinen Ingenieuren.Zu groß sind noch immer die Rätsel, die der irre Saisonverlauf und der störrische Dienstwagen dem Vorjahressieger von Monaco aufgeben.

«Viel Arbeit» stellte der WM-Spitzenreiter seiner Crew bis zum 70. Grand Prix im Fürstentum am Sonntag in Aussicht.

Schufterei in stickigen Garagen - eigentlich passt das so gar nicht zum schillernden Bild vom Formel-1-Spektakel an der Côte d'Azur. «Das ist der Hollywood-Grand-Prix», schwärmte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. «Wenn man jemanden mit der Formel 1 beeindrucken will, dann muss man hierher.»

Der Stadtkurs am Fuße des Fürstenpalasts ist für die Königsklasse das Kronjuwel im Rennkalender, auch wenn der ganz große Glanz der Vergangenheit angehört. Noch immer blitzen die sündhaft teuren Yachten im Hafenbecken nahe der Zielgerade, doch die akute Parkplatznot auf dem Wasser ist vorbei. Die große Prominenz, der Geld- und Hochadel machen sich inzwischen rarer am Streckenrand.

Trotzdem liefert das Grand-Prix-Gastspiel in der Steueroase auch dieses Jahr wieder ein einmaliges Schauspiel. Langbeinige Schönheiten nutzen die schmale Gasse zwischen dem Wasser und den Motorhomes als Laufsteg. Von den Penthouse-Terrassen beobachten die Edelfans den Höllenritt der röhrenden Rennwagen. Und auf dem Fürstenhügel drängt sich das einfache Formel-1-Volk auf Campingstühlen, um einen Blick auf die Raserei zu erhaschen.

«Müsste die WM auf ein Rennen reduziert werden, es müsste Monte Carlo sein», sagte einst der dreimalige Weltmeister Jackie Stewart. Der Ruhm und das Flair von Monaco locken gerade die Sponsoren in Scharen an. Wo ließe es sich besser repräsentieren und Geschäfte abschließen als hier.

Den Werbewert des Rennens hat längst auch Vettels Arbeitgeber erkannt. Auch in diesem Jahr stellte Red Bull wieder seinen 800 Tonnen schweren Prachtbau im Yachthafen auf. Die drei Stockwerke mit 1200 Quadratmetern Nutzfläche inklusive Pool und Sonnendeck sind für fünf Tage Mannschaftsquartier und Partyzone zugleich.

In Monte Carlo wird geprotzt und nicht gekleckert. Superlative gibt es genug. Rund 1000 Mal fahren die Piloten um die Kurve, 4000 Mal müssen sie schalten. Die Loews-Spitzkehre ist die langsamste Kurve des Jahres, durch den Tunnel rasen die Autos mit knapp 300 Sachen. «Formel 1 fahren in Monaco ist wie Hubschrauber fliegen im Wohnzimmer», urteilte einst Nelson Piquet.

Risiko gehört bis heute dazu, wenn es auch nicht mehr so halsbrecherisch zugeht wie früher. 1955 überlebte Alberto Ascari einen Sturz mit seinem Lancia ins Hafenbecken, weil er gerade noch gerettet werden konnte. 1967 starb Lorenzo Bandini, als nach einem Unfall erst sein Ferrari und dann die Strohballen am Streckenrand Feuer fingen.

Der König von Monaco ist bis heute Ayrton Senna mit sechs Siegen binnen sieben Jahren. Einholen könnte ihn in diesem Jahr Michael Schumacher. Er wäre der sechste Gewinner im sechsten Saisonrennen - und Monte Carlo hätte einen weiteren Eintrag in die Formel-1-Geschichtsbücher sicher.

news.de/dpa

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig