Sa., 25.05.13

Fußball Wie sicher ist die Fußball-EM?

Wie sicher ist die Fußball-EM? (Foto)
Wie sicher ist die Fußball-EM? Bild: dpa

Warschau/Kiew - Eine Bombenserie in der Ukraine und neue Grenzkontrollen in Polen: Massive Sicherheitsfragen begleiten die letzten Vorbereitungen auf die Fußball-Europameisterschaft.Wie gefährlich für ausländische Besucher wird das größte Sportereignis im früheren Ostblock seit den Olympischen Winterspielen in Sarajevo 1984? Diese Frage beschäftigt vor Beginn des Turniers Fans und Veranstalter gleichermaßen.

Aus Warschau und Kiew verlautet dazu: «Kein Grund zur Sorge.» Die Organisatoren hätten alles im Griff.

In Polen haben Feuerwehr, Polizei und Grenzschutz immer wieder für den Fall der Fälle geübt. Massenpanik im Stadion? Ein Terroranschlag in der Warschauer U-Bahn? Hooligans, die trotz Stadionverbots zur EM reisen wollen? In Manövern wurden all diese Szenarien durchgespielt. Sogar F-16-Kampfjets stehen in dem Nato-Land bereit, um an EM-Spieltagen den gesperrten Luftraum über den Stadien zu schützen.

Am 4. Juni führt Polen zudem wieder Einreisekontrollen im Schengen-Raum ein. Im Grenzgebiet zu Deutschland werden Zöllner und Polizei wieder Reisende genauer unter die Lupe nehmen, ebenso an den Grenzen zu Tschechien, der Slowakei und Litauen sowie an den Flughäfen und internationalen Fährterminals. «In der Praxis wird es keinerlei Reisebeschränkungen geben», versicherte der polnische Innenminister Jacek Cichocki. Insgesamt werden 254 Kontrollpunkte eingerichtet, darunter auch mobile Kontrollen im Hinterland.

Mehr als 10 000 polnische Beamte - rund ein Zehntel der gesamten Polizeitruppe - werden im unmittelbaren EM-Einsatz sein und Stadien, Fanzonen und VIP-Hotels sichern. Die Luft über den Stadien in Warschau, Danzig, Breslau und Posen wird von Sensoren auf einen möglichen Bio- oder Chemiewaffenangriff geprüft.

In der Ukraine ist eine blutige Bombenserie mit rund 30 Verletzen in der Stadt Dnjepropetrowsk auch nach einem Monat nicht aufgeklärt. Zwar ist die Industriemetropole kein EM-Ort. Dennoch erhöhte die Ex-Sowjetrepublik nach den Anschlägen vom 27. April in den vier Spielstädten die Sicherheitsmaßnahmen. In Kiew entfernten die Behörden beispielsweise auf dem Unabhängigkeitsplatz (Maidan), dem Zentrum der Fanzone, alle Mülleimer. In Dnjepropetrowsk hatten Unbekannte gerade dort an vier Orten Bomben platziert.

Auch in jeder Fanzone in Charkow, Donezk und Lwiw (Lemberg) sollen zwischen 300 und 1000 Milizionäre für Sicherheit sorgen. «Wir werden zudem Stadien, Bahnhöfe und Flughäfen peinlich genau kontrollieren», verspricht der EM-Beauftragte beim Innenministerium in Kiew, Oleg Matwejzow, vor Beginn der EM am 8. Juni.

Im Hauptquartier der polnischen Polizei nimmt die Datenbank internationaler Hooligans Gestalt an. «Zur Zeit haben wir Informationen über mehr als 200 Personen, neue Namen kommen aktuell dazu», sagt Sprecher Mariusz Sokolowski. Allein in Deutschland gelten Tausende Anhänger als gewaltbereit. Knapp 150 ausländische Polizisten, die sich schwerpunktmäßig mit Fangewalt befassen, werden ihre polnischen Kollegen während der EM unterstützen und vor allem als «Spotter» in den Stadien und Fanzonen im Einsatz sein.

Auch in der Ukraine sollen moderne Überwachungsgeräte an allen Grenzübergängen die Einreise von «Problemfans» verhindern. Zudem werden 1000 Drogensuchhunde das Schmuggeln von Rauschgift erschweren. Zwar schließt die Miliz Schlägereien zwischen Fangruppen und auch rassistische Angriffe auf Touristen nicht aus. Wahrscheinlicher sei aber Alltagskriminalität, sagt ein Experte in Kiew. Taschendiebstahl und Einbrüche seien in jedem Land an der Tagesordnung - auch ohne EM.

news.de/dpa

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