Schwimmen Schwimm-EM zwischen Olympia-Quali und Training

Schwimm-EM zwischen Olympia-Quali und Training (Foto)
Schwimm-EM zwischen Olympia-Quali und Training Bild: dpa

Debrecen - Am Wasser kann es schonmal nicht liegen. Beim Training am Tag vor dem EM-Start testeten die Schwimmer in Debrecen ihr von Becken zu Becken unterschiedliches Arbeitsmetier.«Immerhin ist es kein Quellwasser hier», sagte ein grinsender Paul Biedermann in der kleinen Sportuszoda-Halle und präsentierte sich wie der Rest der 33 deutschen Schwimmer gut gelaunt.

Der Weltrekordler könnte wie seine Freundin Britta Steffen mit der Freistilstaffel das Team schon zum EM-Auftakt am Montag in die Erfolgsspur bringen.

Vor zwei Jahren hatte der Weltrekordler bei der EM in Budapest seine liebe Mühe mit dem «zu weichen» Wasser der Mineralquellen-Metropole. Auch andere Schwimmer klagten über mangelnden Vorschub, sie bekamen in ihrer Sprache das Wasser «nicht zu greifen», es fühlte sich eher wie Schlagsahne an. Allein daran lag es damals aber nicht, dass Biedermann über 400 Meter Freistil Gold Yannick Agnel überlassen musste. Nun fehlt der Franzose knapp zehn Wochen vor Olympia, wie auch ein Großteil der europäischen Elite - ein Selbstläufer soll Biedermann-Gold über 200 und 400 Meter aber nicht sein.

«Ich möchte meinen Vize-Titel verteidigen und ein bisschen besser sein», sagte der 25-Jährige eher bescheiden und auch Heimtrainer Frank Embacher betonte: «Das hier läuft aber nicht von selbst.» Die Zurückhaltung kommt nicht von ungefähr, immerhin hatte sein Schützling über die 400 Meter die Olympia-Norm bei der deutschen Meisterschaft vor Wochenfrist noch verfehlt. Biedermann braucht wie kaum ein anderer die Rennen Mann gegen Mann, um sich zu Höchstleistungen zu treiben. «Das hier kann schon gut werden», sagte er. Erst bei der DM hatte er seinen ersten richtigen Test in diesem Jahr und schaltete auf «Wettkampfmodus».

Britta Steffen hingegen sieht die EM als «Mischung aus Training und Wettkampf». Für die EM hat die Doppel-Olympiasiegerin nach der weltweit viertschnellsten Zeit des Jahres die Übungseinheiten nicht reduziert. So schwamm sie am Sonntagvormittag vier Kilometer «statt wie sonst vor einem Wettkampf 400 Meter. Wir wollen hier auch das ein oder andere probieren.» Bummeln darf die Weltrekordlern aber in den Vorläufen nicht: Über 50 und 100 Meter treten vier Deutsche an, nur maximal zwei dürfen laut Regeln im Halbfinale schwimmen.

Die interne Konkurrenz steht im Gegensatz zu Steffen nämlich richtig unter Druck. Erst 14 Deutsche haben bislang ihr Einzel-Ticket für Olympia gesichert, mehr als ein Drittel der 33 nationalen EM-Starter muss die Normen nun in dieser Woche unterbieten. Während Hendrik Feldwehr und Benjamin Starke verletzt fehlen, hat Freistilsprinter Marco Di Carli seinen Magen-Darm-Virus überwunden und muss nun liefern. «Knüppelhart» werde die London-Quali, sagte der Polizeikommissar. Auch Rückenspezialist und Di Carlis Zimmerkollege Helge Meeuw hat noch keine Norm geschafft, ebenso Freistilsprinterin Dorothea Brandt. Um Hundertstel scheiterten in Berlin noch Brustspezialistin Sarah Poewe und Lagenschwimmerin Theresa Michalak.

Nur im DM-Vorlauf statt wie verlangt im Finale unterbot Silke Lippok die Norm. Die EM-Zweite von 2010 trifft über 200 Meter Freistil erneut auf Federica Pellegrini. Die italienische Schwimm-Diva ist eine von drei Olympiasiegern in Debrecen.

Im Gegensatz zu den Vorjahren enthielt sich Leistungssportdirektor Lutz Buschkow einer Medaillenprognose. Da er gleichzeitig auch Cheftrainer der Wasserspringer ist, reiste Buschkow von deren Edelmetall-trächtiger EM in Eindhoven erst am Sonntagabend an.

Die Ungarn sprangen erst vor drei Monaten für Antwerpen ein und organisierten mit viel Engagement eine EM im etwas kleineren Rahmen als gewohnt. So werden in der kleinen Halle nur etwa 1000 Zuschauer die Wettkämpfe verfolgen können. Der Gastgeber hofft auf Platz eins im Medaillenspiegel, trotz zahlenmäßig geringerer Unterstützung als vor zwei Jahren in Budapest.

Das deutsche Aufgebot für die Schwimm-EM in Debrecen

Frauen (15): Sina Sutter, Lisa Vitting, Caroline Ruhnau (alle Essen), Dorothea Brandt, Britta Steffen (beide Berlin), Daniela Schreiber, Theresa Michalak (beide Halle/Saale), Silke Lippok (Pforzheim), Jenny Mensing (Wiesbaden), Isabelle Härle (Heidelberg), Sarah Poewe (Wuppertal/Uerdingen/Dormagen), Lisa Graf (Leipzig), Vanessa Grimberg (Stuttgart), Alexandra Wenk (München), Franziska Hentke (Magdeburg).

Männer (18): Steffen Deibler, Markus Deibler (beide Hamburg), Yannick Lebherz, Marco Koch (beide Darmstadt), Jan David Schepers (Essen), Tim Wallburger (Berlin), Jan Wolfgarten, Sören Meißner (beide Würzburg), Christian vom Lehn, Christoph Fildebrandt (beide Wuppertal/Uerdingen/Dormagen), Paul Biedermann (Halle/Saale), Marco Di Carli (Frankfurt), Helge Meeuw (Magdeburg), Christian Diener (Cottbus), Felix Wolf (Potsdam), Dimitri Colupaev (University of Southern California), Philip Heintz (Mannheim), Clemens Rapp (Bad Saulgau).

news.de/dpa

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