Champions-League-Drama Albtraum dahoam

Champions League
Das Finaltrauma von München
Münchens Finaltraum geplatzt - Bayern-Fans trauern (Foto) Zur Fotostrecke

Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur , München
Depression statt Ekstase, Katerstimmung statt Feiermarathon: Der FC Bayern München liegt nach der Pleite im Champions-League-Endspiel gegen den FC Chelsea am Boden. Trotz einer Vielzahl an Chancen verschenkten die Bayern den Finalsieg. Eine Niederlage epochalen Ausmaßes.

Bastian Schweinsteiger schlug sich immer wieder die Hände vors Gesicht oder versteckte seinen Kopf unter seinem Trikot; es wäre ihm nach seinem finalen Fehlschuss im Endspiel um den Champions-League-Pokal wohl am liebsten gewesen, an Ort und Stelle im Rasen der Münchner Allianz Arena zu versinken. Doch das Prozedere bei großen Finalspielen sieht auch die Ehrung des Zweiten vor. Da es eine Weile dauert, bis die Vorbereitungen für solche Siegerehrungen getroffen sind, mussten die Bayern-Spieler eine kleine Ewigkeit mitansehen, wie nach dem entscheidenden Elfmeter durch Didier Drogba alle Dämme bei Chelseas Spielern und Fans brachen.

Wie gelähmt lagen und saßen Philipp Lahm, Schweinsteiger & Co. nach der bitteren 3:4-Niederlage nach Elfmeterschießen gegen den FC Chelsea am Mittelkreis auf dem Rasen und mussten miterleben, wie die Londoner im Wohnzimmer der Bayern eine Party feierten. Fans mit nackten Oberkörpern stürmten auf den Rasen, Didier Drogba ließ sich als Held des Abends feiern und Chelseas Publikumsliebling David Luiz saß triumphierend auf der Latte des Tores vor dem Anhang der «Blues». Zu allem Überfluss mussten die Bayern dann auch noch durch das Spalier der applaudierenden Chelsea-Spieler hindurch. Das ist als faire Geste gedacht, doch die Demütigung könnte für einen Fußballer nach einer solch epochalen Finalniederlage kaum größer sein.

43:9 Torschüsse und 20:1 Ecken

Für die Bayern muss die Szene ein Déjà-vu gewesen sein, erst vergangene Woche hatten Dortmunds Kicker die Bayern im DFB-Pokalfinale aus dem Stadion in Berlin geklatscht. Doch im Gegensatz zu dem Endspiel vor Wochenfrist, hätte es der FC Bayern München gegen Chelsea London verdient gehabt, selbst zu triumphieren. Denn der deutsche Rekordmeister war über 120 Minuten das bessere Team gewesen, wenngleich der Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes die letzte Präzision beim finalen Pass, die letzte Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, das letzte Quentchen Nervenstärke und auch der letzte Funken Genialität fehlte. Doch auch so erspielten sich die «Roten» vor 62.500 Zuschauern in der Münchner Arena Chance um Chance.

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FC Bayern und Chelsea im Direktvergleich
Manuel Neuer (Foto) Zur Fotostrecke

Die Zahlen spiegeln die Dominanz eindrucksvoll wider: 43 zu 9 Torschüsse gaben die Münchner ab, sie hatten mehr als 56 Prozent Ballbesitz und ein Eckenverhältnis von 20 zu 1. «Das hat man in der Vergangenheit schon öfter gesehen, dass am Ende nicht immer der verdiente Sieger mit dem Pokal dasteht», sagte Torschütze Thomas Müller. Er war in der 86. Minute beim Stand von 1:0 umjubelt ausgewechselt worden. Trotzig und angefressen fügte der Nationalspieler, der der Held des Abends hätte werden können hinzu: «Das ist schwer in Worte zu fassen. Aber Fußball ist auch nicht alles.»

Heynckes nüchtern wie nach einer Pleite gegen Augsburg

Nüchtern wie nach einer Pleite in der Bundesliga gegen den FC Augsburg analysierte Bayern-Coach Jupp Heynckes die historische Niederlage dahoam: «Wir müssen uns ankreiden, dass wir eine Vielzahl an Tormöglichkeiten nicht genutzt haben. Wenn man in der 83. Minute 1:0 in Führung geht, muss man das über die Zeit bringen.» Dennoch bescheinigte der 67-Jährige seinem Team eine «überragende Leistung».

«Die Spieler haben sich total verausgabt und sind dafür nicht belohnt worden», sagte Heynckes. So drückt sich die «Goldene Generation» der Bayern um Lahm und Schweinsteiger den Stempel des ewigen Zweiten immer prägnanter auf. An der Aufgabe, endlich einen großen, internationalen Titel zu holen, beißen sie sich seit Jahren die Zähne aus. Das Vize-Triple - drei Mal Zweiter in allen drei großen Wettbewerben - ist der Super-Gau für die titelverwöhnten Bayern.

Didier Drogba: «Wir sind ein großer Champion»

Den Unterschied an diesem Abend, dem ganz München wie in Ekstase entgegengefiebert hatte, machte Chelseas Stürmer Didier Drogba. Der Ivorer mit der begnadaten Physis verwandelte die erste wirkliche Torchance der Londoner in der 88. Minute zum 1:1 Ausgleich - nach der ersten und einzigen Ecke für Chelsea im gesamten Spiel - und schließlich auch den entscheidenden Elfmeter. Dass er in der Nachspielzeit mit einem Foul an Franck Ribéry auch einen Strafstoß verschuldete, fiel nicht weiter ins Gewicht, da Arjen Robben vom Punkt kläglich vergab. Schon wieder eine Szene mit Déjà-vu-Charakter - durch Robbens Fehlschuss wurde bereits die Deutsche Meisterschaft vorentschieden. «Ich war voll Zuversicht, als ich zum Elfmeterpunkt schritt», sagte Tormaschine Drogba. «Ich wollte für unseren überragenden Torhüter Petr Cech und für die ganze Mannschaft treffen und Chelsea Freude machen.»

Während die übrigen Bayern-Spieler schweigend durch die Mixed Zone in den Mannschaftsbus eilten, stellte sich Manuel Neuer wenigstens den Fragen der TV-Reporter. «Wir haben dreimal Matchball gehabt und keinen genutzt. Wenn man das Spiel gesehen hat, hätte man nicht damit rechnen können, dass Chelsea gewinnt. Aber wir haben uns das selbst eingebrockt, weil wir nicht eiskalt zugestochen haben», sagte der Bayern-Schlussmann.

In der Tat hat es seit den internationalen Erfolgen der italienischen Klubs kein Team mehr gegeben, das so defensiv steht wie der FC Chelsea und dennoch Pokale gewinnt. Interimstrainer Roberto di Matteo, der unter anderem von Italiens Ex-Nationaltrainer Arrigo Sacchi geprägt wurde, war es an diesem Abend freilich egal, ob der Spielstil seines Teams schön anzusehen ist oder nicht. «Es gibt verschiedene Philosophien im Fußball», sagte der smarte Italo-Schweizer. «Aber du musst das Beste aus dem machen, was du zur Verfügung hast.» Drogba ergänzte: «Wir waren immer so nah dran und gleichzeitig so weit weg von diesem Pokal. Den Cup an die Stamford Bridge zu holen, ist das Größte. Wir sind ein großer Champion.» Alle, die es nicht mit den «Blues» halten, dürften das anders sehen.

Das Champions-League-Finale samt aller Statistiken zum Nachlesen im news.de-Liveticker

phs/news.de

Leserkommentare (31) Jetzt Artikel kommentieren
  • Andreas
  • Kommentar 31
  • 25.05.2012 18:04

Ich habe das beste online Fussballspiel gefunden, dass es gibt. Ich spiele es seitdem jeden Tag! Es macht mich fast schon süchtig... Echt hammer cooles Game! Schau doch selbst auf www.fifaspiel.de

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  • Der immer seinen Nickname vergisst
  • Kommentar 30
  • 21.05.2012 14:01
Antwort auf Kommentar 27

Sorry, aber ich kanns mir nicht verkneifen : ??? hohlen ???, ??? zuhohlen ??? - Ich glaube, da ist was Anderes h o h l ; aber da Du anscheinend auch noch blind bist - die BESSERE Mannschaft, will ich nicht so auf der Rechtschreibung rumhacken ! Und nein, ich komme nicht aus Bayern und bin auch kein ausgesprochener FCB-Fan. In einem CL-Finale bin ich als Deutscher aber für die deutsche Mannschaft, selbst für den BVB oder Gelsenkirchen.

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  • Der immer seinen Nickname vergisst
  • Kommentar 29
  • 21.05.2012 13:54

Teil II: Schweinsteiger war untröstlich, dabei war er nur der I-Punkt in der Fehlerkette. Doch durch solche Niederlagen wachsen Fußballer; jetzt kann er seinen Zorn und seine Enttäuschung bündeln und die Titel holen, die ihm noch fehlen : EM 2012, WM 2014 und die CL werden die Bayern in den nächsten drei Jahren auch gewinnen.

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