Fußball Sportgerichts-Chef Lorenz: Humor und harte Linie

Sportgerichts-Chef Lorenz: Humor und harte Linie (Foto)
Sportgerichts-Chef Lorenz: Humor und harte Linie Bild: dpa

Frankfurt/Main - Hans E. Lorenz urteilt - zumindest in erster Instanz - über das Skandalspiel von Düsseldorf. Der Vorsitzende Richter des DFB-Sportgerichts muss immer ganz viel Fußball im Fernsehen sehen.Als 14-jähriger Kicker ist Lorenz mal für zehn Minuten vom Platz geflogen, weil er sich geweigert hatte, den Ball aus einem Kornfeld zu holen.

Er war der Meinung, das sei Sache der gastgebenden Mannschaft. Das Vergehen kann er längst juristisch einordnen: «Nichtbefolgung einer Anordnung des Schiedsrichters.» Der 60-Jährige, im Hauptberuf Vorsitzender Richter am Mainzer Landgericht, gilt als Koryphäe in der DFB-Sportgerichtsbarkeit. Am Freitag wird ganz Fußball-Deutschland auf sein Urteil schauen: Lorenz leitet als Vorsitzender des Sportgerichts die Verhandlung über den Einspruch von Hertha BSC gegen die Wertung des Skandalspiels von Düsseldorf.

1984 fing er als Vorsitzender des Verbandsgerichts beim Südwestdeutschen Fußball-Verband an. Seit 2007 leitet er das DFB-Sportgericht - ein aufwendiges Ehrenamt: Jedes Wochenende schaut er sich möglichst viele Bundesliga-Spiele im TV an, bei den Verhandlungen werden zudem die entscheidenden Szenen immer wieder eingespielt. Bei seinem Amtsantritt scherzte Lorenz, dass er sich jetzt erstmal mit seiner Lebensgefährtin um den Fernseher streiten werde - weil die Mittwochabends, wenn Englische Wochen oder DFB-Pokalspiele anstehen, gerne «Desperate Housewives» schaut. Unter der Woche entscheidet Lorenz dann über Spielersperren, Fan-Ausschreitungen und auch mal Dopingfälle.

Zuletzt urteilte Lorenz auch in den Verhandlungen über den Kassenrollenwurf eines Fans von St. Pauli und bei der Randale von Dresdner Chaoten im Pokalspiel bei Borussia Dortmund. Beide Strafen - Pokalausschluss für Dynamo und Spiel unter Teilausschluss der Öffentlichkeit für St. Pauli - wurden vom DFB-Bundesgericht unter Götz Eilers später abgemildert. Lorenz sieht sich selbst nicht als «Vertreter einer sonderlich harten Kante», warnte aber im Prozess gegen Dresden Ende November angesichts der massiven Ausschreitungen mit drastischen Worten: «Nie war die Gewalt in unseren Fußballstadien größer als in diesem Jahr. Tote gab es noch nie in unseren Stadien. Wenn es so weiter geht, ist es nur eine Frage der Zeit.»

Es gibt aber auch viel zu schmunzeln bei Verhandlungen mit Lorenz. Sein feiner Humor zeichnet ihn ebenso aus wie seine langjährige Erfahrung auf den wüsten Wiesen des Fußballs. «Sie sind uns immer herzlich willkommen», begrüßte er die Funktionäre des FC St. Pauli, die als Wiederholungstäter schon öfter in der Frankfurter DFB-Zentrale antanzen mussten. «Hatten Sie Auslagen?», fragte er Frankfurts Profi Pirmin Schwegler, der es als Zeuge vom Trainingsplatz der Eintracht nur ein paar hundert Meter bis in die Otto-Fleck-Schneise hat.

Außerhalb des Fußballs hat sich Lorenz ebenfalls einen Namen gemacht: Mitte der 90er Jahre leitete er zwei der sogenannten Wormser Prozesse: 25 Personen waren des massenhaften Kindesmissbrauchs angeklagt. Sein Credo gilt für alle Gerichte, denen er vorsitzt: «Niemals beeinflussen lassen.»

news.de/dpa

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