Relegations-Randale Schlug Kobiaschwili Schiri Stark ins Gesicht?

Fantumulte in Düsseldorf
Fortuna-Fans verlieren die Kontrolle

Schiri Wolfgang Stark zeigte beim Skandalspiel in Düsseldorf Nerven und pfiff die Partie trotz der Tumulte wieder an. Doch nach dem Spiel attackierten ihn angeblich mehrere Hertha-Spieler, darunter Lewan Kobiaschwili und Christian Lell. Der DFB ermittelt.

Es waren tumultartige Szenen, die sich am Dienstagabend in der Bundesliga-Relegation abspielten und den Aufstieg von Fortuna Düsseldorf überschatteten. Etwa 90 Sekunden vor Schluss stürmten Tausende Fortuna-Fans das Spielfeld, zuvor flogen während des Spiels aus beiden Fanlagern Bengalos auf den Platz. Mittendrin: Schiedsrichter Wolfgang Stark. Er behielt in diesem Chaos die Nerven, pfiff die Partie nach 20 Minuten Unterbrechung noch mal an. Nach dem endgültigen Abpfiff (2:2) flüchteten er und die Hertha-Spieler sofort in die Katakomben.

Kobiaschwili soll Stark geschlagen haben

Und dort musste sich Schiri Stark offenbar einiges gefallen lassen und soll von einem Hertha-Spieler sogar körperlich angegangen worden sein. Laut Sport Bild schlug der Berliner Lewan Kobiaschwili Stark ins Gesicht. Der DFB ermittelt demnach gegen den Hauptstadtklub.

Massenpanik und Randale
Todesfalle Stadion

Die Berliner Spieler Christian Lell und Hertha-Kapitän Andre Mijatovic sollen Stark in den Katakomben beschimpft haben. «Warum pfeifst du überhaupt noch an, du feige Sau?», schrie Berlins Lell dem Schiedsrichter laut Berliner Morgenpost entgegen. Mijatovic wird mit den Worten «Das waren keine zwei Minuten, das waren keine zwei Minuten» zitiert. Auch gegen Hertha-Keeper Thomas Kraft und Fortuna-Kapitän Andreas Lambertz wird laut Medienberichten ermittelt, weil er nach Abpfiff mit einem Bengalo auf dem Platz stand. Am Freitagmittag berät der DFB über eine mögliche Neuansetzung des Skandalspiels. Die Verhandlungen beginnen 13.30 Uhr.

Hertha BSC strebt eine Wiederholung der Partie an und wird am Freitag wie gewohnt 15 Uhr trainieren - mit Chefcoach Otto Rehhagel, der seinen Urlaub verschob. Unklar war zunächst, ob das Training öffentlich sein wird. Dies will der Klub nach Rücksprache mit den Trainern noch entscheiden. «Wir trainieren wie vor einem regulären Bundesligaspiel», sagte Vereinssprecher Peter Bohmbach. Die Saison sei für Hertha noch nicht beendet und Rehhagel daher selbstverständlich auch noch Trainer.

DFB und DFL kündigen neue Wege an

Nach dem Skandalspiel von Düsseldorf haben der Deutsche Fußball-Bund und der Ligaverband eine neue Strategie im Kampf gegen Gewalt angekündigt. «Grundsätzlich ist nach den Übergriffen dieser Saison ein Punkt erreicht, an dem neue Wege gegen Gewalt im Umfeld von Fußballspielen gegangen werden müssen», heißt es in einer von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Ligapräsident Reinhard Rauball unterschriebenen Erklärung.

Noch vor der neuen Saison in der 1., 2. und 3. Liga soll nun bei einer Zusammenkunft aller Präsidenten ein Verhaltenskodex entwickelt werden, der den Umgang zwischen Vereinen und Fans beschreibt. Außerdem sollen im Zusammenspiel mit Polizei und Justiz effektivere Vorgehensweisen gegen Gewalttäter auf den Weg gebracht und abgestimmt werden, heißt es.

«Die jüngsten Ausschreitungen zum Saisonende machen einmal mehr auf traurige Weise deutlich, dass die bisherigen Konzepte und Maßnahmen allein nicht mehr ausreichen», räumten die Verantwortlichen von DFB und Ligaverband ein. Mit Bestürzung und Sorge habe man die Vorkommnisse beim Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Berlin zur Kenntnis genommen.

DFB-Generalsekretär: «Niemand hat Patentrezepte»

DFB und Ligaverband seien sich darüber einig, dass solche «unverantwortlichen und die Gesundheit der vielen friedlichen Fans gefährdenden Szenen» in einem Fußballstadion nicht tolerierbar seien und konsequent geahndet werden müssen. Die Sportgerichtsbarkeit des DFB sei auch in diesem Fall dafür zuständig, das angemessene Strafmaß zu finden. Der Kontrollausschuss hat die Ermittlungen aufgenommen. Künftig soll Zusammenspiel mit Polizei und Justiz eine effektivere Vorgehensweise gegen Gewalttäter auf den Weg gebracht werden.

Der neue DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock hatte bereits vor den Ausschreitungen in Düsseldorf ein Spitzengespräch mit der DFL über die zunehmende Gewaltproblematik angekündigt. Der 55-Jährige hatte aber in der Tageszeitung Die Welt betont: «Niemand von uns hat Patentrezepte in der Tasche.»

DFB und DFL: «Für Gewalt darf im Fußball kein Platz sein»

Die Vereine hätten als Hausherren «harte Sanktionsmöglichkeiten, die manchmal nur zum Teil ausgeschöpft werden». Bei bekannten Gewalttätern bestehe «die Möglichkeit zu verhindern, dass sie sich an Spieltagen in Bewegung setzen. Über Ansprachen, über Meldeauflagen, über Reiseverbote. Zudem brauchen wir eine stärkere Sensibilisierung der Justiz.» Sandrock plädierte außerdem für eine länderübergreifende Regelung bei der Strafbemessung.

DFB und Ligaverband verwiesen auch auf die eigens gegründete Task Force Sicherheit mit Vertretern aus Vereinen, Verbänden, Justiz, Polizei und Fanstrukturen. Diese erarbeiten einen Katalog, an welchen Stellen in den Bereichen Prävention und Sanktion angesetzt werden kann. Die Erklärung der beiden Dachverbände am Tag nach dem unrühmlichen letzten Saisonspiel im deutschen Profifußball endet mit dem Satz: «Für Gewalt darf im Fußball kein Platz sein.»

phs/kru/news.de/dpa

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Peter
  • Kommentar 1
  • 18.05.2012 17:31

menschlich kann ich die Wutausbrüche der Hertha-Spieler zu Lasten des Schiris sehr gut verstehen - die Spielleitung des Schiris war ein Skandal. Aber letztlich ist es nur Sport und Spiel, auch wenn das bei den Millionensummen leider leicht untergeht. Und Körperverletzungen und Beleidigungen sind nicht akzeptabel. Beide Mannschafften in die 2. Liga verbannen und das Problem wäre gelöst und die Hardcore Fans schalten nächstes Mal vielleicht ihr Hirn ein.

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