Fußball Chelsea-Coach Di Matteo kann alle in Schatten stellen

London - José Mourinho ist daran gescheitert, Luiz Felipe Scolari hat es nicht geschafft und auch Guus Hiddink blieb ein Unvollendeter beim FC Chelsea.

Chelsea-Coach Di Matteo kann alle in Schatten stellen (Foto)
Chelsea-Coach Di Matteo kann alle in Schatten stellen Bild: dpa

Roberto di Matteo formte hingegen in nicht mal 80 Tagen eine Mannschaft auf dem Weg zum größten Erfolg in der Vereinsgeschichte der Londoner.

Ein 41 Jahre alter Italo-Schweizer, ein Ex-Profi ohne Trainermeriten, ein Interimscoach, für den die «Blues» aber eine Herzensangelegenheit sind. «Er liebt diesen Verein», sagt Chelseas Fußball-Ikone Frank Lampard: «Das ist großartig zu sehen und jeder reagiert entsprechend darauf.»

Nur Clubbesitzer Roman Abramowitsch hält noch still. Seit 2003, als der russische Milliardär den Londoner Nobelclub aufkaufte, hatten die Trainer an der Stamford Bridge stets eine kurz Halbwertzeit. Am längsten hielt es noch Mourinho aus, der von 2004 bis 2007 zweimal Meister wurde, sowie den FA- und zweimal den Liga-Cup gewann.

Skurrilerweise unter einem ebenfalls eher Namenlosen, dem Israeli Israel Avram Grant, schrammte Chelsea 2008 am Champions-League-Titel im Finale von Moskau im Elfmeterschießen vorbei. Scolari, Hiddink, Carlo Ancelotti und dann das 15-Millionen-Euro-Missverständnis André Villas-Boas - der im schweizerischen Schaffhausen geborene di Matteo könnte sie alle in den Schatten stellen und damit auch seine Zukunft als neuer Cheftrainer bei Chelsea sichern.

Die Spieler sind sich einig: Di Matteo soll weiterführen, was er am 4. März nach dem Aufstieg vom Assistenten zum Interimstrainer begonnen hat. «Er macht einen guten Job und wir müssen ihn unterstützen», betont John Obi Mikel.

Was macht di Matteo aber so besonders? Er spricht noch die Sprache der Spieler. Er spielte von 1996 bis 2002 für die «Blues». Bei seinem Wechsel von Lazio auf die Insel war er mit einer Ablösesumme von 4,9 Millionen Pfund der bis dahin teuerste Einkauf des FC Chelsea. Die Fans sollten ihre Liebe zu dem italienischen Nationalspieler schnell entdecken: Beim FA-Cupfinale 1997 erzielte di Matteo nach 43 Sekunden das schnellste Tor in einem Endspiel dieses Wettbewerbs.

1998 traf er im Liga-Pokalfinale, 2000 erneut im FA-Pokalendspiel. «Robbie war auch zentral für unseren Erfolg als Europacupsieger», heißt es auf der Homepage des Vereins. Ein dreifacher Beinbruch in einem UEFA-Cup-Spiel im September 2000 stoppte dann jäh die Karriere des di Matteo. Er kämpfte anderthalb Jahre um die Rückkehr, mit 31 musste er sie dann aber für beendet erklären.

Di Matteo kehrte 2008 als Trainer der Milton Keynes Dons auf die Fußball-Bühne zurück. 2010 übernahm er West Bromwich Albion, musste aber vorzeitig im Februar des Folgejahres wieder gehen. Im Sommer 2011 wurde er als Sekundant für Villas-Boas in Chelsea engagiert.

Ein Glücksfall, wie sich nun herausstellt. Lediglich drei Niederlagen in den 20 bisherigen Spielen unter seiner Regentschaft können sich sehen lassen. Mit dem Gewinn des FA-Cups könnte er auch schon ein Argument für einen Vertrag als Cheftrainer sammeln.

Ein weiteres wäre der Gewinn der Champions League, zum ersten Mal in der 107-jährigen Historie der Londoner. «Dieses Spiel kann über die Geschichte unseres Fußballvereins entscheiden», sagte er vor dem Duell mit dem deutschen Rekordmeister in München. Und mit einem Sieg könnte man es auch dem Vorstand «sehr einfach» machen, meinte der im Finale gesperrte Kapitän John Terry.

Die Trainer seit 2003 im Überblick:

- bis 2004 Claudio Ranieri

- 2004 bis 2007 José Mourinho

- 2007 bis 2008 Avram Grant

- 2008 bis 2009 Luiz Felipe Scolari

- 2009 Guus Hiddink

- 2009 bis 2011 Carlo Ancelotti

- 2011 bis März 2012 André Villas-Boas

- seit März 2012 Roberto di Matteo

news.de/dpa

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