Nationalmannschaft Löw hofft auf das BVB-Quintett

Familientrainingslager
Das DFB-Team auf Sardinien

Endlich! Die Dortmunder kommen. Nach und nach wird es voller im Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft auf Sardinien. Ausgepowert vom Feiern werden heute die Double-Sieger vom BVB im Nobelort Porto Cervo erwartet. Und dann geht es richtig los.

Er beaufsichtigte die Übungen lässig, begrüßte lachend die Spieler und die mitgereisten Journalisten - Joachim Löw demonstrierte an seinem ersten Trainingstag auf Sardinien nach seiner Anreise vom DFB-Pokalfinale gute Laune. Dabei ist es um seinen Mini-Kader nicht sonderlich gut bestellt. Statt des geplantes Einstiegs in die EM-Vorbereitung musste sich Miroslav Klose nach seiner Ankunft im Trainingscamp der Nationalmannschaft gleich mit einer Fußverletzung in medizinische Behandlung begeben. Die ebenfalls angeschlagenen Lukas Podolski und Benedikt Höwedes konnten am Montag ebenfalls nicht auf dem Fußballplatz trainieren. Erneut übten im Stadion Andrea Corda lediglich sechs Feldspieler und drei Torhüter. Löw schaute der Kleingruppe und ganz besonders dem um die Fitness ringenden Abwehrchef Per Mertesacker aufmerksam zu.

Fußball-EM 2012
Mit dieser Elf holen wir den Titel

Improvisation bleibt angesagt im ersten Trainingslager, das sich erst am Dienstag mit der Ankunft der fünf Dortmunder Double-Gewinner Mats Hummels, Mario Götze, Marcel Schmelzer, Ilkay Gündogan und Sven Bender weiter füllt. Die Situation sei «für die Trainer sehr schwer», bekannte Teammanager Oliver Bierhoff: «Es stellt hohe Anforderungen an die Trainer, sehr kurzfristig zu reagieren.»

Kloses erneute Verletzung beunruhigt Löw

Auch bei Klose muss Löw seine Planungen gleich wieder modifizieren. Der 33 Jahre alte Torjäger hatte sich bei Lazio Rom im Training eine Blessur am rechten Sprunggelenk zugezogen und fehlte deswegen am Sonntagabend beim 3:1-Sieg gegen Inter Mailand. In den italienischen Medien wurde prompt wild spekuliert: «Man muss unweigerlich denken, dass sich der Deutsche ohne eine EM vor der Tür anders entschieden hätte», schrieb die Gazzetta dello Sport.

DFB-Team auf Sardinien
Reus kämpft ums EM-Ticket
Video: kru/news.de/dapd

Der 114-fache Nationalspieler checkte am Montagvormittag wie geplant nach dem kurzen Flug von Rom nach Olbia im Teamhotel Rommazino ein, wo ihn DFB-Arzt Josef Schmitt eingehend untersuchte. Die genaue Diagnose gab der Verband nicht bekannt, sondern teilte lediglich mit: Die «leichtere Blessur» sei «nicht besorgniserregend». Wann Klose aber ins Mannschaftstraining einsteigen kann, wurde vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) offen gelassen.

Ein erneuter Rückschlag bei Klose, der nach einem vor zwei Monaten erlittenen Riss im Beugemuskel des linken Oberschenkels gerade erst wieder fit geworden war, wäre ärgerlich - nicht nur für den Spieler, sondern auch für Löw. Der Bundestrainer hatte geplant, «dass für Miro hier ein umfangreiches Programm stattfindet».

Mit dem Dortmunder Quintett geht es richtig los

Das kann Mertesacker, das zweite große Sorgenkind in Löws EM-Wunschformation, bislang in vollem Umfang absolvieren. «Ich kann bis an die Grenze gehen und voll durchziehen», berichtete der 27 Jahre alte Innenverteidiger. Er könne seinen im Februar operierten rechten Fuß «uneingeschränkt belasten». Mertesacker sei im Soll, betonte Löws Assistent Hansi Flick: «Er ist sehr spritzig. Er ist auf dem Weg, auf dem wir ihn erwartet haben.» Selbst bei den Sprints hält der Arsenal-Profi Schritt mit seinen vielen jungen Teamkollegen.

Nach einer Bootstour am Vortag wurde das Übungspensum zum Wochenbeginn wieder angezogen. Allerdings ohne Podolski und Höwedes, die weiter über muskuläre Probleme klagen. Mit den Bremsschlitten wurde bei Marco Reus & Co. die Schnellkraft geschult. Tim Wiese, Ron-Robert Zieler und Marc-André ter Stegen nahmen das spezielle Torwarttraining auf - ihr Dreikampf um die zwei Kaderplätze hinter Manuel Neuer ist damit eröffnet. «Es ist sehr anstrengend, aber wir haben auch ein großes Ziel vor Augen», sagte der Gladbacher Reus schwitzend nach der Übungseinheit.

Wenn die Dortmunder da sind, «werden wir in die richtige Arbeit reinkommen», kündigte Löw eine weitere Intensitätssteigerung an. Das BVB-Quintett dürfte am heutigen Dienstag zwar müde vom Feiern, aber auch euphorisiert die EM-Vorbereitung aufnehmen. Mertesacker wünscht sich, dass er neben den schwarz-gelben Meistern und Pokalsiegern später auch noch Champions-League-Gewinner in Empfang nehmen kann: «Wir als Nationalmannschaft hoffen, dass nicht nur die Dortmunder mit einem positiven Erlebnis zu uns kommen, sondern auch die Bayern.»

kru/news.de/dpa

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