Fußball FC Bayern muss «Löschen-Taste» drücken

FC Bayern muss «Löschen-Taste» drücken (Foto)
FC Bayern muss «Löschen-Taste» drücken Bild: dpa

München - Keine Zeit für Selbstzweifel. Nach der neuerlichen Demütigung auf nationaler Ebene will der FC Bayern nun Europas Thron besteigen.

«Sie haben jetzt das allergrößte Ziel vor Augen, die Champions League zu gewinnen», sagte Bundestrainer Joachim Löw. «Die Besten in Europa zu sein, wäre ein super Abschluss.» Franz Beckenbauer forderte gleich schon mal einen Kampf «über die eigenen Grenzen», Uli Hoeneß sprach beim Gedanken an einen Lebenstraum von «Gänsehaut». Aber vor dem Champions-League-Heimfinale gegen den FC Chelsea schwebt über allem auch eine Riesensorge: Die vor dem totalen Nichts.

«Ich mag mir nicht vorstellen, dass der FC Bayern am Ende ganz ohne Titel dasteht», sagte Beckenbauer in der «Bild» und forderte einen ganzen anderen Auftritt als beim schmachvollen 2:5 gegen Borussia Dortmund im Pokal. «So wie wir gegen Dortmund gespielt haben, können wir Chelsea in fünf Tage nicht schlagen.»

Hoffnung machen neben dem Heim-Vorteil die starken Auftritte in dieser Königsklassen-Saison, in der das Team ein «fantastisches Gesicht» gezeigte habe, betonte Sportdirektor Christian Nerlinger. «Ich denke, dass werden wir dann auch so in München am Samstag sehen.» BVB-Kapitän Sebastian Kehl kündigte an, «die Daumen drücken» zu wollen, ebenso wie Bundespräsident Joachim Gauck. So viele Fans wie am Samstagabend um 20.45 Uhr hatte der FC Bayern noch nie.

Doch können die Münchner, für die zweite Plätze nichts zählen, so einfach den Schalter umlegen? Schließlich haben sie nicht irgendwie, sondern niederschmetternd das Berliner Finale gegen Borussia Dortmund verloren. Die «Löschen-Taste» zu drücken, empfahl der frühere Spielführer Oliver Kahn, um dann mit einem Erfolg am Ende der Woche alles vergessen zu machen. «Meister und Pokalsieger kann der FC Bayern in jeder Saison werden, aber Champions-League-Sieger - die Chance hast du nicht so oft.» Und das zu Hause in München, wo die Stadt mehr und mehr das finale Gewand verpasst bekommt.

Am Montag wurde noch einmal öffentlich an der Säbener Straße trainiert, am Dienstag ist frei. Dann werden die Schotten dicht gemacht. Im Geheimen bereitet Jupp Heynckes den Rekordmeister auf sein Jahrhundertspiel vor. Der 67-Jährige ist mehr denn je als einfühlsamer Fußball-Lehrer gefordert - und muss irgendwie die Abwehr stabilisieren. «Das darf uns in der nächsten Woche nicht passieren, dass wir in der Defensive so große Schwächen offenbaren», sagte Heynckes.

Dass statt der drei DFB-Pokal-Finalisten Holger Badstuber, David Alaba und Luiz Gustavo wegen Gelb-Sperren drei andere Profis (vermutlich Anatoli Timoschtschuk, Diego Contento und Thomas Müller) ins Team rücken, dürfte die defensiven Sorgen nicht unbedingt verkleinern. Daniel van Buyten lief nach langer Verletzung schon wieder für die Amateure auf - aber gegen Chelsea?

«Wir müssen das, was wir falsch gemacht haben, sehr genau analysieren. Chelsea spielt ähnlich wie Dortmund auch mit sehr viel langen Bällen», betonte Bastian Schweinsteiger. Franck Ribéry, der 2010 das Endspiel gesperrt verpasst hatte, setzt auch auf das Königsklassen-Gesicht seiner Bayern. «In der Champions League waren wir sehr präsent. Wir wussten immer, worum es ging. Der Ehrgeiz war stets zu spüren», betonte Ribéry im «kicker». «Natürlich hätten wir lieber Dortmund geschlagen und uns mit dem Pokaltitel im Rücken auf das Spiel gegen Chelsea vorbereitet. Aber das müssen wir nun verdrängen; jetzt gilt es, sich total auf Chelsea zu konzentrieren.»

Wie der FC Bayern wird der FC Chelsea «versuchen, eine nicht gut verlaufene Saison zu korrigieren», betonte Karl-Heinz Rummenigge. Platz sechs in der Premier League, nur beim Königsklassen-Titel sind die Londoner nächste Spielzeit wieder im Kräftemessen der ganz Großen dabei. «Ich bitte die Mannschaft, nein, ich verlange von ihr, dass gegen Chelsea mit Leidenschaft, Willen und Aggressivität gespielt wird», forderte Rummenigge.

news.de/dpa

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