EM Teure EM - Fan-Frust über hohe Preise

Teure EM - Fan-Frust über hohe Preise (Foto)
Teure EM - Fan-Frust über hohe Preise Bild: dpa

Warschau - Vor allem in der Ukraine müssen Fußballfans bei der Europameisterschaft im kommenden Monat tief in die Tasche greifen. Die um das Zehn- bis Zwölffache gestiegene Übernachtungspreise in den ukrainischen EM-Städten sorgten bereits für harsche Kritik von Michel Platini.Der UEFA-Präsident forderte die ukrainische Regierung bereits zum Handeln auf.

Doch auch Co-Gastgeber Polen war schon einmal deutlich preiswerter. Je näher das gewünschte Quartier am neu gebauten Warschauer Nationalstadion liegt, desto mehr scheinen Hotels wie Privatvermieter nur noch den großen Profit zu sehen.

«Ich habe meinem Mieter gekündigt, der hätte eh schwarz untervermietet», gibt die Besitzerin einer Zwei-Zimmer-Wohnung zu, von der man in zehn Minuten zu Fuß das Stadion erreichen kann. «Ich bin sicher, dass ich die Wohnung während der EM für ungefähr 2500 Euro vermieten kann.» Rund 450 Euro im Monat bekam sie an Miete.

Ein Hotel in einem neben dem Stadion gelegenen Park hat die Preise für seine Zimmer im gediegenen Landhausstil um das Zehnfache angehoben. Unter 700 Euro pro Nacht kann man hier nicht schlafen. Doch immerhin: Einige Vermieter haben auch ein Herz für weniger betuchte Fans und bieten für zehn Euro pro Nacht einen Zeltplatz im Garten an.

Doch die Organisatoren rechnen eh mit zahlreichen zahlungskräftigen Edelfans, vor allem aus Russland. Der ehemalige Militärflughafen Modlin bei Warschau, den künftig vor allem Billig-Airlines anfliegen werden, wird während der EM bereits für private Kleinflugzeuge geöffnet. Es gebe bereits zahlreiche Anfragen von russischen Fans, die mit dem eigenen Flugzeug zur EM reisen wollen, hieß es in polnischen Medienberichten.

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew wiederum können sich Fußballfans vorübergehend wie Studenten fühlen - Fast 50 Studentenwohnheime sollen für einen Teil der erwarteten 30 000 Fußballfans verwendet werden. Allein die Schewtschenko-Universität stellt zwölf Wohnheime mit insgesamt 5000 Plätzen zur Verfügung. Wohnheim Nr. 19 mit 560 Plätzen wurde für fast drei Millionen Euro aus dem Staatsbudget auf Drei-Sterne-Hotel-Niveau gebracht.

Die meisten Studenten, die während der EM ihre Unterkünfte räumen müssen, möchten sich dazu nicht offen äußern. «Niemand setzt hier jemanden vor die Tür», wiegelte Wladimir Prochorenko, Leiter der Wohnheime der Schewtschenko-Universität, ab. Finanziell lohnt sich die Vermietung für die Wohnheimbetreiber auf jeden Fall. Bei Preisen zwischen 10 und 85 Euro pro Nacht können die Hochschulen während des EM-Monats mehr einnehmen als sonst in einem ganzen Jahr.

Doch nicht nur für Unterkünfte muss man während der EM tiefer in die Tasche greifen. «Das Bier ist jetzt schon teurer geworden», mault der 24-jährige Pawel aus Warschau. «Und das bei schönstem Biergartenwetter. Nach der EM wird das sicher so bleiben.»

Der Rentner Karol Wisniewski sieht unterdessen die Veränderungen in seinem Stadtteil Saska Kepa gleich südlich des Stadions mit Sorge. «Innerhalb weniger Wochen haben eine Bäckerei und der Metzgerladen dicht gemacht. Stattdessen entstehen überall neue Restaurants und Boutiquen. Aber das können sich nur die Ausländer und die Leute mit gutem Einkommen leisten, nicht wir kleinen Leute.»

news.de/dpa

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