Motorsport Schumacher gelassen: «Warum sollte ich nicht gewinnen»

Barcelona - Von Panik oder gar Resignation keine Spur: Obwohl Rekordgewinner Michael Schumacher seit seinem Comeback vor gut zwei Jahren auf den ersten Sieg wartet, lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen.«Wenn Nico Rennen gewinnen kann, sehe ich nicht, warum ich nicht auch gewinnen sollte», verwies er auf den Premierenerfolg seines Teamkollegen Nico Rosberg beim Großen Preis von China.

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Schumacher gelassen: «Warum sollte ich nicht gewinnen» Bild: dpa

Der siebenmalige Formel-1-Weltmeister vertraut auf die Fortschritte und das Potenzial von Mercedes und verfolgt seine Ziele konsequent, aber mit der Ruhe des Routiniers.

Ob es an diesem Wochenende beim Großen Preis von Spanien schon klappt, ist völlig offen. Auf jeden Fall zählt Schumacher auf dem Circuit de Catalunya zum erweiterten Kreis der Siegkandidaten. Nach dem sechsten und achten Platz im Training am Freitag ist aber klar, dass der mit sechs Erfolgen in Barcelona auch hier den Rekord haltende 91-malige Grand-Prix-Gewinner längst nicht der große Favorit ist. «Nach allem, was wir in den zwei Durchgängen gelernt haben, haben wir ein ganz gutes Gefühl fürs Wochenende», sagte Schumacher dennoch ziemlich zufrieden.

Rosberg schaffte es immerhin am Nachmittag als Dritter aufs Treppchen. Da fehlten ihm 0,372 Sekunden auf den Tagesschnellsten Jenson Button (Großbritannien) im McLaren. Zum Auftakt hatte er nur Rang 14 belegt. «Generell lief es gut», resümierte der Sohn von Ex-Champion Keke Rosberg. «Aber es gibt noch ein paar Fragezeichen. Der Umgang mit den Reifen wird eine große Herausforderung und der Schlüssel zum Erfolg sein.»

Für Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug sind beim Europaauftakt am Sonntag eher die Fahrer anderer Teams die Favoriten. «Ich sehe uns im Moment noch nicht in vorderster Linie, weil wir noch ein paar Punkte aufarbeiten müssen», sagte Haug am Freitag. Rosberg teilt diese Einschätzung: «Wir sind natürlich noch nicht die Besten, aber wir wollen die Besten werden.»

Seit seinem historischen Sieg von Shanghai im dritten Saisonrennen sehen etliche Experten den Wiesbadener als potenziellen Champion. Rosberg bremst da verbal ab: «Ich möchte nicht sagen, dass ich mich im Titelkampf sehe. Ich sehe mich als wachsende Kraft mit meinem Team.» Mit 35 Punkten liegt er vor dem fünften Saisonlauf auf WM-Rang sechs deutlich hinter Spitzenreiter Sebastian Vettel (53) im Red Bull.

Verglichen mit Schumacher sind Rosbergs Position und Punktausbeute jedoch komfortabel: Der Rekord-Champion aus Kerpen dümpelt mit mageren zwei Zählern abgeschlagen auf dem 18. Gesamtplatz. Allerdings kosteten ihn ein Getriebeschaden in Australien, ein Unfall mit Romain Grosjean in Malaysia und ein nicht richtig festgezogener Reifen in China zahlreiche Punkte.

Vor allem das Missgeschick in Shanghai war bitter, weil ein zweiter Platz und damit ein Mercedes-Doppelerfolg dort möglich waren. Trotzdem hadert Schumacher nicht. «Schade, dass ich noch kein Rennen gewonnen habe, aber ich bin definitiv glücklich mit dem, was für mich abgelaufen ist», versicherte der 43-Jährige.

Im Team und im Fahrerlager genießt der alle wichtigen Rekorde haltende Schumacher immer noch allergrößten Respekt, auch wenn er derzeit nicht an seine glorreichen Zeiten anknüpfen kann. Es ist keineswegs so, dass der aufstrebende Rosberg nun die neue Nummer 1 im Silberpfeil wäre. Haug wertet das stallinterne Duell als weitgehend ausgeglichen: «Nico ist ein guter Maßstab für Michael.»

Für Rosberg stellt sich die Frage nach einer Nummer 1 nicht. «Wir sind beide gleichberechtigt und beide werden gleich behandelt», versicherte er. Dass ihm bei Mercedes die Zukunft gehört, ist schon angesichts des Altersunterschieds von 16,5 Jahren logisch. Zudem hat sich Rosberg langfristig ans Team gebunden. Ob Schumacher nach dieser Saison seine Karriere fortsetzen wird, steht dagegen noch in den Sternen.

news.de/dpa

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