Fußball Preetz: Sinnbild der Hertha-Leiden

Berlin - Natürlich ist das Endspiel von Hertha BSC delikat, weil sich Manager Michael Preetz und Ex-Trainer Markus Babbel nach der unrühmlichen Lügenaffäre wiederbegegnen.

Preetz: Sinnbild der Hertha-Leiden (Foto)
Preetz: Sinnbild der Hertha-Leiden Bild: dpa

Doch für Preetz steht viel mehr auf dem Spiel: Mit dem erneuten Abstieg läge seine Arbeit wieder in Trümmern.

Wieder wird Preetz an der Seitenlinie leiden, diesmal vielleicht mehr denn je. Es geht um die 1. Liga für Hertha, es geht um die Arbeit des Berliner Managers, es geht um die letzte Chance. Nur mit einem Sieg zum Saisonabschluss der Fußball-Bundesliga gegen 1899 Hoffenheim könnte sich Hertha BSC noch in die Relegations-Verlängerung retten, falls zeitgleich der 1. FC Köln gegen den FC Bayern München nicht gewinnt.

Dass Hertha noch dazu gegen Babbel antritt, den einstigen Preetz-Vertrauten, den ehemaligen Berliner Aufstiegscoach, möchte der Manager am liebsten ausblenden: «Das spielt überhaupt keine Rolle. Es geht um den Klassenerhalt für Hertha BSC. Das ist die Überschrift für Samstag.» Doch zuvor hatte er schon deutlich gemacht, wie sehr ihn die Lügen-Vorwürfe aus dem vergangenen Jahr noch belasten: «Babbel hat meine Glaubwürdigkeit mit Füßen getreten.»

Babbel wiederum hatte sich zuletzt versöhnlich gezeigt: «Ich bin ein höflicher Mensch.» Er werde Präsident Werner Gegenbauer und Preetz die Hand geben, sagte der Trainer vor dem Duell mit Hertha.

Preetz, Ex-Torjäger und jetzt glückloser Manager, ist längst zum Sinnbild aller Hertha-Leiden geworden. Nur acht Pünktchen in der Rückrunde nach der Babbel-Trennung: TV-Kameras fingen immer wieder in Großformat ein, wie Preetz sein aschfahles Gesicht in seinen großen Händen begrub: «Ich bin so emotional wie früher als Profi.»

Das allerdings zeigte Preetz zuletzt nur während der Spiele, die meist mit einer Berliner Pleite endeten. Zwischen den Partien blieb er oft in Deckung: Unter der steigenden Anspannung vermochte es der auch für die Außendarstellung des Clubs zuständige Preetz nicht, die durch den Wiederaufstieg 2011 erzeugte optimistische Ausstrahlung rund um Hertha zu erhalten.

Preetz ist als Geschäftsführer Sport der Verantwortliche für Erfolg und Misserfolg. Nicht jede seiner Entscheidungen habe gesessen, hatte er bereits eingeräumt. Seine Kritiker drücken es anders aus: Preetz hätte als Bundesliga-Manager nicht das nötige Format, er müsste weg. «Wer mich kennt, weiß: Ich bin keiner, der wegläuft», betonte der Manager dann immer wieder. Präsident Werner Gegenbauer, der engste Vertraute, will mit Preetz weitermachen.

Preetz wirkt verletzt, fühlt sich manchmal unverstanden. So als der reaktivierte 73-jährige Otto Rehhagel in Berlin mit Skepsis empfangen wurde, nachdem Preetz den Versuch mit Chefcoach Michael Skibbe als «Fehler» abgebrochen hatte. Dabei treibt Preetz eigentlich «eine tiefe Sehnsucht nach Kontinuität». Doch zu viel lief schief. Die unrühmliche Trennung von Babbel riss tiefe Narben. Der Otto-Effekt war nur kurz, Rehhagel schottete Hertha noch mehr ab. Das Resultat: Noch mehr Skepsis, noch mehr negative Energie.

Nach seiner aktiven Karriere hatte Herthas Rekordtorschütze Preetz sechs Jahre im Schatten des allmächtigen Dieter Hoeneß geduldig auf seine Chance gewartet. Unter «schwierigsten Bedingungen» - anders als Hoeneß durfte Preetz nie größeres Geld für Transfers ausgeben - versuchte er, Hertha ein neues Image zu geben. «Wir dürfen auch ein sympathischer Verein sein», hatte der Manager einmal formuliert und mit einem offenen Führungsstil seine Mitarbeiter für sich gewonnen.

Doch bei 35 Millionen Euro und mehr Schulden waren die Spielräume bei den wichtigen Entscheidungen klein. Fehler werden da noch gnadenloser bestraft: «Das ist schon ein Spagat», meinte Preetz. Nach seinem ersten Manager-Jahr musste Hertha in Liga zwei, nur 24 Monate später droht der nächste Absturz. Beschäftigen will sich Preetz mit Abstiegsszenarien noch nicht: «Sie werden verstehen, dass wir uns vor dem entscheidenden Spiel nicht an diesen Szenarien beteiligen.»

news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig