Eishockey Kölliker schwört DEB-Team auf «System Köbi» ein

Stockholm - Die Zeit der Zurückhaltung und des Kleinredens beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) vor einer WM ist unter dem neuen starken Mann Jakob «Köbi» Kölliker vorbei.

Kölliker schwört DEB-Team auf «System Köbi» ein (Foto)
Kölliker schwört DEB-Team auf «System Köbi» ein Bild: dpa

Erstaunlich forsch und selbstbewusst wie kaum einer seiner Vorgänger ist der Bundestrainer und wahrscheinlich künftige Sportdirektor mit dem Nationalteam zur ersten WM unter seiner Verantwortung nach Stockholm aufgebrochen.

Nach der Ankunft der vier Lufthansa-Flüge aus Frankfurt, München, Düsseldorf und Zürich schwor der Schweizer die bislang 24 Spieler auf das ehrgeizige «System Köbi» ein. NHL-Star Marcel Goc wird erst am Mittwoch erwartet.

«Wir wollen gewinnen. Und wenn man gewinnt, ist man Weltmeister. Das wäre das Ziel. Ich glaube nicht, dass jemand zur WM fährt, um Neunter, Zwölfter oder Dreizehnter zu werden», sagte Kölliker im Interview der Nachrichtenagentur dpa. Drei Tage vor dem Start der 76. WM in Finnland und Schweden (4. bis 20.5.) sieht Kölliker Deutschland trotz vieler Absagen gerüstet für den Angriff auf die Top-Teams.

Der DEB ist längst von der Arbeit Köllikers überzeugt. Die Prämisse, das WM-Abschneiden abzuwarten und erst dann über eine Verlängerung von Köllikers nach der WM auslaufenden Vertrag zu befinden, gilt nicht mehr. Kölliker soll künftig auch Sportdirektor, damit Chef des Trainerstabs und so etwas wie der starke Mann im sportlichen Bereich werden.

«Um die Konzentration der Nationalmannschaft auf den Saisonhöhepunkt nicht zu gefährden, einigten sich beide Parteien, ihre Gespräche erst nach Abschluss der WM fortzuführen», teilte der DEB mit. Köllikers Fokus liegt längst nur noch auf maximalem WM-Erfolg: «Ich mache alles menschenmögliche, nach gutem Wissen und Gewissen, dass wir unsere Ziele mit Deutschland erreichen und dann sehen wir weiter.»

Jahrelang galt unter den Kölliker-Vorgängern Hans Zach (1998-2004) und Uwe Krupp (2005-2011) der Klassenverbleib als Minimalziel; das Understatement gehörte vor einer WM zum Programm. Nicht ganz unbegründet. 2009 war Deutschland unter Krupp sportlich eigentlich abgestiegen, und blieb nur wegen der folgenden Heim-WM erstklassig. Erst dann folgten der sensationelle vierte Platz 2010 und das erneute Viertelfinale 2011. Für Schwarzmalerei ist Kölliker aber auch trotz insgesamt neun WM-Absagen nicht zu haben.

«Die Absagen spielen überhaupt keine Rolle», behauptete Kölliker, der in Stockholm, wo das DEB-Team alle Vorrundenspiele sowie ein mögliches Viertelfinale bestreitet, nicht nur auf die NHL-Superstars Christian Ehrhoff (verletzt) und Dennis Seidenberg (private Gründe) verzichten muss. Auch Alex Sulzer (private Gründe), Kapitän und Torjäger Michael Wolf (verletzt), Constantin Braun, Frank Hördler (beide angeschlagen), Rob Zepp (private Gründe), Eduard Lewandowski und Frank Mauer (beide verletzt) sagten alle ab.

Dennoch: Kölliker will mit fünf WM-Neulingen und Goc als einzigem NHL-Profi erneut ins Viertelfinale. Dies wäre gleichbedeutend mit der Qualifikation für Olympia 2014 - dem offiziellen Minimalziel. «Die direkte Olympiaqualifikation ist etwas, was wir als Nation anstreben und erreichen wollen», sagte Kölliker, für den auch eine Wiederholung des sensationellen WM-Halbfinales von 2010 nicht ausgeschlossen ist: «Wenn man im Viertelfinale steht, ist nach oben alles drin.»

Auch ohne NHL-Spieler und die in den DEL-Playoffs gebundenen Leistungsträger überzeugte das Team mit neuer, offensiver Ausrichtung und einigen jungen Debütanten in der WM-Vorbereitung. In acht Spielen verlor das Kölliker-Team nicht ein einziges Mal nach 60 Minuten. Und das gegen Top-Teams wie Russland - gegen den Rekord-Weltmeister gewann Deutschland gar zweimal - Tschechien oder die Slowakei.

Spieler und DEB sind begeistert. «Er ist hochmotiviert», sagte Torhüter Dennis Endras und Stürmer Philip Gogulla lobte die «sehr sachliche Art». Das Feedback vom Team, die Ergebnisse und Köllikers Art haben auch bei DEB-Präsident Uwe Harnos Eindruck gemacht. «'Köbi' ist unser Mann», sprach Harnos schon vor Tagen, ehe er Kölliker das Angebot machte, auch Sportdirektor zu werden.

news.de/dpa

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