Fußball Trainer Zumdick beendet Iran-Abenteuer

Trainer Zumdick beendet Iran-Abenteuer (Foto)
Trainer Zumdick beendet Iran-Abenteuer Bild: dpa

Bochum - Ralf Zumdick ist froh, wieder zu Hause zu sein. Das Iran-Abenteuer ist für den 53 Jahre alten Fußball-Trainer beendet.

«Ich habe dort wertvolle Erfahrungen gesammelt, die ich nicht missen möchte. Aber zuletzt war es doch sehr schwierig geworden, dort perspektivisch und erfolgreich zu arbeiten. Man kann sportlich wenig verändern, auch weil man nicht die Kompetenzen bekommt, die man bräuchte», sagt Zumdick in einem Gespräch der Nachrichtenagentur dpa.

Rund acht Monate war der frühere Torhüter des VfL Bochum in einer Kombination aus Sportdirektor, Berater und Trainer in einer anderen Fußball-Welt tätig. Nach zwei Jahren beim türkischen Erstligisten Genclerbirligi Ankara hatte Zumdick im vorigen Sommer beim Teheraner Vorzeigeclub Persepolis angeheuert. «Fußball hat im Iran eine große Tradition, die Leute sind total verrückt danach», erläutert Zumdick.

In der völlig anderen Kultur musste er sich erst zurechtfinden. Vieles war neu, ungewohnt und fremd in dem muslimischen Land, das politisch und wirtschaftlich isoliert ist. «Dass keine Frauen in die Stadien dürfen, fand ich sehr gewöhnungsbedürftig», meint der gebürtige Münsteraner, den alle «Katze» nennen.

Kurz vor Weihnachten übernahm der ehemalige türkische Nationalcoach Mustafa Denizli, der sein Heimatland bei der EM 2000 bis ins Viertelfinale führte, wieder das Zepter bei Persepolis. Nach dem Rausschmiss von Irans Fußball-Idol Hamid Estili, 1998 beim 2:1-Sieg gegen den Erzfeind USA der erste WM-Torschütze seines Landes, hatte Zumdick zuvor einige Wochen als Chefcoach fungiert. Nun änderte sich für ihn erneut die Perspektive.

Der Präsident von Persepolis, ein Ex-General und Polizeipräsident von Teheran, wollte Zumdick zwar als persönlichen Berater behalten. «Aber das wollte ich nicht, ich wollte zurück nach Deutschland. Schließlich haben wir uns gütlich geeinigt.» Oft traf Zumdick sich mit Michael Henke, der beim Lokalrivalen Esteghlal Teheran arbeitet. «Wir haben ein paar Bierchen getrunken und uns ausgetauscht.»

Während Henke trotz der unsicheren Lage noch im Iran ist, kehrte der frühere Olympia-Auswahltorwart dem Land den Rücken. «Angst hatte ich dort nie, aber es gab viele Probleme. Es fehlen vernünftige Strukturen in den Clubs. Alles wird von oben diktiert. Wenn die Spieler disziplinierter trainieren, technisch und taktisch besser ausgebildet würden, könnten sie im asiatischen Fußball eine gute Rolle spielen. So aber verlieren sie den Anschluss», erklärt Zumdick, für den Ex-Bundesliga-Profi Vahid Hashemian im Training übersetzte.

Eine der größten Schwierigkeiten war, das verdiente und ordentlich versteuerte Einkommen nach Hause zu transferieren. «Man kann im Iran nicht einfach in eine Bank spazieren und das Geld überweisen.» So mussten die Dollars in kleinen Chargen, teils über Mittelsmänner und auf verschlungenen Wegen außer Landes gebracht werden. Und noch immer hat er nicht sein gesamtes Geld. Und dass er bei der Einreise stets seinen Pass abgeben und ihm dann oft hinterherlaufen musste, empfand Zumdick als unangenehm. «Das war alles schon ziemlich abenteuerlich.»

Nicht nur deshalb ist seine Frau Karin froh, den dreifachen Familienvater wieder daheim in Bochum zu haben. Auch wenn der Fußball-Lehrer, der den VfL einst zurück in die Bundesliga führte und sowohl als Nationalcoach Ghanas als auch als Assistent von Thomas Doll beim HSV und BVB arbeitete, nun wieder auf Jobsuche ist.

Einen neuen Club zu finden, wird nicht einfach. Weil Trainer leicht in Vergessenheit geraten, wenn sie einen Weile im Ausland waren. «Wenn hier ein Verein einen Trainer sucht, werden doch immer nur dieselben Namen gehandelt», beschreibt Zumdick die Realität. «Dabei habe ich überall, wo ich war, auch erfolgreich gearbeitet.» Am liebsten wäre ihm nach einigen Jahre in der Fremde nun ein Traineramt in der Region. Bundesliga, 2. oder 3. Liga, Zumdick schließt aber auch ein erneutes Auslands-Engagement nicht aus. «Ich habe gelernt, flexibel zu sein.» Nur der Iran muss es nicht mehr sein.

news.de/dpa

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