Olympia Londoner klagen über Ticketvergabe für Spiele

London - Mit Superlativen geizen die Londoner nicht, wenn es um die Olympischen Spiele an der Themse geht. «Die größte Show auf Erden» verspricht etwa Bürgermeister Boris Johnson.

Londoner klagen über Ticketvergabe für Spiele (Foto)
Londoner klagen über Ticketvergabe für Spiele Bild: dpa

Doch wer sieht dabei eigentlich zu?

Zigtausende Londoner fühlen sich um die einmalige Chance betrogen, weil sie keine Eintrittskarten ergattern konnten. Stattdessen, so lautet der Vorwurf, hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) viele Tickets an Sponsoren und Fernsehsender gegeben. «Im Stadion sitzen doch sowieso nur die oberen Zehntausend», sagt Tim Reder, einer der vielen, die leer ausgegangen sind.

Organisationschef Sebastian Coe verweist gerne darauf, dass London 2012 schon jetzt erfolgreicher Tickets verkauft hat als alle Vorgänger-Spiele. «Zwei Drittel aller Karten kosten 50 Pfund (rund 60 Euro) und weniger», sagte Coe der Nachrichtenagentur dpa. Er könne sich an keine Olympischen Spiele erinnern, bei denen so früh klar war, dass die Sportler vor ausverkauften Tribünen antreten. «Voll mit Leuten, die das auch wollen», ergänzte er mit Blick auf Spiele in Ländern wie China.

Dennoch: Die Ticketfrage ist inzwischen zum vielleicht größten Streitpunkt vor den Spielen geworden. 8,8 Millionen Tickets stehen für die Wettkämpfe vom 27. Juli bis 12. August zur Verfügung. 6,6 Millionen davon wurden und werden in mehreren Runden an die britische Öffentlichkeit verkauft, sagt das Organisationskomitee LOCOG. 13 Prozent gingen an die Nationalen Olympischen Komitees der mehr als 200 Teilnehmernationen. Der Rest wurde kostenlos an Sponsoren oder etwa die Lizenznehmer für die Fernsehübertragungen verteilt.

Die Olympia-Macher um LOCOG-Chef Coe schweigen zu Verteilung. Sie weigern sich zu sagen, wie viele Tickets für Top-Events wie etwa das 100-Meter-Finale der Männer oder die Eröffnungsfeier zum Einstiegspreis von 20 Pfund über den Tresen gingen. Und wie viele zu Top-Preisen von über 2000 Pfund im Angebot waren. «Wir sind nicht börsennotiert, wir sind nicht auskunftspflichtig», sagt Coe.

Das macht Kritiker wie Antony Barnett fuchsteufelswild. «Wo sind all die Tickets hin?», fragt der Journalist, der in einer Reportage für den TV-Sender Channel 4 die Ticketvergabe untersuchte. Der Steuerzahler habe die Spiele mit Milliardensummen erst ermöglicht. Er habe ein Recht auf Auskunft. «Diese Fragen müssen beantwortet werden!», fordert Barnett. Es liege der Verdacht nahe, dass die Tickets für die attraktiven Wettbewerbe, darunter auch das in Großbritannien ausgesprochen populäre Bahnradfahren, vor allem an Sponsoren und Offizielle gingen. Für die Londoner blieben dagegen nur die Vorkämpfe im Judo oder Wurfscheibenschießen.

Kritik kommt auch von den Athleten und ihrer Verwandtschaft. David Hoy, Vater von Vierfach-Olympiasieger Chris Hoy, schlug schon Alarm. «Ich glaube nicht, dass Athletenfamilien berücksichtigt wurden», sagt er. Er fürchtet, seinem Sohn am Fernseher die Daumen drücken zu müssen. LOCOG hält dagegen: «Jeder Athlet kann zwei Karten kaufen für alle Wettbewerbe, an denen er teilnimmt.» Der Haushaltsartikel-Hersteller Procter & Gamble, einer der Hauptsponsoren der Spiele, hat die Situation erkannt und will mit einem eigenen Programm für Athletenmütter entgegenwirken. In Kooperation mit den Nationalen Olympischen Komitees geht ein großer Teil der Sponsoren-Tickets des Konzerns an die Mütter von Sportlern.

Informationen Scotland Yard

Informationen LOCOG

news.de/dpa

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