Fußball Zunächst Rückendeckung für Solbakken in Köln

Zunächst Rückendeckung für Solbakken in Köln (Foto)
Zunächst Rückendeckung für Solbakken in Köln Bild: dpa

Köln - Am Kölner Geißbockheim herrschte am Tag nach der schmerzhaften Abreibung in Mainz ungewöhnliche Ruhe. Die Art und Weise der 17. Saisonpleite hatte Trainer Stale Solbakken gewaltig zugesetzt.Das desolate 0:4 war einmal mehr eine Begegnung der unerfreulichen Art.

Nach einer kurzen Nacht ließ der Norweger am Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainieren. Die Kölner Entscheidungsträger besprachen unterdessen die Personalie Solbakken und gaben dem angeschlagenen Coach trotz der bedrohlichen Situation vier Spieltage vor Saisonschluss zunächst Rückendeckung. Eine Job-Garantie für das Derby in Gladbach ist das halbherzige Bekenntnis aber nicht.

Geschäftsführer Claus Horstmann habe ihm für das Training alles Gute gewünscht, erzählte Solbakken. Nur Stunden zuvor hatte der momentane FC-Boss noch gewettert: «Für die Leistung ist der Trainer verantwortlich.» Horstmann hatte die quälenden 90 Minuten mitten unter den Kölner Fans erlebt und fassungslos erklärt: «Ich kann mich nur entschuldigen.» Die zornigen Anhänger skandierten desillusioniert: «Wir sind Kölner und ihr nicht.»

Der Unmut ist verständlich. Das Gründungsmitglied der Fußball-Bundesliga bleibt auf dem Relegationsplatz, der fünfte Abstieg rückt immer näher. Kein Erstliga-Club hat in dieser Spielzeit öfter verloren, kein Team mehr Gegentore (63) kassiert. In Köln wird bereits der in Hoffenheim gescheiterte Holger Stanislawski als «Feuerwehrmann» genannt. Auch eine interne Lösung mit Frank Schaefer, Stephan Engels oder Dirk Lottner wäre denkbar.

Horstmann vermied es, Solbakken vor den letzten vier Saisonspielen in Mönchengladbach und Freiburg sowie gegen Stuttgart und München noch einmal bedingungslos zu unterstützen. «Wir haben uns in der Rückrunde sehr, sehr deutlich für den Trainer positioniert. Aber eine 0:4-Niederlage. Das nagt einfach», erklärte der FC-Funktionär. Solbakken ist überzeugt, in der Vorbereitung alles für den Erfolg getan zu haben. Ein Konzept für eine Trendwende in Gladbach scheint er nicht zu haben. «Neuer Gegner, neue Möglichkeiten», meinte er lapidar. Sogar die Rückkehr von Slawomir Peszko, der wegen einer Alkoholeskapade suspendiert wurde, sei denkbar: «Es ist möglich, dass er in den Kader zurückkehrt, wenn er klar im Kopf ist.»

Kölns Glück könnte sein, dass Schlusslicht Kaiserslautern und der Tabellenvorletzte Hertha BSC Berlin noch schwächer sind. «Den Relegationsplatz müssen wir halten. Dann haben wir noch zwei Chancen, drinzubleiben», sagte Torhüter Michael Rensing. Der ehemalige Bayern-Keeper ist es leid, in der Schießbude der Liga den Dienst zu verrichten. «Das ist deprimierend. Das war das x-te Mal in der Saison, dass wir so auseinandergefallen sind», schimpfte Rensing. Was ihm Hoffnung macht für die Partie in Gladbach? «Nichts», meinte der FC-Schlussmann.

Sechs Punkte aus den verbleibenden vier Spielen lautet Solbakkens mutige Rechnung - trotz des Zustandes seines Teams. «Wir besitzen nicht die mentale Stärke und Qualität, um nach Rückständen wieder zurück ins Spiel zu kommen», analysierte der Glatzkopf. So war das mit dem 1:1 gegen Bremen erarbeitete Selbstvertrauen in Mainz spätestens nach dem 0:1 durch Eugen Polanski (19.) wie weggeblasen. Der Doppelschlag von Mohamed Zidan (32,) und Nicolai Müller (37.) ließ jede Gegenwehr erlahmen. Adam Szalai (54.) legte das 4:0 nach.

Dass sie trotz ihrer ganzen Probleme den Münzwurf gegen Nationalspieler Lukas Podolski nicht zu hoch hängen und auf einen Protest verzichten wollen, war noch das Bemerkenswerteste aus Kölner Sicht an diesem tristen Abend. Der Torjäger war von einer aus den Zuschauerrängen geworfenen Münze im Gesicht getroffen worden und kurz zu Boden gegangen. «Riesenkompliment an Lukas, dass er nicht liegen geblieben ist», sagte 05-Manager Christian Heidel, «ich habe mich entschuldigt und er hat angenommen.» In Gladbach muss das gesamte Kölner Team beweisen, dass es sich nach Rückschlägen wieder aufraffen kann.

news.de/dpa

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