Verrücktes 4:4 Mörderspiel zwischen Dortmund und Stuttgart

Dortmunds Ilkay Gündogan (r) kämpft gegen Vedad Ibisevic um den Ball. (Foto)
Dortmunds Ilkay Gündogan (r) kämpft gegen Vedad Ibisevic um den Ball. Bild: dpa

Von Gregor Derichs
Die Worte sprudelten nur so aus Jürgen Klopp und Bruno Labbadia heraus. Die beiden Trainer waren voller Erregung und Begeisterung, vor allem Klopp war aufgekratzt. Das 4:4 war eine Sternstunde des Fußballs - und das wohl beste Spiel dieser Bundesliga-Saison.

Draußen verließen 80.720 Zeitzeugen das Theater der Emotionen und diskutierten dieses große Ereignis mit einem Finale furioso, wie es die Bundesliga in 49 Jahren selten gesehen hat. Borussia Dortmund und der VfB Stuttgart fabrizierten acht Tore, aber keinen Sieger. Die Achterbahnfahrt zum 4:4 (1:0) wurde zum begeisterndsten Spiel dieser Bundesliga-Saison.

«Verrückt», «irre» und «Wahnsinn» - diese Begriffe zur Beschreibung des sportlichen Dramas in spektakulären Akten fielen bei den Trainern immer wieder. Es war eine nervenaufreibende Dramaturgie mit einem schier unglaublichen Spielverlauf, aber nachträglich machte sie die Beteiligten happy. «Diese Nacht kann ich nicht schlafen», sagte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. «Wir können stolz sein», sagte Nationalspieler Mats Hummels, «das Spiel hat die Zuschauer von den Sitzen gerissen.» VfB-Coach Labbadia fand einen neuen Sinn im Berufsleben. «Es gibt Tage, da fragt man sich als Trainer, warum machst du das? Aber dafür lohnt es sich, Trainer zu sein. Das war ein geiles Spiel.»

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Der Meister führte zweimal nach großartigen Phasen, in denen er einen noch stärkeren Eindruck als in der Rückrunde des vorigen Jahres machte, bis zur 71. Minute 2:0 nach Treffern von Shinji Kagawa (33. Minute) und Jakub Blaszczykowski (49.). Aber in der Partie mit höchstem Temperament lag der BVB plötzlich elf Minuten vor dem Schlusspfiff mit 2:3 nach Toren von Vedad Iisevic (71.) und Julian Schieber (77./79.) zurück. Bis zur 87. Minute wurde das Ruder dank der Treffer von Mats Hummels (82.) und Ivan Perisic (87.) wieder zum 4:3 herumgerissen, ehe Christian Gentner mit einer Tor-Zugabe in der Nachspielzeit noch die Punkteteilung erzwang.

Gefühlte BVB-Niederlage, gefühlter VfB-Sieg

Die Arena wurde zum Tollhaus, auf und am Rande des Spielfelds kam es zu Eruptionen des Jubels, Klopp sprang beim 4:3 an der Seitenlinie fast so hoch und weit wie Bob Beamon beim Weltrekord 1968 in Mexiko. Am Ende triumphierten Labbadia und seine Spieler in ähnlichen Posen. Nur langsam setzte beim Titelverteidiger das Nachdenken ein, was das Remis für den Meisterkampf bedeutet. «Für mich war es eine gefühlte Niederlage», sagte Torwart Roman Weidenfeller. «Wir haben zwei Punkte verloren», erklärte Hummels. «Wenn man 3:4 zurückliegt und doch noch einen Punkt holt, ist es wie ein gefühlter Sieg», sagte Schieber, der binnen 99 Sekunden zum Doppeltorschützen wurde.

Statistisch hielten beide Teams ihren Kurs. Der Spitzenreiter aus Westfalen baute seinen Klubrekord auf 22 Spiele ohne Niederlage aus, die Schwaben forcierten ihre Hoffnungen auf eine Teilnahme an der Europa League mit dem sechsten Spiel in Folge ohne Niederlage.

BVB hat nächstes Heimspiel gegen Bayern

«Ich bin mit dem Punkt zufrieden, aber es gibt ja Leute, die mich für absolut bescheuert halten», sagte Klopp. «Wir haben den Kampf da oben noch ein bisschen befeuert.» Er bewertete das zweite Remis nach dem 0:0 in Augsburg in der Rückrunde (bei zehn Siegen) überhaupt nicht als Rückschlag auf dem Weg zur Titelverteidigung. «Lieber einmal ein 4:4 als viermal ein 1:1», sagte Klopp. Nach starken 60 Minuten baute seine Truppe ab, auch wegen der Auswechslung des bis dahin überragenden Ilkay Gündogan. «Wir wundern uns manchmal über die Spieler, dass sie in 33,8 Spielen in einer Saison keine Fehler machen. Und dann packen sie alle in ein Spiel», merkte Klopp zur hohen Fehlerquote an, die letztlich ein starker Gegner erzwang. «Stuttgart hat ein Mörderspiel gemacht. Der Gegner war so bissig, so gierig.»

Seitdem er vor drei Jahren zum BVB kam, habe es ein Spiel dieser Klasse im SignalIduna-Park noch nicht gegeben. «Mit einer solchen Leistung gewinnen beide Mannschaften 75 bis 80 Prozent aller ihrer Spiele», erklärte er. Am Freitagabend allerdings nicht. Beim nächsten Heimspiel, am 11. April (Mittwoch), gegen die Bayern wird Klopp sein Team zu größerer Vorsicht in der Schlussphase mahnen. Unter dem Strich blieb ein Ereignis, das zu den Höhepunkten des deutschen Sportjahres gehören wird. Und Klopp noch zu einem passenden Spruch veranlasste. «Es geht im Moment um die Fernsehrechte. Jetzt wissen sie, warum sie so viel dafür blechen sollen.»

jag/news.de/dapd

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