Bundesliga Lautern beurlaubt Trainer Kurz

Aus für Marco Kurz: Nach der 1:4-Pleite am Sonntag gegen Schalke muss FCK-Trainer Marco Kurz gehen. Ein Nachfolger wird noch gesucht. Als Interimslösung übernehmen Co-Trainer Schäfer und Torwart-Coach Ehrmann.

Kaiserslautern beurlaubt Trainer Marco Kurz (Foto)
Aus Leidenschaft wird Leiden: Ex-FCK-Trainer Marco Kurz. Bild: dapd

Der 1. FC Kaiserslautern hat im Kampf um den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga die letzte Option gezogen und sich von Trainer Marco Kurz getrennt. Damit reagierte der Tabellenletzte auf die sportliche Misere von zuletzt 16 Spielen ohne Sieg. Vorübergehend werden Co-Trainer Oliver Schäfer und Torwart-Trainer Gerald «Gerry» Ehrmann die Mannschaft betreuen, wie der viermalige Meister am Dienstagnachmittag mitteilte. Vorstandsboss Stefan Kuntz ist jedoch bemüht, bis zum Spiel am Samstag beim direkten Konkurrenten SC Freiburg einen neuen Cheftrainer zu finden.

Bei den Spekulationen um die Nachfolge von Kurz tauchen unter anderem die Namen Franco Foda, Torsten Lieberknecht, Krassimir Balakow und Klaus Toppmöller auf. Der 60 Jahre alte Toppmöller, der in seiner aktiven Zeit für den FCK 108 Treffer erzielte und damit noch immer Rekordschütze der «Roten Teufel» ist, erklärte allerdings, er stehe nicht als Trainer zur Verfügung.

Fußball: Dauerbrenner auf dem Trainerkarussel

Bei Foda, der 1983/1984 sowie 1987 bis 1990 das FCK-Trikot trug, müssten sich die Lauterer mit dem österreichischen Erstligisten Sturm Graz über eine sofortige Freigabe einigen. Allerdings steht ohnehin fest, dass Graz und Foda zum Saisonende getrennte Wege gehen. Ein weiterer Kandidat wäre Torsten Lieberknecht, der aus der Lauterer Jugend stammt, allerdings noch bei Eintracht Braunschweig als Trainer unter Vertrag steht.

Kuntz: «Wirklich jede denkbare Möglichkeit» ausschöpfen

Kuntz wollte sich an diesen Spekulationen nicht beteiligen. «Nach der 1:4-Niederlage gegen den FC Schalke 04 und vielen intensiven Gesprächen sind wir zu der gemeinsamen Überzeugung gekommen, dass wir diesen Schritt vollziehen müssen», erklärte Kuntz. Man habe in den vergangenen Wochen und Monaten viele verschiedene Maßnahmen in die Wege geleitet, um die Mannschaft in die Erfolgsspur zu bringen. «Leider ist uns dies nicht gelungen», fügte Kuntz hinzu.

Der Vorstandsvorsitzende würdigte die Verdienste von Kurz, der sich «immer komplett in den Dienst der Sache und des Vereins gestellt» habe. Kurz verdiene für seine Arbeit und charakterliche Integrität den höchsten Respekt und Anerkennung. «Um aber wirklich jede denkbare Möglichkeit für den Klassenerhalt ausgeschöpft zu haben, müssen wir diesen Weg gehen», sagte Kuntz. Mit Kurz wurde auch dessen Assistent Günther Gorenzel beurlaubt.

Negativrekord aus der Saison 67/68 eingestellt

Kurz wurde zur Saison 2009/10 Trainer in Kaiserslautern und stieg mit den Pfälzern als Zweitliga-Meister in die Bundesliga auf. In seiner ersten Saison als Bundesliga-Trainer erreichte er mit seinem Team den siebten Tabellenplatz. Erst am 11. Oktober hatten beide Seiten den Vertrag vorzeitig bis 2013 verlängert. Am Montag hatte Kurz noch die Nachbesprechung der 1:4-Niederlage gegen Schalke per Videoanalyse übernommen. Dabei sei es laut Torhüter Tobias Sippel, der sich für eine Weiterbeschäftigung von Kurz ausgesprochen hatte, «etwas lauter» geworden.

Der Absturz war zuletzt ungebremst weiter gegangen. Acht Spieltage vor Schluss liegt der FCK fünf Punkte hinter Freiburg auf dem Relegationsplatz 16. Mit 16 Ligaspielen in Folge ohne Sieg wurde der Negativrekord aus der Saison 1967/68 eingestellt. Damals hatte Trainer Otto Knefler gehen müssen, Kaiserslautern unter Egon Piechaczek aber noch den Klassenverbleib geschafft. Vielleicht kann sich der Traditionsverein an diesen historischen Fakten als letzten Strohhalm klammern.

Kuntz in der Kritik

Immer lauter wird unterdessen auch die Kritik am Vorstandsvorsitzenden Kuntz: Der Ex-Nationalstürmer hatte vor knapp vier Jahren die Verantwortung übernommen, als der FCK kurz vor dem Fall in die 3. Liga und der Insolvenz stand. Mit strengem Sparkurs brachte er den Klub wieder auf Kurs.

Mit einem Mini Spieler-Etat von 16 Millionen Euro und der Belastung von jährlich etwa zehn Millionen für das Fritz-Walter-Stadion hat Kuntz stark eingeschränkte finanzielle Möglichkeiten. Der einstige Bundesliga-Torschützenkönig bewies zuletzt aber auch kein Händchen mehr bei den Neueinkäufen: Die Abgänge vor allem von Torjäger Srdjan Lakic (VfL Wolfsburg/jetzt 1899 Hoffenheim) und Ivo Ilicevic (Hamburger SV) konnten nie kompensiert werden. Vor allem im Angriff - mit 17 Toren der mit Abstand der schwächste der Liga - fand Kurz einfach keine Lösung - das kostete ihn letztendlich den Job.

kru/eia/news.de/dpa/dapd

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