Pokalhit gegen Bayern Berti Vogts versöhnt sich mit seiner alten Liebe

Berti Vogts versöhnt sich mit Borussia Mönchengladbach (Foto)
«Da wächst etwas, dass mich an die 1970er Jahre erinnert»: Berti Vogts (rechts) mit dem heutigen Bayern-Trainer Jupp Heynckes. Bild: imago

Von news.de-Mitarbeiter Oliver Trust
Er war noch vor einigen Monaten der schärfste Kritiker von Borussia Mönchengladbach. Vor dem traditionsreichen Duell gegen den FC Bayern München hat Ex-Bundestrainer Berti Vogts seine Meinung revidiert. Ein Gespräch über alte Vorwürfe und neue Qualitäten.

Herr Vogts, wenn es so weiter geht, stürmt Borussia Mönchengladbach in die Champions League ...

Berti Vogts: ... was mich wahnsinnig freuen würde. Ich bin ein Fan von Borussia. Das wird immer mein Verein bleiben. Bei mir Zuhause liegen zwei Jahreskarten. Wann immer es geht, bin ich dort und genieße den nach vorne gerichteten Fußball.

Wir wollten eigentlich auf etwas anderes hinaus: Früher klangen Sie weniger euphorisch, sondern gehörten zu den schärfsten Kritikern der Borussia.

Vogts: Es gab Zeiten, da gab es Grund zu kritisieren. Allerdings wurden mir am Ende alle Dinge angelastet, die irgendwo negativ gesagt wurden, obwohl sie gar nicht von mir stammten.

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Und heute?

Vogts: Gibt es viel Grund zur Freude. Ich hoffe sehr, dass es der Mannschaft gelingt, die Champions League zu erreichen. Das Geld wäre wichtig, um wieder in neue Spieler investieren zu können. Da wächst etwas, dass mich an die 1970er Jahre erinnert ...

... als die Erzrivalen Mönchengladbach und Bayern München im Privatduell die Liga bestimmten.

Vogts: Jetzt wollte ich etwas anderes sagen. Sie haben natürlich grundsätzlich recht, aber mir geht es um die Art und Weise, wie die Mannschaft spielt. Sie harmoniert und jeder Spieler weiß genau, was er zu tun hat. Es steckt Leidenschaft und Fußballlust dahinter.

Wer steht für Sie in erster Linie hinter dem Wandel?

Vogts: Eindeutig der Trainer. Lucien Favre hat eine echte Mannschaft geformt, die einer Idee folgt und eine Ordnung hat.

Nun ist der heutige Pokal-Halbfinal Gegner derzeit in bester Torlaune. Eine Gefahr für die Borussia?

Vogts: Bayern München ist in der aktuellen Form für jede Mannschaft in Europa eine Gefahr. Aber wir haben mit dem Sieg gegen Leverkusen gezeigt, wie groß das neue Selbstvertrauen ist. Es wird ein packendes Spiel am Mittwoch. Wie früher.

Früher war die Rivalität zu den Bayern extrem?

Vogts: Manche haben das als Krieg beschrieben, was natürlich übertrieben ist. Aber es waren sehr erbitterte Duelle. Und es wurde erwartet, dass wir gewinnen, sonst hatten wir ein paar Tage ein Problem mit den Fans.

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Heute ist das Verhältnis entspannter?

Vogts: Sportlich ist die Borussia in ihrer Entwicklung auf dem Weg, um auf Augenhöhe zu sein. Wirtschaftlich werden wir das nie sein. Es gehört zu den Gesetzen Mönchengladbachs, dass gute Spieler immer wieder verkauft werden müssen, um die Mannschaft zu halten und selbst wieder welche zu kaufen.

Umso wichtiger wäre es jetzt, Lucien Favre zu halten, damit er die Arbeit fortsetzen kann.

Vogts: Absolut. Dabei helfen natürlich Einnahmen aus dem internationalen Geschäft. Aber Lucien Favre sollte auch daran denken, dass ihm die Borussia diese Chance gegeben hat. Und er könnte daran denken, dass es große Trainer wie Weisweiler, Lattek und Heynckes gab, die lange sehr erfolgreich in Mönchengladbach gearbeitet haben. Ich könnte mir vorstellen, dass das bei ihm so sein könnte.

Bevor Favre kam, haben Sie den damals relativ unerfahrenen Manager Max Eberl kritisiert.

Vogts: Heute hat er auch das Quentchen Glück, das du als Manager brauchst. Und er hat einen Trainer an seiner Seite, von dessen Erfahrungen er mit profitieren kann.

Ist die Borussia heute besser aufgestellt?

Vogts: Da wird Hand in Hand gearbeitet. Und es passt zusammen, was getan wird. Deshalb glaube ich daran, dass es gelingt, die Abgänge von Spielern wie Reus zu kompensieren. Die Borussia ist im Scoutingbereich hervorragend aufgestellt. Leute wie Mario Vossen sind ständig unterwegs und Hans Meier verfügt über viel Erfahrung. Und vergessen wir nicht: Es gab berühmtere Namen in Mönchengladbach als Reus.

Kann die Borussia dauerhaft an die alten Zeiten anknüpfen?

Vogts: Das wird sicher noch einige Zeit dauern, aber vieles deutet darauf hin und ähnelt dem, was es in Mönchengladbach einmal gab. Einen Verein und eine Mannschaft, die als Botschafter der Region eine Marke im Fußball ist und für einen erfrischenden Fußball steht. Borussia hat sich in den vergangenen Monaten viel Respekt erarbeitet und verdient.

Noch ein Wort zu Bayern München?

Vogts: Ein großer und sympathischer Verein.

Das hätten Sie als Spieler damals kaum sagen dürfen.

Vogts: Hätte ich damals nicht gemacht, aber es stimmt trotzdem. Nur ein Beispiel: Vor einigen Wochen haben wir vier aserbaidschanische Nachwuchsspieler für vier Wochen zu den Bayern schicken können, sie erhielten dort eine Zeit lang eine super Ausbildung. Die Münchner haben sich großartig um sie gekümmert. Bei aller Rivalität, Bayern München ist neben allen anderen Qualitäten, die sie haben, ein herzlicher Verein.

Der Verteidiger Berti Vogts (65), Spitzname «Terrier», machte 419 Spiele für Mönchengladbach und 96 Länderspiele für Deutschland. Als Spieler wurde er 1974 Weltmeister, als Bundestrainer gewann er 1996 mit der EM den bisher letzten Titel der DFB-Auswahl. Seit 2008 ist Vogts Nationaltrainer in Aserbaidschan.

kru/wam/news.de

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Ulli Kroemer
  • Kommentar 2
  • 21.03.2012 19:13

Sind sie natürlich nicht. Das Bild ist bei einer Meisterfeier entstanden ... Also bitte keine Gerüchte!

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  • Conni
  • Kommentar 1
  • 21.03.2012 15:47

Berti Vogts versöhnt sich mit seiner alten Liebe Hätte nie gedacht, dass 'Vogts und Heynckes Schwuchteln sind.

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