Motorsport Mercedes erlebt Auftakt-Debakel in Melbourne

Melbourne - Vor dem Mercedes-Quartier herrschte am Sonntagabend in Melbourne fast schon beängstigende Leere, drinnen musste Motorsportchef Norbert Haug nach der Saisonauftakt-Pleite beim Großen Preis von Australien Rede und Antwort stehen.

Mercedes erlebt Auftakt-Debakel in Melbourne (Foto)
Mercedes erlebt Auftakt-Debakel in Melbourne Bild: dpa

«Es fing sehr gut an, aber es hörte sehr schlecht auf», urteilte Haug. Und wie schlecht: Rekordweltmeister Michael Schumacher konnte in seinem Silberpfeil mit Getriebeproblemen nach elf Runden nur noch zur Box schleichen. Nico Rosberg machte der Reifenverschleiß seines Formel-1-Dienstwagens zu schaffen, ehe er wegen eines Plattens im letzten Umlauf noch vom achten auf den zwölften Rang durchgereicht wurde. «Wir sind hier sicherlich angetreten, um einen besseren Job zu machen», gab Haug zu.

Dabei sah es doch so gut aus. Am Samstag war Schumacher in der besten Qualifikation seit seiner Rückkehr Vierter geworden. Der Mercedes hatte den starken Test- und Trainingseindruck auch bei der ersten echten Bewährungsprobe mit Bravour bestanden.

Rosberg wäre auch weiter vorn als von Platz sieben gestartet, hätte er sich keinen Verbremser geleistet. Die Konkurrenz wurde bereits misstrauisch wegen eines Technik-Kniffs am Heckflügel, der den F1 W03 schneller machen soll. Mehr als vielversprechend war am Sonntag auch noch der Start. Selbst Doppelweltmeister Sebastian Vettel staunte nicht schlecht, als Rosbergs Silberpfeil auf einmal an ihm vorbeischoss.

Doch dann fing das Leid an. «Das Problem war beim Runterschalten. Du bist dann plötzlich wie beim Leerlauf. Dann geht's dahin», erklärte Schumacher. Ausgesprochen schade, dass es gerade passierte, als sich Kumpel Vettel im Red Bull dem Rekordchampion angenähert hatte. «Wahrscheinlich war Sebastian etwas schneller, aber nicht so, dass ich mich all zu sehr anstrengen musste», meinte Schumacher, nachdem er erst wegen des kaputten dritten Gangs seinem Landsmann freie Fahrt hatte gewähren müssen.

Für Rosberg war es hingegen ein Kampf über die gesamten 58 Runden mit ebenfalls deprimierendem Ausgang. Gebremst vom zu großen Reifenverschleiß des Mercedes. Dass ihm dann noch der Mexikaner Sergio Perez mit dessen Sauber im letzten Umlauf einen Reifen aufschlitzte, passte ins trübe Bild der Silbernen. «Es war kein guter Tag für uns, sehr unerwartet auch», räumte Rosberg ein. «Wir haben auch die Reifen härter abgerieben als die anderen.» Darum habe man Schwierigkeiten bekommen.

«Jetzt müssen wir warten und untersuchen, was los war», betonte Haug vor einer guten Handvoll Journalisten. Viel Zeit bleibt aber nicht. Draußen wurden schon die Kisten für die Weiterreise nach Malaysia gepackt. Dort könnten die Reifen wegen der höheren Temperaturen als in Melbourne noch mehr verschlissen werden.

Dennoch ist Schumacher insgesamt nicht bange. «Trotz des Ausfalls war es ein positives Wochenende für uns. Man muss sehen, von wo wir gekommen sind», betonte der siebenmalige Weltmeister. Eine wirkliche Prognose für den weiteren Verlauf seiner womöglich letzten Saison wollte der 43-Jährige aber noch nicht abgeben. «Ich möchte erst noch ein paar mehr Erfahrungen mit unserem Auto sammeln, am liebsten natürlich bis zum Ende eines Rennens.»

news.de/dpa

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