Beim Grand Prix von Melbourne fällt am Wochenende der Startschuss zur 63. Formel-1-Saison. Mit fünf Fahrern stellen die Deutschen die größte Fraktion unter den Piloten. News.de verrät Ihnen die Stärken, Schwächen und Aussichten des Piloten-Quintetts.
Sebastian Vettel: Der Favorit
Stärken: Sebastian Vettel ist ein kompletter Rennfahrer. Er ist wahnsinnig schnell und sowohl in der Qualifikation als auch im Rennen immer auf den Punkt da. Der Heppenheimer, der Anfang des Jahres 2012 mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet wurde, kann ein Rennen von vorn dominieren. In der vergangenen Saison gab er den Takt in der Motorsport-Königsklasse vor, präsentierte sich als souveräner Teamleader und gewann noch mehr an Erfahrung. «Als Fahrer entwickelt er sich noch, er wird immer besser», sagt Teamchef Christian Horner über den jüngsten Doppel-Weltmeister der Formel-1-Geschichte.
Trotz seiner Erfolge bleibt der schüchterne Vettel stets bodenständig - und vor allem weiterhin hoch motiviert. Siege, WM-Trophäen, Ehrungen sind für den Hessen nicht mehr als der Antrieb für die nächste Höchstleistung. Siege seien für ihn «wie ein Rausch», gesteht Vettel. «Deswegen will man es immer wieder machen, damit man immer wieder ein Stück davon mitnehmen kann.»
Schwächen: Vettels Schwächen muss man mit der Lupe suchen. Bisweilen ist er im Training noch zu leichtsinnig. Das belegen mehrere Unfälle in der Saison 2011. In den ersten Trainings der neuen Saison in Melbourne landete der smarte Beatles-Fan nur auf den Rängen elf und zehn, auch im Qualifying sprang nur Platz sechs heraus. Ist etwa die Hakennase seines neuen Wagens RB8 schuld? Auch am Start ist für den Rekordjäger noch Luft nach oben. Zudem neigt Vettel zu Nervosität und damit zu Fehlern, wenn er das Rennen nicht von vorne anführt, und sich im dichten Feld erst an die Spitze arbeiten muss.
Boxengeflüster: Wenn der Doppel-Weltmeister eine wirkliche Schwäche hat, dann ist das seine Vorliebe für schlüpfrige Kosenamen für seine Autos. Es begann mit «Kate» und «Kates dirty little sister» (Kates schmutzige kleine Schwester) im ersten Jahr bei Red Bull. Zum ersten Titel fuhr der Hesse mit «Luscious Liz» (üppige Liz) und «Randy Mandy» (scharfe Mandy). In der Vorsaison hieß sein Siegerauto schließlich «Kinky Kylie» (sexy Kylie). Den aktuellen Boliden taufte Vettel ganz zahm «Abbey» - nach Abbey Road, der berühmten Scheibe seiner Lieblingsband Beatles. Zudem braucht der Heppenheimer wohl demnächst eine größere Garage, sollte der Erfolg anhalten. Seine beiden Weltmeister-Autos schenkte Red-Bull-Besitzer Mateschitz ihm nämlich.
Prognose: Sebastian Vettel ist Weltmeister-Anwärter Nummer eins und steht vor dem historischen Hattrick. Gelingt ihm Titel Nummer drei in Serie, wäre er auch in dieser Kategorie der jüngste Rekordmann. Bislang gelang es lediglich Juan Manuel Fangio in den 1950er Jahren und Michael Schumacher Anfang dieses Jahrtausends bei Ferrari. «Vettel ist ein moderner Fangio», rühmte die britische PS-Ikone Stirling Moss den Deutschen als legitimen Nachfolger des fünfmaligen Weltmeisters. Vettel ist der, den wieder alle jagen. Einen glatten Durchmarsch wie im Vorjahr wird es nicht geben, aber der Hattrick ist drin.