Chaos-Klub Köln sägt Sportdirektor Finke ab

Zwist zwischen Trainer Solbakken und Sportdirektor Finke: Weil Kölns sportliche Führung heillos zerstritten war, wurde Finke geopfert. Nach dem Sieg gegen Hertha war es bei einer Versammlung zum Eklat gekommen.

Volker Finke (Foto)
Er hat den internen Machtkampf gegen Trainer Stale Solbakken verloren: Kölns bisheriger Sportdirektor Volker Finke. Bild: dpa

Der wichtige Sieg im Abstiegsdrama sorgte beim 1. FC Köln für riesengroße Erleichterung (alle Spiele, alle Tore und die Tabelle zum Nachlesen im news.de-Liveticker), nicht aber für ruhigere Zeiten. Nur wenige Stunden nach dem am Ende mit nur neun Profis erkämpften 1:0 (1:0) über Hertha BSC machte der Klub mit dem nächsten Paukenschlag von sich reden.

Noch am Abend beendeten die Kölner die Zusammenarbeit mit Sportdirektor Volker Finke. Angesichts der unterschiedlichen Auffassungen «über die Weichenstellungen im Fußball» sah sich die Vereinsführung zu diesem Schritt gezwungen. «Beide Seiten sind einvernehmlich übereingekommen, sich mit sofortiger Wirkung zu trennen», kommentierte der Verwaltungsratsvorsitzende Werner Wolf.

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Damit entluden sich die Spannungen zwischen Finke und Trainer Stale Solbakken. Das Verhältnis der beiden Führungskräfte hatte sich in den vorangegangenen Wochen kontinuierlich verschlechtert. Und weil die Streithähne ihren Zwist zuletzt immer häufiger öffentlich austrugen und damit für eine miserable Außendarstellung des Clubs sorgten, war die Geduld der Vereinsführung aufgebraucht. Nach einer turbulenten Gesellschafterversammlung am Abend verlor Finke seinen Job. Als Sieger aus dem Machtkampf geht Solbakken hervor.

Solbakken tobte nach dem Sieg gegen Hertha vor Freude

Schon beim knappen Sieg über die Berliner hatte der Norweger allen Grund zur Freude. Die dramatische Schlussphase mit Chancen hüben wie drüben und umstrittenen Schiedsrichterentscheidungen zehrte an den Nerven aller Beteiligten. Befreit von Zentnerlasten sprintete Solbakken direkt nach dem Schlusspfiff über den Platz, um sich vor den FC-Fans auf der Südtribüne des brodelnden Stadions feiern zu lassen. «Das Adrenalin musste für wenige Sekunden raus. Nun kann ich mit meiner Frau in Ruhe ein Glas Rotwein trinken», kommentierte er seinen Gefühlsausbruch.

Dank des Siegtreffers von Christian Clemens (36.) wendeten die Kölner den drohenden Absturz in die Gefahrenzone ab. Doch nicht der Torschütze, sondern Guido Winkmann avancierte zum Hauptdarsteller der Partie. Als der Schiedsrichter den Weg in die Kabine antrat, schlug der Jubel der FC-Anhänger binnen Sekunden in ein Pfeifkonzert um. Groß war der Unmut über die Roten Karten für Mato Jajalo (67.) und Lukas Podolski (76.). Auch Solbakken machte aus seinem Ärger keinen Hehl: «Rot für Poldi war Wahnsinn, eine Fehlentscheidung. Ich hoffe, er wird freigesprochen.»

Die von einer Auseinandersetzung zwischen Podolski und Lewan Kobiaschwili ausgelöste Rudelbildung verwandelte das Stadion in ein Tollhaus. Laut Aussage des Referees soll Podolskis Hand «Richtung Hals des Gegenspielers» gegangen sein. Diesen Vorwurf hält der wechselwillige Kölner Publikumsliebling für abwegig. «Diese Meinung hat er exklusiv», klagte Podolski, dem die TV-Bilder Recht geben. Die Gelb-Rote Karte für Gegenspieler Kobiaschwili spendete ihm nur bedingt Trost.

Otto glaubt an die Wende

Hertha-Verteidiger Christian Lell sah die umstrittene Szene anders als der Kölner Rot-Sünder: «Poldi ist ja bekannt dafür, dass er gern mal nachtritt. Das war link von Poldi. Ich hoffe, dass er das bald in den Griff bekommt.»

Aus der Überzahl in der Schlussphase schlugen die Berliner trotz guter Chancen kein Kapital. Damit erwiesen sich ihre Hoffnungen auf einen stabilen Aufwärtstrend, die nach dem Sieg über Bremen aufgekommen waren, als Wunschdenken. Im dritten Spiel unter der Regie von Otto Rehhagel gab es die zweite Niederlage. Dennoch sprach der Fußball-Lehrer von einem ermutigenden Signal: «Die Mannschaft hat sich unglaublich bemüht und gezeigt, dass sie willens ist, sich aus dieser Situation zu befreien.»

Noch glaubt der Routinier an ein Happy End: «Es war mir von Anfang an klar, dass es bis zum letzten Spieltag dauert. Das müssen wir akzeptieren, das Spiel abhaken und uns auf die Partie gegen die Bayern konzentrieren.»

kru/news.de/dpa

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