Biathlon-WM 2012 Das Exoten-Team aus Grönland

Biathlon-WM 2012: Das Exoten-Team aus Grönland (Foto)
Oystein Slettemark und Frau Uiloq bilden seit einem Jahrzehnt das Team Grönland im Biathlon. Bild: dapd

Von Lars Becker
Die Biathlon WM 2012 hat wie jede Weltmeisterschaft im Sport auch Kuriosiäten zu bieten. Das exotischte Team kommt aus Grönland. Das Verrückte: Oystein und Uiloq Slettemark sind Funktionäre, Trainer und Aktive in einem.

Der Verbandspräsident gilt als Eisbärenspezialist. Seine Generalsekretärin hat schon Wale gejagt. Gemeinsam bilden Oystein und Uiloq Slettemark seit einem Jahrzehnt das Team Grönland im Biathlon, als Funktionäre, Trainer und Aktive in Personalunion. Wie der gemeinsame Familienname verrät sind die beiden verheiratet. Sie haben drei Kinder. Oystein ist außerdem Pressesprecher des Verbandes und erzählt die spannende Geschichte der Exoten aus dem hohen Norden bei der Weltmeisterschaft in Ruhpolding immer wieder gern.

Schließlich ist nicht so recht klar, wie lange es das Team von der Eisinsel in der Weltelite der Skijäger noch geben wird. Oystein ist 44, Uiloq gar schon 46. Aber auf eines legt der Verbandschef großen Wert: «Der Grieche ist älter als wir.» Athanassios Tsakiris ist mit 47 tatsächlich der älteste WM-Teilnehmer. Aber die eine oder andere Alterserscheinung spüren auch die Slettemarks. «Ich werde älter, Beine, Knie und Schulter schmerzen», sagt Oystein und fügt grinsend hinzu: «Und Uiloq ist mindestens schon fünfmal zurückgetreten. Aber immer, wenn sie Schnee riecht, kommt sie zurück.»

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Frau Slettemark eine echte Legende in Grönland

Frau Slettemark ist teilweise Inuit, liebt es zu Fischen wie zu Jagen und gilt als eine echte Legende in Grönland. Neunmal hat sie das 160 Kilometer lange Marathonrennen «Arctic Circle Race» in ihrer Heimat gewonnen, das als die härteste Prüfung der Welt auf Ski gilt. Der «zugereiste» Herr Slettemark hat diese Tortour dagegen nur viermal für sich entscheiden können und hatte im letzten Jahr nicht einmal bei den grönländischen Langlauf-Meisterschaften eine Siegchance: «Das ist schon bitter.» In Ruhpolding führt er freilich mit einem 99. Platz im Sprint die interne Familienwertung an. Uiloq schaffte es auf der kurzen Strecke nur auf Rang 107.

Die drahtige Frau ist der Grund, warum es das Team Grönland im Biathlon gibt. Beim Studium in Oslo lernte die Frau von der größten Insel der Welt den Norweger Slettemark kennen, beide zogen in Uiloqs Heimat nach Nuuk. Dann entschloss sich Oystein, der als Langläufer in Norwegen nie eine Chance gegen Rekord-Olympiasieger Björn Dählie und Co. hatte, die dänische Staatsbürgerschaft seiner Frau anzunehmen.

Das war die Eintrittskarte in den Weltcup, in dem die beiden für Grönland starten können. Bei Olympia freilich war Oystein Slettemark, der im Rahmen des Artenschutzes der Eisbären schon die Weltnaturschutzunion beraten hat, 2010 in Vancouver für Dänemark dabei.

Oystein: «In Grönland gibt es keinen Schießplatz»

Die Slettemarks wohnen etwa zehn Monate des Jahres in Norwegen, weil sie dort bessere Trainingsbedingungen haben. «In Grönland gibt es keinen Schießplatz für Biathleten. Nur eine Zielscheibe haben wir da», erzählt der Pressesprecher. Das soll sich aber ändern, denn 2016 finden in Grönland die Arctic Winter Games statt und dann muss dort ein Schießplatz gebaut werden. Das freut das berühmte Paar, deren WM-Auftritt in den grönländischen Zeitungen ein Thema ist. Die beiden «Stars» sind bei ihren Besuchen in der Heimat immer auf der Suche nach jungen Leuten, die das Team Grönland weiterführen können.

In Ruhpolding ist in Aqqaluartaa Olsen schon ein 20-Jähriger dabei. Der Youngster landete im 20-km-Rennen allerdings nur auf dem drittletzten Platz 133 und war über sechs Minuten langsamer als Oystein Slettemark. Also setzt der Präsident, Trainer, Pressesprecher und beste Biathlet des Landes seine einmalige Karriere als Multifunktionär einfach fort: «Ich werde nicht reich, aber es hält uns am Leben. Wenn ich Sponsoren habe und dem Team helfen kann, geht's noch ein paar Jahre weiter.»

phs/sua/news.de/dapd

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