Mentaltrainer «Magdalena Neuner kann nur noch gewinnen»

Magdalena Neuner kann nur noch gewinnen (Foto)
Sie hat die negativen Denkmuster durchbrochen: Magdalena Neuner. Bild: dpa

Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur
Magdalena Neuner läuft und schießt sich auf ihrer Abschiedstournee körperlich und mental befreit von Sieg zu Sieg. Bei der WM in Ruhpolding holte sie über 7,5 Kilometer das erste deutsche Gold. News.de hat mit dem Biathlon-Mentaltrainer Rouven M. Siegler über die Erfolgsmethoden gesprochen.

Herr Siegler, auf Ihrer Webseite werben Sie mit dem knackigen Slogan: Wir machen Weltmeister. Wen machen Sie 2012 bei der Biathlon-WM in Ruhpolding zum Weltmeister?

Rouven M. Siegler: Ich allein mache niemanden zum Weltmeister. Der Erfolg ist und bleibt immer beim Sportler selbst. Er trainiert und arbeitet jahrelang daraufhin. Ich drehe nur an dem kleinen mentalen Stellrad im Kopf, was manchmal jedoch eine Lawine nach sich zieht. Wenn ein Sportler noch und noch trainiert, aber auf keinen grünen Zweig kommt, weil dieses kleine Stellrad nicht passt, trainiert er für die Katz'. Das ist nicht nur im Biathlonsport so, sondern alle Sportarten sind letztlich kopfgesteuert. Der Erfolg kommt erst, wenn auch der Kopf mitmacht.

Magdalena Neuner
Sexy und erfolgreich
Magdalena Neuner (Foto) Zur Fotostrecke

Weshalb ist mentales Training speziell im Biathlon so wichtig?

Siegler: Die Komplexleistung zwischen Laufen und Schießen macht Biathlon so speziell. Die eine Tätigkeit fordert wahnsinnig viel Aktivität vom Körper und die andere erfordert genau das Gegenteil: die Ruhe.

Sie arbeiten unter anderem mit Sporthypnose - ein Mittel, um diesen Spagat zwischen Anspannung und Ruhe im Wettkampf herzustellen?

Siegler: Ich arbeite sehr gern unter Einbeziehung des Unterbewusstseins. Hypnose ist kein Hokuspokus, sondern seit 2006 in Deutschland auch vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie der Bundespsychotherapeutenkammer anerkannt. Jeder von uns ist im Alltag in seinen täglichen Handlungsprozessen sehr stark unterbewusst gesteuert. Wenn es im Leistungssport um Nuancen geht, wäre es vermessen, das Unterbewusstsein außen vor zu lassen. Unser Bewusstsein arbeitet mit einem Informationsgehalt von 9 bis 40 Bit - und unser Unterbewusstsein mit elf Millionen Bit. Gerade wenn man diese unterschiedlichen Dimensionen betrachtet, ist es ganz wichtig, das Unterbewusstsein mit in den Erfolgsprozess einzubeziehen.

Wie genau müssen wir uns eine Sporthypnose mit einem Spitzensportler vorstellen?

Siegler: Bei Sportlern wende ich zum einen die Aktiv-Wach-Hypnose an. Das findet auf einem Ergometer statt. Dabei geht es um einen euphorischen Bewegungs-Trance-Zustand. Und es gibt die regenerative, entspannende Hypnose auf der Liege. Gerade weil Regeneration im Spitzensport öfter zu kurz kommt, ist die Ruhehypnose eine ideale Möglichkeit, den Regenerationsprozess zu fördern. Nebenbei können dabei unbewusste Prozese optimiert werden.

Wie funktiniert das genau?

Siegler: Das sind automatische Prozesse, über die man gar nicht mehr nachdenkt. Wenn sich dort einmal ein Fehler eingeschlichen hat, ist es schwierig, diese Automatismen mit dem reinen Bewusstsein aufzubrechen. Man fällt automatisch immer wieder zurück in die alten Muster. Mit Hypnose hat man relativ schnell die Möglichkeit, diese eingefahrenen Muster zu durchbrechen. Man muss sich das vorstellen wie eine Musikkassette, die man mit einem Kassettenrekorder zurückspult und neu bespielt.

Geht es dabei nur um Denkmuster oder auch um falsche Bewegungsabläufe?

Siegler: Um beides. Ich hatte einen Turner bei mir, der sich nicht mehr an den Barren rangetraut hat, weil ein Holm gebrochen war. Mit Hypnose sind wir an diese Übungssequenz herangegangen bis zu dem Punkt, an dem damals der Barren gebrochen ist. Dann haben wir diese Übung über das Unterbewusstsein positiv enden lassen und sind in die Halle gegangen. Der Sportler hat die Übung wieder ohne Probleme absolviert.

Das Unterbewusstsein lässt sich also ausschließlich unbewusst beeinflussen?

Siegler: Unser Unterbewusstsein kann ein Nein nicht richtig interpretieren. Wenn ich Ihnen sage: Stellen Sie sich jetzt alles vor, nur keinen rosa Elefanten. Dann stellen Sie sich gerade einen rosa Elefanten vor. Genauso ist das bei einem Biathleten, der am Schießstand steht und sich sagt: Jetzt nur keinen Fehler, jetzt nur keinen Fehler. Dann kommt es gerade zum Fehler. Das läuft wie eine selbsterfüllende Prophezeiung mit Bestätigung: Ich habs doch gewusst, dass es wieder nicht klappt. Und schon steckt man in einem negativen Muster drin, das sich tief einprägt.

Und in einem solchen Fall können Sie durch Hypnose alles wieder auf Anfang setzen.

Siegler: Das Unterbewusstsein ist sehr kreativ und gleichzeitig kindlich naiv, es versteht kein Nein. Wenn ich da in Negationen und Problemorientierungen denke, schiebe ich meine gesamte Energie auf den Fehler, den ich eigentlich vermeiden will. Das Unterbewusstsein braucht klare, positive Ansagen in die richtige Richtung.

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Claus F. Dieterle
  • Kommentar 1
  • 06.03.2012 23:23

Mentaltraining ist bereits aus der Bibel bekannt, dazu Beispiele: Mehr als auf alles andere achte auf Deine Gedanken, denn sie entscheiden über dein Leben. Sprichwörter 4,23 Quäl dich nicht selbst mit nutzlosem Grübeln! ...sprich dir Mut zu... Jesus Sirach 30,21-23 Wenn dir´s schlecht geht, so bedenke, dass dir´s wieder gut gehen kann. Jesus Sirach 11,26 Liebe Magdalena, ich wünsche Dir herausragende Erfolge!

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
++ Fußball-Liveticker ++
 

Live-Ticker powered by live-ticker.com

Fußball im Überblick
Neueste Dossiers
news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige