Klitschko verletzt Dr. Eisenfaust bleibt Weltmeister

Für seinen Sieg zahlt er mit einer Schulterverletzung: Box-Weltmeister Vitali Klitschko hat am Abend seinen britischen Herausforderer Dereck Chisora nach Punkten besiegt. Nach dem Kampf zettelte Chisora eine Prügelei an und wurde von der Polizei festgenommen.

Klitschko an Schulter verletzt - Skandal um Chisora (Foto)
Weltmeister Vitali Klitschko musste seine Titelverteidigung mit einer Verletzung teuer bezahlen. Bild: dpa

Vitali Klitschko bleibt Box-Champion nach Version des World Boxing Council (WBC). In seinem 16. WM-Kampf gewann der ukrainische Box-Profi am Samstagabend in München gegen seinen britischen Herausforderer Dereck Chisora einstimmig nach Punkten (118:110, 118:110, 119:111) und verteidigte damit zum achten Mal seinen Schwergewichts-Titel. Es war gleichzeitig der 44. Sieg im 46. Profikampf für den 40 Jahre alten Vitali Klitschko. Chisora war erst der vierte Gegner, der den älteren der beiden Klitschko-Brüder zu einem Fight über die volle Distanz von zwölf Runden gezwungen hat.

Die Live-Übertragung dieses WM-Kampfes sorgte zu später Stunde für herausragende Zuschauerzahlen: bis zu 13,73 Millionen sahen den deutlichen Punktsieg des 40-Jährigen WBC-Weltmeisters gegen seinen 28-jährigen Herausforderer. Im Durchschnitt kam die RTL-Übertragung aus der Münchener Olympiahalle auf 12,88 Millionen Zuschauer.

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Durch den Sieg sorgte der seit 2003 ungeschlagene «Dr. Eisenfaust» auch dafür, dass die Familie Klitschko weiterhin im Besitz aller vier bedeutenden WM-Gürtel bleibt. Vitalis Bruder Wladimir ist Champion der Verbände IBF, WBO und WBA. Für Chisora war es die dritte Niederlage im 18. Kampf.

«Es war ein schwieriger Kampf gegen einen hoch motivierten Gegner», sagte Vitali Klitschko beim TV-Sender RTL über seinen unterlegenen Kontrahenten, der seinen vollmundigen Worten vor dem Kampf Taten folgen ließ und mit viel Esprit und Mut in den Fight ging. «Er ist zwölf Runden nach vorne marschiert», sagte Klitschko.

«Habe menschlich keinen Respekt vor ihm»

Tatsächlich hatte der WBC-Champion vor 12.500 Zuschauern in der ausverkauften Olympiahalle insbesondere in den ersten Runden große Mühe mit dem agilen und angriffslustigen Briten, der mit seiner Ohrfeige für Klitschko beim Wiegen am Freitag für einen Eklat gesorgt und sich damit von Beginn an auch das Münchner Publikum zum Gegner gemacht hatte. Im Laufe des Kampfes stellte sich Klitschko immer besser auf den Gegner ein und bekam diesen besser in den Griff. «Sportlich hat Chisora eine gute Leistung gezeigt, aber menschlich habe ich keinen Respekt vor ihm», sagte Klitschko über seinen Kontrahenten, der nach seinem Fehltritt außerhalb des Rings vom Verband zu einer Geldstrafe verurteilt worden war.

Chisora forderte noch im Ring Revanche - entweder erneut gegen Vitali oder gegen dessen jüngeren Bruder Wladimir. «Was mich heute geschlagen hat, war seine Erfahrung. Ich möchte noch einen Kampf. Es wird ein Rematch geben - gegen den einen oder anderen», hofft der Brite. In zwei Wochen steigt Wladimir tatsächlich in den Ring - allerdings gegen den Franzosen Jean-Marc Mormeck, gegen den der 35 Jahre alte Wladimir am 3. März in Düsseldorf seine WM-Titel nach Versionen von IBF, WBO und WBA verteidigen wird.

Eklat nach dem Kampf

Boxweltmeister Vitali Klitschko hat sich bei seinem Sieg gegen Dereck Chisora eine Schulterverletzung zugezogen. «Acht Runden habe ich den Kampf ohne linke Hand bestritten. Ich kann den linken Arm nicht mehr bewegen», sagte Klitschko Stunden nach dem Kampf. Noch am Sonntag wird er sich einer Kernspintomographie in einem Münchner Krankenhaus unterziehen. Das Missgeschick passierte in der vierten Runde. Dabei könnte es sich um eine alte Verletzung handeln, spekulierte Trainer Fritz Sdunek. Vor zwölf Jahren hatte sich Klitschko im WM-Kampf gegen den Amerikaner Chris Byrd einen Sehnenabriss in der Schulter zugezogen und musste aufgeben. Damals verlor der den WM-Titel.

Nach dem Kampf sorgte Chisora erneut für einen Eklat. Bei der Pressekonferenz prügelte er sich mit seinem Landsmann David Haye, nachdem sich beide zuvor provoziert und beleidigt hatten. Betreuer und Trainer aus beiden Lagern waren involviert. Chisora wurde an der Lippe verletzt, Hayes Trainer Adam Booth an der Stirn. Umstehende mussten dazwischengehen, um die Streithähne nach mehreren Minuten zu trennen. Haye hatte im vergangenen Sommer in einem WM-Kampf gegen Wladimir Klitschko einstimmig nach Punkten verloren und war jetzt in München als Co-Kommentator für einen britischen TV-Sender im Einsatz.

Lebenslanges Boxverbot?

Die Prügelei rief auch die Polizei auf den Plan: Dereck Chisora wurde am Sonntag von der Polizei in München festgenommen. «Er wird von der Kriminalpolizei zu den Vorfällen gestern Abend befragt», sagte ein Polizeisprecher am Sonntagmittag. Am Mittag befand sich Chisora auf dem Weg ins Münchner Polizeipräsidium, wo er vernommen werden sollte. Der Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) erwägt indes nach Angaben seines Präsidenten Thomas Pütz ein lebenslanges Box-Verbot für Chisora und Haye in Deutschland.

Unmittelbar vor dem Duell bespuckte der Brite Vitalis Bruder Wladimir Klitschko mit Wasser. Für die Ohrfeige vom Freitag gegen Vitali soll Chisora 50.000 Dollar Strafe zahlen. Weitere Sanktionen stehen noch nicht fest.

Chisora war bei der Pressekonferenz ausgerastet und hatte Haye mit Mord gedroht: «David, ich erschieße dich. Ich meine das ernst. Ich erschieße dich.» Wie Kampfhunde fielen die beiden plötzlich übereinander her und prügelten sich quer durch den voll besetzten Raum in der Münchner Olympiahalle.

boi/news.de/dapd/dpa

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • manu
  • Kommentar 2
  • 19.02.2012 13:06

Klitschko ist nicht mehr der, der er mal war!Außer ein paar unwirksamen Schägen war nur klammern und drücken zu sehen.Es war eine Hängepartie, die am Ende fast zur Niederlage Vitalis führte. Auch er hat wohl hier den Mund zu voll genommen! Wo blieb denn der zuvor versprochene K O ? Chisora ist ein Stinkstiefel und ein unsportlicher Inselaffe.Er hat zwar eine gute Leistung während des gesamten Kampfes gezeigt,ist aber menschlich ein Mensch mit wenig Hirn

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  • Knoppka
  • Kommentar 1
  • 19.02.2012 13:05

Wenn man auf dem Gipfel angekommen ist, sollte man aufhören. Vitali, im Boxen hast Du alles erreicht, konzentriere Dich voll auf die Politik in der Ukraine, damit es in absehbarer Zeit den ( normalen ) Menschen besser geht. Und zu den beiden Briten kann ich nur sagen = etwas anderes habe ich von denen nicht erwartet =

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