Champions League Wie schlecht ist Englands Fußball?

Der Niedergang der Premier League (Foto)
Bedröppelter Thierry Henry: Auch der zur Halbzeit eingewechselte Altstar konnte die Klatsche gegen Milan nicht verhindern. Bild: dapd

Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur
0:4 in Mailand: Nach der derben Pleite im Achtelfinale der Champions League ist der FC Arsenal so gut wie ausgeschieden. Die Klubs aus Manchester dürfen nur noch in der zweitklassigen Europa League ran. Was sind die Gründe für den sportlichen Verfall der einstigen Fußball-Vorreiter in Europa?

Was den Umsatz angeht, sind die englischen Klubs nach wie vor spitze. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte sind unter den zwölf umsatzstärksten Klubs Europas gleich sechs Vereine aus der Premier League gelistet. Noch immer sieht sich Englands Eliteklasse gerne als die stärkste Liga der Welt. Allein, was die sportliche Qualität angeht, verzeichnet die Premier League im internationalen Vergleich einen Abwärtstrend.

Manchester United, noch im vergangenen Jahr Champions-League-Finalist, schied in dieser Saison kläglich in der Vorrunde aus. Stadtrivale ManCity, Tabellenführer in der Premier League, erging es ebenso. Und der FC Arsenal - neben Chelsea der einzige Klub im Achtelfinale der Königsklasse - erlebte am Mittwochabend beim AC Milan sein Debakel. Mit 0:4 gingen die Londoner im Guiseppe-Meazza-Stadion unter (hier sehen Sie die Zusammenfassung des Spiels). Im Gegensatz zu Milan - keineswegs der Jungbrunnen des internationalen Fußballs - wirkte das Team von Trainer Arsene Wenger langsam, hüftsteif und inspirationslos. In der Halbzeit hielten die italienischen Fans ein Transparent in die Luft, auf dem Milan-Präsident Silvio Berlusconi der Queen mit einer Trompete bewaffnet den Marsch bläst. Ein schönes Sinnbild für den Machtwechsel im europäischen Fußball.

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Rivalität im englischen Fußball
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Überalterte Stars, kaum Talente

Denn in den vergangenen zehn Jahren prägten die englischen Klubs Europas Königsklasse wie vor ihnen keine andere Nation in dieser Konstanz. Ab der Saison 2001/02 stand nur zweimal nicht mindestens ein englischer Vertreter im Halbfinale. Zwischen 2007 und 2009 schafften es jeweils drei englische Klubs unter die besten vier Klubs Europas. Mit Ausnahme der Saison 2009/10 gelang seit 2005 jeweils einem englischen Vertreter der Sprung ins Finale. Zwar sprangen letztlich nur zwei Titelgewinne für die Briten heraus, doch die Premier League erwuchs im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends zur Fußballmacht schlechthin. Manchester United, Arsenal und Chelsea London sowie der FC Liverpool gaben den Ton an und waren international in allen Belangen das Nonplusultra.

Doch ähnlich wie eine große Mannschaft, die ihre beste Zeit hinter sich hat, versuchen auch die englischen Klubs zu lange, an den bewährten Trainern, Spielern und Taktiken festzuhalten. Mit über 636 Millionen Euro gaben die englischen Klubs für neue Spieler zwar weit mehr aus als die europäischen Konkurrenten (Bundesliga: knapp 210 Millionen Euro). Doch transferiert wurden vor allem Spieler innerhalb der Inselklubs. Ob Kicker wie Stewart Downing, der für 22,8 Millionen Euro von Liverpool zu Aston Villa wechselte, tatsächlich dieses Geld wert sind, müssen sie sich auf der Insel fragen lassen. Und dass Altstars wie Henry, Scholes oder Giggs auch als fast 40-Jährige noch die Fußballschuhe schnüren, spricht nicht gerade für die Talentfülle des englischen Fußballs. Statt wie die Bundesligaklubs auf Jungstars wie Mario Götze oder Marco Reus zu setzen, sind die englischen Topteams zum Teil überaltert.

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England kickt kurios
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Und auch die Trainergilde zieht es nicht mehr nach England wie noch vor zehn Jahren. Die Zeiten, als noch Trainer wie José Mourinho, Rafael Benitez oder Gerard Houiller den fußballerischen Zeitgeist von der Insel aus prägten, sind vorbei. Heute werden nur noch fünf der 20 Premier-League-Klubs von Ausländern betreut. Fußballerischer Input, so wie das noch um die Jahrtausendwende war, kommt so nicht nach Großbritannien. Einzig der FC Chelsea hat mit dem jungen Portugiesen Andre Villas-Boas einen mutigen Schritt vollzogen. Vor der Partie gegen den SSC Neapel in der kommenden Woche ist der Ex-Klub von Michael Ballack der einzige Verein, der noch realistische Chancen auf das Viertelfinale in der Champions League hat.

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jag/news.de

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