Bayer vs. Barca Die Wade in Pension

Michael Ballack muss im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Barcelona wegen einer Zerrung passen. Dennoch bestimmt der weidwunde Platzhirsch vor dem Topduell die Schlagzeilen - auch wegen seiner Kritik an Bayern-Boss Uli Hoeneß.

Michael Ballack fällt wegen einer Wadenzerrung gegen Barcelona aus. (Foto)
Die rechte Wade zwickt wieder - und Michael ballacks Karriere bleibt unvollendet. Bild: dapd

Michael Ballack kennt das. Er verpasst in seiner Karriere nicht zum ersten Mal ein wichtiges Spiel. 2002 fehlte er gelbgesperrt im WM-Finale gegen Brasilien; 2006 musste er im WM-Eröffnungsspiel gegen Costa Rica mit einer Wadenverhärtung passen und im EM-Finale 2008 gegen Spanien war bis drei Stunden vor Spielbeginn unklar, ob die «Wade der Nation» einen Einsatz zulassen würde.

Vor dem Aufeinandertreffen im Champions-League-Achtelfinale zwischen Bayer Leverkusen und dem FC Barcelona (20.45 Uhr/Sky und im news.de-Liveticker) spielt Michael Ballacks rechte Wade dem alternden Mittelfeldstrategen nun erneut einen Streich. Wegen einer Zerrung beim Training der Ersatzspieler fällt der 35-Jährige für drei bis vier Wochen aus. Er muss damit in den zwei Achtelfinal-Spielen in der europäischen Königsklasse zuschauen - die vermutlich letzten großen Duelle seiner langen Karriere. Eine bittere Pointe seiner unvollendeten Laufbahn.

Michael Ballack : Ciao, Capitano

Obwohl der weidwunde Platzhirsch in den vergangenen drei Ligaspielen nur auf der Bank schmorte, bestimmt er vor dem Topspiel gegen Barcelona die Schlagzeilen. Die Fußball-Fachwelt fragt sich, ob Ballack gegen Barca nicht genau der richtige Mann gewesen wäre. Immerhin hat der damalige Chelsea-Kicker mit dem FC Barcelona nach dem umstrittenen Aus im Halbfinale 2009 noch eine Rechnung offen. Und immerhin absolvierte er in der Champions-League-Vorrunde gegen seinen Ex-Klub Chelsea wohl die besten Spiele, seitdem er im Sommer 2010 bei Bayer anheuerte. In Partien, in denen die ganze Fußballwelt zusieht, waren Enttäuschung und Lustlosigkeit, die die Spätphase von Ballacks Karriere in der Bundesliga prägen, wie weggeblasen. Stolz, engagiert und vom schwarzen Schopf bis in die Wade motiviert, führte der 98-malige Nationalspieler Regie.

Toppmöller: «Ohne Ballack wird das für Leverkusen nichts in der Champions League»

Nun meldete sich unter anderem Ballacks einstiger Trainer Klaus Toppmöller zu Wort, der mit Ballack 2001 den FC Barcelona schlug. Im Gespräch mit der Rheinischen Post sagte «Toppi»: «Michael kann in so einer Partie den Ausschlag geben. Er ist einer, der führen kann. Aber er bekommt nicht das notwendige Vertrauen. Dabei kann er kaum schlechter sein als die jüngeren Spieler.» Und: «Ohne Ballack wird das für Leverkusen nichts in der Champions League.» Und Bernd Schuster sagte dem Berliner Kurier: «Man spürt, dass Dutt die Erfahrung fehlt, mit so einem Typen wie Ballack umzugehen. Ich denke, Dutt ist ein Trainer, der im Fall Ballack die richtige Taste verfehlt.»

Leverkusens Trainer Robin Dutt hatte am Samstag nach der Partie gegen Borussia Dortmund gesagt: «Wenn Ballsicherheit und Spielkontrolle gefordert sind, dann wird die Zeit von Michael Ballack kommen - wenn dann auf seiner Position nicht einer stärker ist.» Direkt vor dem Duell gegen Barcelona äußerte Dutt gnädig, dass das Thema Ballack zumindest kein «Hemmschuh für die Mannschaft» sei. «Zumindest tritt sie nicht so auf, als wäre sie gehemmt. Es ist ein Thema, das emotional begleitet und die unerfahrenen Spieler mehr beschäftigt als die erfahrenen.»

Ballack beschuldigt Uli Hoeneß des Wortbruchs

Für Aufsehen sorgte vor dem Spiel gegen den Glamour-Gegner Barcelona auch ein Interview Ballacks mit der spanischen Sportzeitschrift El Mundo Deportivo. In dem Gespräch trauert Ballack der verpassten Chance nach, 2004 zum FC Barcelona zu wechseln und beschuldigt Uli Hoeneß des Wortbruchs. «Ja, es ist eine Schande, dass ich meinen Wechsel 2004 nicht komplettieren konnte. Wir hatten eine Abmachung mit dem Verein und wir hatten die Genehmigung von Uli Hoeneß, aber letztendlich wurde der Wechsel im letzten Moment vereitelt», sagte er im Interview.

«Nach der EM 2004 erzählte mir Hoeneß, dass ich nicht transferierbar wäre und verhinderte meinen Wechsel. Natürlich war ich sauer und enttäuscht, denn Bayern hatte vorher sein Okay zu meinem Abgang nach Barcelona gegeben», so Ballack. «Manchmal stelle ich mir vor, wie es gewesen wäre, mit Messi, Xavi, Iniesta oder anderen Barca-Stars in einer Mannschaft zu spielen.» Wer weiß, wie Ballacks Karriere dann verlaufen wäre.

jag/news.de/dpa/dapd

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