Jan Ullrich Letzte Chance vertan

Jan Ullrich  (Foto)
Umsonst gequält: Der dritte Rang bei der Tour-de-France 2005 wurde Jan Ullrich aberkannt. Bild: dpa

Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur
Die Öffentlichkeit wartete nach dem Doping-Urteil auf ein umfassendes Geständnis. Doch Jan Ullrich hat die Chance zur Rehabilitierung vertan. Statt Details und Hintermänner des Dopingnetzwerkes zu nennen, gibt sich der Ex-Radstar weiter unreflektiert. 

Jan Ullrich hatte sich professionelle Hilfe geholt. Nach allem, was geschehen war, konnte sich der gefallene Radsportheld nicht ohne Beistand aus der Isolation wagen. Mithilfe seines PR-Beraters Falk Nier lernte Jan Ullrich im vergangenen Sommer wieder, sich nach Dopingquerelen, peinlichen TV-Auftritten und Burnout in der Öffentlichkeit zu bewegen. Er nahm an Amateur-Radrennen teil, gab einige wenige Interviews und rückte in das Direktorium eines Dubaier Technologie-Unternehmens. Zuletzt zeigte er sich mit seiner Frau beim Ball des Sports und unterschrieb einen Sponsorenvertrag mit dem Haarmittel-Hersteller Alpecin («Doping für die Haare»). Er wirkte dabei lockerer als früher, aufgeräumt und mit sich im Reinen.

Ullrich, Zabel & Co.
Dopingfälle im deutschen Radsport

Der Schuldspruch des Sportgerichtshofes CasInternationaler Sportgerichtshof bot Jan Ullrich nun ein für alle Mal die letzte Chance, sich tatsächlich vor der Öffentlichkeit zu rehabilitieren. Denn um wieder ernst genommen zu werden, als Ex-Sportler und - noch wichtiger: als Mensch - genügen keine Auftritte bei Sponsorenterminen oder Jedermannrennen. Er hat diese Gelegenheit wieder nicht genutzt.

Trotz neuem Image: Ullrich ist weiter unreflektiert

Die Öffentlichkeit erwartet von Ullrich die Wahrheit. Für ein umfassendes Geständnis war es auch sechs Jahre nach seiner Suspendierung nicht zu spät. In welchem Umfang hat Ullrich gedopt? Wie genau ging der Betrug vonstatten? Weshalb hat er jahrelang gegen Kritiker wie Werner Franke prozessiert? Wen hat er all die Jahre gedeckt? Was weiß er über den Dopingkonsum seiner Konkurrenten und Kollegen?

Erstaunliche Erklärungen
Kreative Doper

Wenn Ullrich Antworten auf diese Fragen auf den Tisch gepackt hätte, wäre das ein entscheidender Beitrag für die Dopingbekämpfung und den übel beleumundeten Radsport hierzulande gewesen. Stattdessen belässt es Ullrich in seiner Erklärung bei Ausflüchten und einem simplen Schuldeingeständnis samt Entschuldigung. Aus Angst vor dem Bann der Radsport- und Dopingszene? Vielleicht weil er noch immer zu sehr Teil dieses Systems ist?

Der nun endlich verurteilte Dopingsünder Jan Ullrich macht leider noch immer nicht den Eindruck, besonders reflektiert über die Betrügereien im Radsport zu denken. Anders als beispielsweise die frühere Leichtathletin Ines Geipel, die wegen ihrer Dopingvergehen in der DDR selbst die Streichung aus den Rekordlisten beantragte. Stattdessen stärkte Ullrich dem ebenfalls in dieser Woche verurteilten Doper Alberto Contador, einst Konkurrente und Kollege im Doping-Sumpf, den Rücken. «Ich wünsche Alberto viel Kraft, dass er im August stark zurückkommt. Ein Fahrer wie er ist toll für die Branche», sagte Ullrich einen Tag vor der Urteilsverkündung. Mit dieser Einstellung zum Dopingproblem im Sport wird Ullrich sich und seiner früheren Zunft auch weiterhin im Weg stehen.

«Ich habe dem Radsport viel zu verdanken und werde auch weiterhin meine Freude und Leidenschaft für diesen Sport an andere weitervermitteln», heißt es in Ullrichs Erklärung. Und: «Ich blicke auf meine Radsport-Karriere und Erfolge mit Stolz zurück.»

wam/news.de

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