Fußball John Terry kein Saubermann mehr

John Terry kein Saubermann mehr (Foto)
John Terry kein Saubermann mehr Bild: dpa

Früher war John Terry der Fußball-Saubermann und «Super-Daddy» - inzwischen taumelt der Chelsea-Verteidiger von einem Skandal zum nächsten. Wegen Rassismus-Vorwürfen nimmt ihm der britische Verband jetzt die Kapitänsbinde in der Nationalelf ab.

London (dpa) - Früher war John Terry der Fußball-Saubermann und «Super-Daddy» - inzwischen taumelt der Chelsea-Verteidiger von einem Skandal zum nächsten. Wegen Rassismus-Vorwürfen nimmt ihm der britische Verband jetzt die Kapitänsbinde in der Nationalelf ab.

Einst galt der Spieler vom FC Chelsea als Musterprofi Marke England: Immer pflichtbewusst, immer fair, aber knallhart zu den gegnerischen Stürmern und auch zu sich selbst. Mittlerweile ist der 31-Jährige mit Wurzeln im rauen Londoner Osten den Engländern fast peinlich. Wegen Rassismus-Verdachts entzog ihm jetzt der englische Fußballverband zum zweiten Mal die Kapitänsbinde in der Nationalelf - Terry wird die «Three Lions» bei der EM in Polen und der Ukraine nicht aufs Feld führen. Es ist nur ein weiteres Kapitel in der skandalträchtigen Geschichte des Innenverteidigers der letzten zwei Jahre.

Der Spielführer des FC Chelsea soll im Premier-League-Spiel gegen den Londoner Lokalrivalen Queens Park Rangers im vergangenen Oktober seinen Gegenspieler Anton Ferdinand rassistisch beleidigt haben. Ferdinand ist dunkelhäutig. Seitdem versucht sich Terry gegen die Vorwürfe zu wehren - mit mäßigem Erfolg. Sogar Premierminister David Cameron fühlte sich schon zuständig: «Für Rassismus ist in unserem Land kein Platz», hatte der Regierungschef vor Wochen anzumerken.

Auch Sportminister Hugh Robertson begrüßte die FA-Entscheidung: «Ich stehe komplett hinter der Entscheidung. Es wäre unmöglich gewesen für John Terry, als Kapitän weiterzumachen mit einer Anklage, die über seinem Kopf schwebt.» Immerhin sein Vereinstrainer Andre Villas-Boas sprang Terry zur Seite. «John bleibt unser Kapitän», sagte er am Freitag . Mehr sei nicht zu sagen. Allerdings werde Terry am Sonntag im Premier-League-Topspiel gegen Manchester United in der Chelsea-Aufstellung fehlen - wegen einer Knieverletzung.

Der 31 Jahre alte Abwehrspieler muss sich auch vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft sieht nach dem Studium von Videobildern den Verdacht rassistischer Äußerungen erhärtet. Zum Auftakt des Prozesses hatte Terry auf «nicht schuldig» plädiert. Die Hauptverhandlung soll erst am 9. Juli, nach der Fußball-Europameisterschaft beginnen. Auch diese lange Periode war für den Verband ein Anlass, Terry aus der Führungsrolle zu nehmen.

Am Freitag hatte es ein Gespräch zwischen Nationaltrainer Fabio Capello und der Verbandsspitze gegeben. «Er wird das Team nicht führen, bis die Vorwürfe gegen ihn geklärt sind», heißt es einem anschließend verbreiteten Statement des Verbandes. Ausdrücklich machte der Verband darauf aufmerksam, dass dies keinen Ausschluss aus der Mannschaft bedeutet. Capello könne Terry sowohl für das nächste Länderspiel am 29. Februar gegen die Niederlande als auch für die EM in Polen und der Ukraine nominieren.

Terry bildet ausgerechnet mit Anton Ferdinands Bruder Rio die Innenverteidigung der Nationalmannschaft. Rio Ferdinand hatte Terry bereits einmal als Kapitän der englischen Auswahl ersetzt. Im Februar 2010, vor der WM 2010 in Südafrika, war der Londoner suspendiert worden. Damals war Terry, verheirateter Vater zweier Kinder und 2009 zum «Daddy des Jahres» gewählt, ein Seitensprung zum Verhängnis geworden.

Statt als Vorbild-Papa an der Seite seiner Familie zu stehenhatte er sich angeblich mit dem französischen Unterwäsche-Model Vanessa Peroncell vergnügt - die schöne Brünette ist zufällig die Ex seines langjährigen Chelsea- und Nationalelf-Kollegen Wayne Bridge. Wenig später fiel Terry in einem Testspiel mit einem Kung-Fu-Tritt gegen einen Gegenspieler unangenehm auf.

news.de/dpa

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