Fußball Herthas Angst vor erneutem Absturz

Michael Skibbe stampfte mit den Füßen auf den Boden - nach anderthalb Stunden Training bei minus acht Grad Celsius war der Cheftrainer von Hertha BSC durchgefroren. Die Stoppeln seines Dreitagebarts glichen kleinen Eiszapfen.

Herthas Angst vor erneutem Absturz (Foto)
Herthas Angst vor erneutem Absturz Bild: dpa

Berlin (dpa) - Michael Skibbe stampfte mit den Füßen auf den Boden - nach anderthalb Stunden Training bei minus acht Grad Celsius war der Cheftrainer von Hertha BSC durchgefroren. Die Stoppeln seines Dreitagebarts glichen kleinen Eiszapfen.

Eisiges Klima herrscht auch beim Berliner Fußball-Bundesligisten nach der ernüchternden 1:2-Heimniederlage gegen den HSV. Skibbe hatte seinen Profis nach der Pleite kräftig die Leviten gelesen. Laut «Bild» stritt sich Skibbe auch heftig mit Kapitän Christian Lell.

Doch trotz der prekären Lage versucht der Fußballlehrer öffentlich Optimismus beim abstiegsbedrohten Club zu versprühen. «Wir wissen, dass es eine ganz schwere Rückrunde wird. Doch ich sage auch: Die Mannschaft hat in der Hinrunde 20 Punkte geholt, warum soll sie das nicht auch in der Rückrunde schaffen?»

Mit 40 Punkten wäre der Ligaverbleib für den Aufsteiger sicher. Doch nach zuletzt zwei Niederlagen in der Ära Skibbe geht die Angst vor einem erneuten Absturz um. Acht Spiele sind die Berliner ohne Sieg - Hertha hat nur noch zwei Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz. Ein beruhigendes Polster sieht anders aus, zumal die Personalprobleme in der Defensive immer größer werden. Stratege Lell fällt wegen einer Oberschenkelverletzung zwei Wochen aus - für Maik Franz ist die Saison nach einem Kreuzbandriss bereits beendet.

Keine guten Vorzeichen, um den erneuten Betriebsunfall 2. Bundesliga zu verhindern. «Wir müssen aufpassen, es ist eine brenzlige Situation. Man spürt, dass Club, Stadt und Fans keinen Bock auf ein Déjà-vu haben», meinte Mittelfeldspieler Peter Niemeyer. Zumal in Berlin schon gemunkelt wird, dass Hertha ein weiteres Jahr in Liga zwei finanziell nur ganz schwer stemmen könnte. «Ein Abstieg darf uns nicht noch einmal passieren. Der Klassenerhalt ist das oberste Ziel», sagte Aufsichtsrats-Boss Bernd Schiphorst in der «Sport Bild». Zum Abschluss der Aufstiegssaison betrugen die Gesamtschulden der Berliner 34,73 Millionen Euro, allein 6,7 Millionen Euro kamen in der Zweitliga-Saison dazu.

61,8 Millionen Euro ließ sich Hertha die Rückkehr ins Oberhaus kosten - einmalig im deutschen Profifußball. Pikant: In dieser Summe sind auch acht Millionen Euro eines geheimen Spenders enthalten, ohne die Hertha wohl keine Bundesliga-Lizenz bekommen hätte. «Wir haben nur eine Patrone und die muss sitzen», hatte Manager Michael Preetz zu Beginn der vergangenen Zweitliga-Spielzeit gesagt.

Coach Skibbe, der den im Dezember entlassenen Markus Babbel beerbte, soll nun den Klassenverbleib der Berliner sichern. Da der Hauptstadtclub aber kaum Geld hat, konnte der Trainer nicht auf große Einkaufstour gehen. Einzig Defensivspieler Felix Bastians vom SC Freiburg kam an die Spree. Zu wenig Qualität? «Wir haben einen gut zusammengesetzten Kader, der das Zeug hat, die Klasse zu halten», meint Skibbe, «wenn alle elf Spieler auf dem Platz zusammen kämpfen, ist für uns gegen Hannover etwas drin», sagte Skibbe vor dem Heimspiel am Samstag gegen die Niedersachsen.

Mit einem Klaps auf die Schulter wurde der Coach von einem Fan nach dem Training in die Kabine verabschiedet. «Viel Glück, Trainer», hallte es Skibbe hinterher, der mit einem fröhlichen Lächeln versuchte, den Anhängern Mut zu machen. Und nicht zuletzt auch sich selbst, denn Skibbes Vertrag hat nur für die 1. Liga Gültigkeit. Kapitän Andre Mijatovic meinte: «Spielen wir so wie in der ersten Hälfte gegen Hamburg, ist der Abstieg nicht zu verhindern.»

news.de/dpa

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