BVB-Boss Michael Zorc «Die Schiris haben Götze nicht geschützt»

Borussia Dortmunds Sportdirektor über seinen besten Angestellten: Vor dem Bundesligaspiel gegen die TSG Hoffenheim beleuchtet Michael «Susi» Zorc die Gründe, weshalb Superstar Mario Götze eine Auszeit braucht.

Michael Zorc (Foto)
«Aber ich bin hier nicht als Historiker angestellt, sondern als Sportdirektor»: BVB-Boss Michael Zorc. Bild: dapd

Herr Zorc, Borussia Dortmund hatte einen perfekten Start in die Rückrunde. Die Ernüchterung folgte mit dem Ausfall von Mario Götze auf dem Fuße. Wie tief hat das den Verein getroffen?

Michael Zorc: Mario ist ein außergewöhnlicher Spieler, die Verletzung ist nicht gut für uns. Aber die Mannschaft hat gezeigt, dass sie Ausfälle kompensieren kann. Wir hoffen, dass er in der zweiten Phase der Rückrunde für uns noch wichtige Spiele machen kann.

Die Verletzung von Götze ist wahrscheinlich auch eine Folge der intensiven Belastung, vielleicht auch der härteren Gangart der Gegenspieler. Ist das möglicherweise der Preis, den junge Spieler für ihren Ruhm bezahlen?

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Zorc: Es ist festzustellen, dass gegen ihn eine harte Gangart gefahren wird. Er wurde in der Vergangenheit leider nicht immer genügend geschützt durch die Schiedsrichter. Es geht hier gar nicht um nicht gegebene Elfmeter. Drei oder vier nach Fouls an ihm hätten wir in der Vorrunde ganz klar bekommen müssen. Die Verletzung resultiert allerdings aus der extremen Belastung, die er im letzten Jahr hatte. Die Bundesliga mit dem Gewinn der Meisterschaft, die Champions League, die Nationalelf, bei der er in jedem Spiel im Prinzip dabei ist. Und er ist erst neunzehneinhalb Jahre alt. Das war für einen so jungen Burschen schon eine extreme Belastung, körperlich und natürlich mit allem, was mental auf ihn eingeströmt ist.

Sie sprechen den mentalen Aspekt an. Haben Sie Veränderungen bei ihm festgestellt? Muss auf ihn besonders aufgepasst werden?

Zorc: Am Anfang haben wir den Kontakt mit den Medien dosiert, nicht jeder Wunsch wurde erfüllt. Die Nachfrage hat aber eine solche Dynamik angenommen, dass das am Ende nur sehr schwer zu kanalisieren war. Aber Mario ist damit überragend umgegangen. Er hat konstant hervorragende Leistungen auf einem hohen Niveau gebracht, was für einen so jungen Burschen ungewöhnlich ist.

Hat er sich verändert, weil er vielleicht Druck verspürt hat?

Zorc: Nein. Das ist natürlich nichts, was ihm gefällt, weil er am liebsten Fußball spielt. Er läuft dann natürlich nicht nur lachend durch die Gegend. Aber vom Grundsatz her hat er sich nicht verändert. Es gibt keine Zeitung oder kein Magazin, wo er nicht schon einmal auf der ersten Seite war. Das hat er registriert und spürt das natürlich auch. Aber er ist damit hervorragend umgegangen.

Was kann ein Verein tun, um Spieler wie Mario Götze zu schützen? Er erscheint immer ein wenig defensiv im Umgang mit Medienvertretern.

Zorc: Weil er auch gemerkt hat, dass jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, dass es mehr Bedeutung hat, als das Wort eines normalen 19-jährigen Spielers, der zu irgendeinem Thema auf dieser Welt etwas zu sagen hat. Dem trägt er Rechnung. Ich glaube, dass unsere Medienabteilung das in Zusammenarbeit mit Marios Beratungsagentur ganz gut hinbekommen hat.

Wird Mario beim Werbetermin der deutschen Nationalmannschaft am Sonntag und Montag in München anwesend sein?

Zorc: Er wird dort hingehen. Ich weiß nicht, was für Aufnahmen dort gemacht werden. Aber Actionaufnahmen gehen natürlich nicht in so einer Phase. Im Vordergrund steht die Reha. Schon in der Vergangenheit haben wir darauf geachtet, dass Werbeverpflichtungen nicht einer schnellen Regeneration im Wege standen.

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