Testspiel FC Bayern entdeckt Indien

Bayern München in Neu-Delhi: Mit dem 4:0-Testspielsieg gegen Indiens Nationalelf wirbt der Rekordmeister für den deutschen Fußball. Das runde Leder ist im Cricket-verrückten Indien längst auf dem Vormarsch - für die Bundesliga vielleicht ein Milliardenmarkt.

FC Bayern München in Indien (Foto)
Hat auch in Indien weibliche Fans: Franck Ribéry. Bild: dapd

Der Tross des FC Bayern München muss wohl einigermaßen schockiert gewesen sein, als sich Spieler, Trainer und die übrigen Verantwortlichen durch den dichten Verkehr Neu-Delhis vom Flughafen zum Hotel qälten. «Spannend, faszinierend, bewundernswert - aber teils auch erschreckend. Wellblechhütten. Lodernde Feuer. Menschen, die am Straßenrand leben, dort ihre Wäsche trocknen. Hungernde Kinder. Und natürlich freilaufende Kühe, die von den Hindus als heilig erachtet werden», heißt es über die Ankunft des deutschen Rekordmeisters auf dessen Webseite.

Wohl nirgends sonst auf der Welt sind die Gegensätze zwischen bettelarm und neureich, zwischen Aufbruch und Rückschrittlichkeit so krass wie in dem 1,2-Milliarden-Einwohner-Staat Indien. Einerseits ist Indien eine der zehn größten Volkswirtschaften der Welt, andererseits liegt das jährliche Pro-Kopf-Einkommenbei etwa 775 Euro. Ein Riesenreich zwischen Industrienation und Entwicklungsland.

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Fußball bereits die zweitbeliebteste Sportart

Aus der heilen Welt des schwerreichen Wüstenstaats Katar kommend, machen die Bayern für zwei Tage in Indien Station. Organisiert von Sponsor Audi trafen Schweinsteiger, Ribéry & Co. auf die indische Nationalmannschaft, derzeit 162. der FifaDie Fifa ist der Weltfußballverband. Ausgesprochen bedeutet die Abkürzung: Fédération Internationale de Football Association, also Internationale Föderation des Verbandsfußballs. Mehr als 200 nationale Verbände sind Mitglied der Fifa, die 1904 in Paris gegründet wurde und ihren Sitz heute in Zürich hat. Die Fifa veranstaltet unter anderem die Fußball-Weltmeisterschaft und bestimmt über das weltweit gültige Fußball-Regelwerk. -Weltrangliste - eine Position hinter den Fidschi-Inseln (Aufzeichnung 18 Uhr/Sat1). «Im Rahmen unserer Partnerschaft mit Audi wurde dieses Spiel vereinbart. Im Vertrag ist festgelegt, dass wir für ein internationales Spiel zur Verfügung stehen. Das tun wir natürlich gern», erklärte Sportdirektor Christian Nerlinger. Dass der Bundesliga-Tabellenführer die Partie vor rund 35.000 Zuschauern im Jawaharlal-Nehru-Stadion durch Tore von Gomez (14.), Müller (29./37.) und Schweinsteiger mit 4:0 (4:0) für sich entschied, hat nur am Rande Nachrichtenwert.

Denn neben dem zu vernachlässigenden sportlichen Wert gegen den viertklassigen Gegner betrachtet der FC Bayern die Reise natürlich als PR-Ausflug, um Werbung für die marke FC Bayern und den Fußball insgesamt zu machen. «Das ist eine Aktion, die Sportliches und Wirtschaftliches miteinander verknüpft», hatte Trainer Jupp Heynckes vor dem Indien-Trip verkündet. «Wir wollen die Marke FC Bayern auch in Indien und im restlichen Asien positionieren», sagt Marketingdirektor Andreas Jung.

Denn Fußball spielt in Indiens Sportlandschaft höchstens die zweite Geige. In der früheren englischen Kolonie stehen stattdessen Cricket und Hockey in der Zuschauergunst der Stadionbesucher in Front. Etwas anders ist das Interesse der TV-Zuschauer verteilt: Laut einer Erhebung des Kölner Sportbusiness-Unternehmens Sport+Markt geben 92 Prozent der Inder an, am liebsten Cricket im Fernsehen zu schauen (Mehrfachnennung war möglich). Fußball liegt mit 30 Prozent vor Tennis (fünf Prozent) auf Rang zwei. Vor allem Weltmeisterschaften, an denen eine indische Auswahl noch nie teilgenommen hat, und die englische Premier League erfreuen sich hinter den Marktführern Cricket-WM und Indian Premier League (Cricket) hoher Beliebtheit.

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Ein Geflügelkonzern übernahm die Blackburn Rovers

«Unsere Untersuchung zeigt, dass Fußball die zweitpopulärste Sportart in Indien ist. Auf dem langen Weg, die außergewöhnliche Dominanz von Cricket anzugreifen, gewinnt Fußball an Boden», sagte Sport+Markt-Experte Andrew Walsh auf news.de-Anfrage. «Einige europäische Topklubs versuchen sich derzeit auf dem indischen Markt zu engagieren. Die Tatsache, dass mit der Fifa-Weltmeisterschaft und der Premier League zwei Fußball-Wettbewerbe unter den fünf populärsten Sportveranstaltungen Indiens zu finden sind, zeigt, dass sich das Engagement auszuzahlen beginnt.»

Dazu beobachtet Walsh, dass auch einige indische Unternehmen beginnen, in den europäischen Fußball zu investieren. «Diese Firmen betrachten das als starke Komminikations-Plattform auf ihrem Heimmarkt genauso wie im internationalen Geschäft», sagt Walsh. So kaufte sich beispielsweise der indische Geflügelkonzern Venky's als Eigentümer beim Premier-League-Klub Blackburn Rovers ein.

Nun versucht der FC Bayern, das Interesse auch für den deutschen Markt zu wecken. Offenbar mit Erfolg: Zur Pressekonferenz in einem überfüllten Saal des Bayern-Hotels drängten sich etwa 150 indische Journalisten, um mehr über die deutschen Stars zu erfahren. Bereits Ende 2011 war eine Bayern-Delegation um Paul Breitner nach Delhi und Mumbai gereist und ließ bei einem Casting 1000 potenzielle Talente für die Bayern-Fußballschule vorspielen. «Innerhalb der nächsten 15 bis 20 Jahre wird sich Indien zu einer großen Fußball-Nation entwickeln», prophezeit Breitner. Der deutsch-indische Fußballexperte Arunava Chaudhuri sagte zu Spiegel online: «Der europäische Topklub, der als erstes einen indischen Spieler in seinem Profi-Team unterbringt, sitzt auf Gold. Indien sehnt sich nach einem Helden, der sich in Europa durchsetzt.»

beu/news.de

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