Vierschanzentournee Schafkopf am Ruhetag

Halbzeit bei der Vierschanzentournee: Severin Freund & Co. erholen sich am einzigen Ruhetag im eng gesteckten Tourneeplan von den turbulenten ersten beiden Springen. Während die Teamkollegen Karten zocken, musste Martin Schmitt abreisen.

Severin Freund (Foto)
Pause für die deutsche Skihoffnung: Severin Freund. Bild: dapd

Skispringen ist tabu. Am Ruhetag der 60. Vierschanzentournee suchten die deutschen Adler das Weite, wollten für wenigstens 24 Stunden nichts von V-Stil, Fluglage und Telemark wissen. «Wir spielen Schafkopf, lesen ein wenig oder schauen uns eine Serie an. Es gibt da viele Möglichkeiten», sagt der Gesamtfünfte Severin Freund. Nur für ein paar Stunden ging es zur Schinderei in den Kraftraum, «ein bisserl was für den Körper tun».

Wo das deutsche Team genau steht, ist auch nach zwei Tourneestationen noch nicht ganz klar. Den Status der Geheimfavoriten haben Richard Freitag und Freund eingebüßt. Doch Letzterer kann es in der Gesamtwertung noch auf das Podest schaffen - das gelang zuletzt Michael Neumayer 2008. Freund stapelt da lieber tief: «Im Fahrplan Top Ten bin ich gut unterwegs. Man darf von mir keinen Riesensatz erwarten.»

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Sein Chef, Bundestrainer Werner Schuster, sieht «Sevi absolut im Soll». Auch wenn sich der Österreicher manchmal wundert: «Es ist schon kurios. Er ist deutlich besser als im Dezember, hat aber dieselben Ergebnisse.» Mitverantwortlich dafür sei auch die «Wundertüte Ito». Der kleine Japaner flog beim Neujahrsspringen auf den dritten Platz und besetzt diesen auch im Gesamtklassement.

Schuster nimmt Freitag in Schutz

Mit seiner zweiten Reihe, den soliden Springern Stephan Hocke und Michael Neumayer ist Schuster zufrieden. Gleiches gilt für Maximilian Mechler und den früheren Junioren-Weltmeister Andreas Wank. «Wir sind als Team deutlich stärker geworden», sagt Anführer Freund: «Viele haben gezeigt, was sie können. Wir sind aber noch lange nicht in der Position der Österreicher.»

Das einzige Sorgenkind ist ausgerechnet Freunds Zimmerkollege Freitag. Nach seinem Sieg in Harrachov war der kleine Sachse als Außenseitertipp in die Tournee gestartet. Die hohen Erwartungen, das ist spätestens nach Platz 25 in Garmisch klar, hat er nicht erfüllt.

Schuster nimmt Freitag in Schutz. Es sei viel eingeprasselt auf den jungen Burschen. Das hat ihn anscheinend ein wenig aus dem Konzept gebracht, technische Schwächen gepaart mit übermäßigem Pech beim Wind ließen den 20-Jährigen deutlich früher als die Konkurrenz landen. «Es dauert nicht mehr lange, dann werden wir ihn auch wieder lachen sehen», betont Schuster.

Schmitt muss Nachwuchs Platz machen

Während Freund & Co. die Reise nach Süden zur dritten Tournee-Station antraten, verschlug es Martin Schmitt in den Westen. Bei Schuster gilt zuerst das Leistungsprinzip, der viermalige Weltmeister wurde dem nicht mehr gerecht und musste abreisen. «Martin hatte die gleiche Chance wie Andreas Wank», erklärt Schuster. Doch ihm fehlten zehn Meter auf Wank und 20 auf die Weltspitze.

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Zwar ist Schmitt mit seinem Flugsystem auf dem richtigen Weg, doch «so schnell wie es aufblitzt, fällt es auch wieder zusammen». Schuster tat sich schwer mit einer Prognose, wann der einstige Vorflieger wieder ins Weltcup-Team aufrückt. «Wir müssen mal schauen, wann wir wieder einen Platz für ihn freimachen können», sagt der Österreicher.

Für die Springen in Innsbruck und Bischofshofen sowie die nächste Weltcup-Periode ist das aktuelle Sextett gesetzt. In den zweitklassigen Continentalcup will Schuster Schmitt nicht abschieben. Die Startplätze braucht er für den Nachwuchs, schließlich muss er ein Team für die Zukunft aufbauen. Für einen 33-Jährigen ist da kein Platz.

kru/beu/news.de/dapd

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