Uli Hoeneß wird 60 «Ich will ein aktiver Sechziger sein»

Uli Hoeneß (Foto)
FCB-Boss Uli Hoeneß ist Deutschlands erfolgreichster Fußballmanager. Bild: dapd

Von Christian Kunz
Er hat aus dem FC Bayern den erfolgreichsten deutschen Fußballklub gemacht. Im Interview spricht Uli Hoeneß über Rivalen, Ruhestand und seinen Flugzeugabsturz. Auch wenn er ruhiger werden will, zeigen wir noch einmal seine schönsten Wutausbrüche.

Herr Hoeneß, wenn Sie als 60-Jähriger auf Ihr Leben zurückschauen, dann kann man schon sagen, dass Sie ein ziemliches Glückskind sind, oder?

Uli Hoeneß: Natürlich hatte man schon mal ein bisschen Glück. Wenn ich zum Beispiel statt nach Nürnberg nach Hamburg gegangen wäre, am Ende meiner Karriere, dann weiß ich nicht, ob ich heute Manager wäre. Die Wurstfabrik in Nürnberg hätte ich auf keinen Fall. Das war nur möglich, weil ich meinen Freund Werner Weiß in Nürnberg kennenlernte. Dann hatte ich natürlich großes Glück bei meinem Flugzeugabsturz 1982. Ansonsten bin ich nicht der Meinung, dass ich so ein großes Glückskind bin, denn ich denke, dass hinter dem vielen Erreichten auch viel Arbeit steckt.

60. Geburtstag
Gesamtkunstwerk Uli Hoeneß

Viel Arbeit haben Sie in den FC Bayern gesteckt.

Hoeneß: Ich hatte eine Vision, wie ich mir einen Fußballverein wie Bayern München vorstelle. Denn früher war es an der Säbener Straße nicht wie in einer Parklandschaft, wie ein englischer Garten mit Bäumen, mit Kunstrasen und Rasenplätzen, die im Winter noch alle grün sind. In den 1970er Jahren war da im Winter kein Grashalm. Umgezogen hat man sich in der Holzhütte beim Opa Remm, der uns mit seinem Stumpen die Schuhe geputzt hat. Die Wäsche haben wir alle selber mitgebracht, die Lederbälle selber geflickt, wenn sie kaputt waren.

Und ein paar Jahrzehnte später ...

Hoeneß: Wenn ich das heute hier so sehe, dann sind natürlich viele Dinge verwirklicht worden, wie ich mir einen Fußballverein vorstelle. Das habe ich nicht selber gemacht. Ich habe viele gute Mitarbeiter, viele Kollegen im Vorstand, Franz Beckenbauer war lange Präsident. Gemeinsam haben wir alle aus einem Fußballverein ein blühendes Wirtschaftsunternehmen gemacht. Das war immer mein Ziel. Ich wollte nie Trainer werden, ich wollte Fußball-Manager werden und am allerliebsten bei Bayern München.

Clip-Tipp
Uli Hoeneß undercover
Video: YouTube.com

Blickt man mit 60 Jahren anders als in jüngeren Jahren auf diesen Verein?

Hoeneß: Vor 10, 15 Jahren waren ja noch viele Dinge zu erledigen. Wir hatten kein Stadion, das war immer der Traum unserer Fans. Das war eine ungeheure wirtschaftliche Belastung für Bayern München. Ohne Weltmeisterschaft und Franz Beckenbauers Aktivitäten, die WM nach Deutschland zu holen, hätten wir es wahrscheinlich noch heute nicht. Das Stadion hat dem Verein noch einen ganz entscheidenden Kick gegeben. Der FC Bayern ist ein gesellschaftliches Ereignis und immer seiner sozialen Verantwortung gerecht geworden.

Hat sich das auch im Laufe der Jahre entwickelt?

Hoeneß: Als ich ein junger Manager war, habe ich schon meine Ellbogen ausgefahren. Ich musste den Verein mit Zähnen und Klauen verteidigen, auf dem Weg nach oben gab es auch Späne. Mit GrashoffHelmut Grashoff, langjähriger Manager bei Borussia Mönchengladbach habe ich mich gefetzt, mit LemkeWilli Lemke, langjähriger Manager in Bremen natürlich sowieso bis heute und mit anderen auch. Aber je größer wir geworden sind, je einflussreicher, je unabhängiger, umso mehr ist in mir und auch in anderen in dem Verein das Gefühl gewachsen, dass man einen Teil auch zurückgeben muss. Man muss als Großer auch den Kleinen helfen.

Werbegötter
Hoeneß foppt Waldi
Video: YouTube

Sie räumen ein, die Ellenbogen eingesetzt zu haben. Bereuen Sie rückblickend irgendetwas?

Hoeneß: Nein. Weil das nie unmenschlich war. Es war zum Teil natürlich grenzwertig, keine Frage. Wenn du einem anderen Verein einen Lothar Matthäus wegnimmst oder dieses oder jenes. Natürlich musst du dich mal mit dem heimlich treffen, mit seinem Berater heimlich treffen oder dieses oder jenes. Das sind halt grenzwertige Dinge, aber du kannst nicht immer nur sagen, so lieber Herr Grashoff, können Sie mir Ihren Spieler bitte ausleihen oder geben, und dann sagt er nein und du ziehst den Schwanz ein und gehst. Dann wirst du nie weiterkommen, also musst du schon Ideen entwickeln - wie kommst du an den dran.

Was hat Sie am meisten geprägt?

Hoeneß: Ich glaube, geprägt ist man auch von seinen Eltern, geprägt ist man von der Erziehung, auch vom Umfeld.

Und worauf haben die am meisten Wert gelegt?

Hoeneß: Dass einem nichts geschenkt wird, dass man für alles, was man erreichen will, auch hart arbeiten muss. Ich habe meinen Vater erlebt, wie der morgens um drei Uhr in der Wurstküche unserer kleinen Metzgerei war, meine Mutter, die uns das Frühstück gemacht hat und dann im Laden als Verkäuferin war und am Wochenende hat sie noch die Buchhaltung gemacht. Und wenn bei uns an Weihnachten von zehn Gänsen zwei nicht verkauft wurden, dann war der Heiligabend nicht so lustig. Das war immer a bisserl abhängig, wie das Geschäft am heiligen Abend oder am Tag vorher war. Alle waren sie todmüde, spätestens um zehn Uhr am Heiligabend ist jeder umgefallen, weil keiner geschlafen hatte. Das hat mich schon geprägt, dieses Bewusstsein, dass man hart arbeiten muss, wenn man was erreichen will.

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • nils
  • Kommentar 2
  • 05.01.2012 13:36

hoeneß ist auf jeden fall der beste. was er für den fcb und seine spiler leistet und geleistet hat, ist ganz groß. ich hoffe, er bleibt dem sport noch lange erhalten.

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  • bernd
  • Kommentar 1
  • 05.01.2012 13:21

Sechtig ist doch kein Alter!

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