Skihersteller fluege.de Thoma will Schmitt Flüge(l) verleihen

Von Thomas Bachmann
Im Alter von 33 Jahren greift Martin Schmitt noch einmal an. Der einstige Star der deutschen Adler hat die Skimarke gewechselt. Sein einstiger Teamkollege Dieter Thoma ist der Repräsentant der neuen Marke.

Wenn sich Martin Schmitt bei der Vierschanzentournee vom Balken löst, liegt ihm der Himmel zu Füßen. Zarte Wölkchen umhüllen seine Bindung, die Ski sind im strahlendsten Blau gehalten. Auf seine alten Tage hat der Tournee-Dino die Skimarke gewechselt. «Fluege.de» steht auf seinen Latten - zu seinem Verdruss ist der Name allerdings längst nicht Programm.

«Ich habe immer davon geträumt, Martin ein paar Ski in die Hand zu drücken und zu sagen: Damit springst du fünf Meter weiter», sagt Dieter Thoma. Da Schmitt in diesem Winter meist mindestens fünf Meter hinter der Konkurrenz landet, fügt er schnell an: «Leider klappt das noch nicht ganz.»

Thoma, 1990 selbst Sieger der Tournee, war einer der Initiatoren des Markenwechsels. Hinter dem neuen Ausrüster steckt die Leipziger Internetfirma Unister, zu der auch news.de gehört. Unister verkauft unter dem Namen fluege.de zudem auch Flugtickets im Internet - und sichert sich durch die Idee mit dem Sponsoring eine einzigartige Werbefläche. Produziert werden die Ski von fluege.de in Floh-Seligenthal am Rande des Thüringer Waldes - dort wo zu DDR-Zeiten die Germina-Ski hergestellt wurden.

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FIS-Vorschriften erzwangen Umbennung

«Wir sind ein traditioneller Hersteller», betont Georg Reichart, Geschäftsführer der Ski-Produktion. Dass seine alte Firma sich umbennen musste, ist vor allem den Vorschriften des Weltverbandes Fis geschuldet. Die besagen, dass nur der Name des Hersteller auf die Ski gedruckt werden darf.

Ein Umstand, der 2010 den österreichischen Marktführer Fischer auf den Plan gerufen hatte, Beschwerde bei der Fis gegen den neuen Konkurrenten einzulegen. Auf den Ski stehe zwar «Fluege.de», produziert werde aber von Germina beziehungsweise deren Nachfolger S.K.I., so die Argumentation. Offenbar ging aber alles mit rechten Dingen zu, denn Team-Olympiasieger Stephan Hocke sprang als einer von wenigen Athleten bereits die ganze Saison auf den neuen Brettern.

Nischenprodukt sucht Medienpräsenz

Mittlerweile gehen 50 Springer mit Produkten der Thüringer an den Start, einige von ihnen landen bei Weltcupspringen regelmäßig in den Top10. Fischer stattet aber immer noch einen Großteil des Feldes aus. Andere traditionelle Hersteller wie Elan, Atomic oder Rossignol findet man nur noch selten. Die Herstellung von Sprungski ist eine absolute Nische. Jedes Jahr werden vier Millionen Alpinski sowie eine Million Langlaufski produziert - und lediglich 2.000 Sprungski.

«Uns war klar, dass wir wirtschaftlich keine großen Erfolge erzielen werden. Deshalb hatten wir die Idee, durch Medienpräsenz zusätzlichen Nutzen zu erzielen», erklärt Reichart. Thoma war schließlich das Bindeglied für die neuartige Kooperation.

Und für die neue Marke ist das Engagement ein echtes Schnäppchen. Die gesamten Produktionskosten belaufen sich auf eine Million Euro pro Jahr - dagegen steht der Werbewert. Und der dürfte hoch sein. Denn jedes Mal, wenn Martin Schmitt vor die Kameras tritt und seine Ski neben sich aufstellt, tickt die Uhr der teuren Werbesekunden. Und die Marketingstrategen um Dieter Thoma werden darauf hoffen, dass Schmitt bald wirklich fünf Meter weiter fliegt.

kru/rzf/news.de/dapd

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