Europa League Markus Miller in Lüttich zurück im Kader

Markus Miller (Foto)
Wieder im Kader: Markus Miller. Bild: dpa

Von Tom Vaagt
Auswärtsspiele waren für ihn jahrelang Routine, nun ist er das erste Mal wieder dabei: Markus Miller steht nach seiner überwundenden Depression gegen Standard Lüttich wieder im Aufgebot von Hannover 96.

Routiniert erledigte Markus Miller das altbekannte Programm: Tasche packen, ab in den Flieger, Einchecken im Mannschaftshotel, später am Abend dann das Abschlusstraining. Nichts Ungewöhnliches im Leben eines Fußball-Profis. Und doch waren die Abläufe vor dem Auswärtsspiel bei Standard Lüttich für den Torhüter von Hannover 96 etwas ganz Besonderes. Egal, was seinem Klub widerfährt, ob Siege oder Niederlagen - Miller wird immer ein Gewinner sein. Er hat sich seiner Krankheit gestellt und sie überwunden. Nun ist er wieder da. Im Kreis der Mannschaft, als Teil des Ganzen.

Es war der 5. September, als sich Miller mit seinen Problemen an die Öffentlichkeit wandte. Mental erschöpft. Und es war der 22. November, als er ins Training mit den Teamkollegen zurückkehrte. Psychisch gestärkt. «Ich bin gesund und fühle mich wohl», sagte der 29-Jährige. Zwischen den beiden Momenten lagen rund elf Wochen. 78 Tage, in denen das Licht erst dunkel erschien, das Dunkel dann immer heller wurde. Am Ende saß Miller in der 96-Arena und strahlte: «Mir geht es gut. Ich bin froh, dass ich mir externe Hilfe gesucht habe.»

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Miller: «Ich habe viel hinzugelernt»

Miller hat seine Krise überwunden. Der Blick geht nach vorn. «Ich habe in den elf Wochen viel hinzugelernt, möchte das jetzt in der Praxis umsetzen», sagt der Familienvater. Die Mannschaft hat ihn mit offenen Armen empfangen. Während Miller in stationärer Behandlung war, schickte sie ihm eine Videobotschaft und damit jede Menge Kraft. Die Bundesliga ist Business, doch Mannschaftssport erfordert auch Menschlichkeit. In Hannover haben sie das erkannt. «Viel besser konnte sich ein Verein mit der Situation nicht auseinandersetzen», sagt Miller: «Ich habe sehr viel Unterstützung erfahren.»

Wenn es um die Psyche ihrer Profis geht, ist man bei den Niedersachsen besonders sensibilisiert. Die Tragödie um Robert Enke, der Suizid des damaligen Nationaltorhüters am 10. November 2009 hat den Verein verändert. Und zumindest ein kleines Stück auch die rastlose Fußball-Welt. Mentale Probleme sind kein Tabu-Thema mehr, keine unverzeihliche Schwäche. Sie werden anerkannt. Vielleicht nicht überall, aber immerhin an immer mehr Orten. Auch Miller hat dazu beigetragen mit seinem mutigen Bekenntnis. Mit dem Beweis, dass man gesund zurückkehren kann.

Schmadtke: «Wir sind froh, dass er wieder durch die Gegend fliegt»

Seit rund einer Woche steht der Schlussmann nun wieder im Training. «Wir sind sehr froh darüber, dass er auf dem Platz wieder durch die Gegend fliegt und die Bälle hält», sagt 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke: «Ich freue mich einfach, dass relativ schnell wieder ein Stück weit Normalität eingekehrt ist und Markus seinem Job nachgehen kann.» Auf seinen ersten Pflichtspieleinsatz für Hannover wird Miller wohl vorerst weiter warten müssen. Ron-Robert Zieler ist als Nummer eins gesetzt.

Wer das Innenleben und die Protagonisten des Vereins ein wenig kennt, dürfte sich jedoch nicht wundern, wenn Miller in der laufenden Saison wenigstens ein paar Minuten Spielzeit bekommt. Als eine Geste. Als Belohnung für seinen Mut. Das Resultat des Spiels wäre dann wohl eher zweitrangig. Gewonnen hat Miller jetzt schon.

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kru/phs/news.de/dapd

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