Formel 1 Vettel contra Verschwörungstheorie

Vettel contra Verschwörungstheorie - Termin-Stress (Foto)
Vettel contra Verschwörungstheorie - Termin-Stress Bild: dpa

Noch kein Urlaub: Für Sebastian Vettel geht die Nachspielzeit los. PR-Termine, Race of Champions, Weltmeister-Gala. Zum Durchatmen bleibt wenig Zeit. Im nächsten Jahr will die Konkurrenz mehr als nur den Hauch einer Chance haben.

Testauftakt am 7. Februar, Rennstart am 18. März: Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt Sebastian Vettel nicht. Er brauche allerdings ein paar Tage, um nach dieser Saison mit sagenhaften 15 Poles und bemerkenswerten elf Siegen sowie insgesamt 18 Podiumsplätzen in 19 Rennen ein bisschen runterzukommen. «Andererseits: Tage wie dieser helfen dabei zu verstehen, dass es nicht selbstverständlich ist, Rennen anzuführen und zu gewinnen», meinte der Red-Bull-Pilot nach dem Saisonfinale in Sao Paulo. Die aufkommenden Verschwörungstheorien über ein Sieggeschenk an Teamkollege Mark Webber verwies er derweil ins Reich der Fabeln.

«Sie können mir glauben: Wenn ich eine Wahl gehabt hätte, hätte ich auch zur Option ‹Rennen fahren› tendiert», anstatt Webber vorbei zu lassen, erklärte Vettel. In Runde 30 hatte der Hesse seinem australischen Widersacher den Weg zum ersten Sieg seit dem 1. August 2010 freigemacht. Vettel rettete in Ayrton-Senna-Manier - der Brasilianer hatte 1991 mit Getriebeproblemen allerdings sogar gewonnen - den zweiten Platz. Die spanische Sportzeitung Marca beharrte dennoch am Montag auf einem «Phantom-Problem im Getriebe» von Vettels bis dahin fehlerfrei funktionierendem Auto.

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Alonso entzaubert

Mit mehr Zuverlässigkeit und vor allem mehr Geschwindigkeit will die Konkurrenz den Vettel-Festspielen im kommenden Jahr ein Ende bereiten und den dritten Hattrick in der WM-Historie verhindern. «Wir müssen weiterarbeiten, im Unterschied zu anderen», kündigte Lewis Hamilton kämpferisch an. Bis zum 15. Januar soll geschuftet werden am neuen McLaren: «Dann gibt es eine kleine Pause.» Teamkollege und Vizeweltmeister Jenson Button machte sich mit Blick auf die in diesem Jahr zwölfmal siegreichen Red Bulls Mut: «Sie haben nur ein kleines bisschen mehr Tempo als wir. Daran arbeiten wir für 2012.»

Ob McLaren mit zwei Ex-Weltmeistern oder Ferrari mit dem zweimaligen Champion Fernando Alonso - entnervt und entzaubert wurden sie alle von einem erst 81-maligen Grand-Prix-Starter. «Von der WM dieses Jahres wird man die unerbittliche Dominanz von Sebastian Vettel und das Fiasko des Lewis Hamilton sowie des Ferrari-Rennstalls in Erinnerung behalten», bilanzierte das spanische Blatt El País. Umso kämpferischer die Parolen der Piloten. «Der erste Platz ist der einzige, der zählt», betonte Alonso, der nach seinen beiden Titeln 2005 und 2006 seit nunmehr fünf Jahren auf Nummer drei wartet.

Kein Mitleid für Vettel

Vettel kann hingegen als dritter Pilot nach Juan Manuel Fangio und Michael Schumacher den Hattrick perfekt machen. Der Argentinier holte vier seiner fünf Titel nacheinander (1954 - 1957), Schumacher sogar fünf (2000 - 2004) seiner insgesamt sieben. Doch bevor die Mission am 7. Februar mit den ersten Testfahrten im spanischen Jerez startet und am 18. März in Melbourne in die Rennphase geht, liegt auch vor Vettel noch einige Arbeit.

Nach der WM-Party in Sao Paulo stehen in dieser Woche zwei Sponsorentermine auf dem Programm. Am Samstag will Vettel dann mit Kumpel Schumacher beim Race of Champions die Siegesserie in der Teamwertung ausbauen. Am Montag darauf: Fernsehtermin beim Red-Bull-Haussender in Salzburg und schließlich noch die feierliche Übergabe des WM-Pokals bei der Gala des Internationalen Automobilverbandes Fia in Neu Delhi am zweiten Dezemberwochenende.

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Dabei sammelte Vettel in diesem Jahr bereits reichlich Trophäen. Nur beim Heimrennen auf dem Nürburgring als Vierter und nach seinem Ausfall in Abu Dhabi beim vorletzten Saisonlauf ging er ohne zusätzliches Gepäck auf die Reise zurück in die Schweizer Wahlheimat. «Vettel ist ein Mörder-Pilot, der keinen Fehler mehr macht», urteilte La Gazzetta dello Sport angesichts der Konstanz des jüngsten Doppelweltmeisters der Formel-1-Geschichte. «Ich bringe wieder einen Pokal mit nach Hause, keine Bottel Rum, aber ne Flasche Champagner», stellte Vettel am Sonntag grinsend fest: «Mit mir muss man nach einem solchen Jahr kein Mitleid haben.»

hem/jag/news.de/dpa

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