Werner Lorant «Ich muss nicht als Millionär sterben»

Lorant: (Foto)
Werner Lorant wohnt auf einem Campingplatz am Waginger See. Bild: dapd

Von Oliver Griss
Werner Lorant ist auch als Rentner noch beinhart. Unter diesem Spitznamen kannte man ihn lange Jahre in der Bundesliga als Trainer von 1860 München. Neun Jahre arbeitete er dort. Jetzt lebt er verarmt auf einem Campingplatz.

Vom Winter in Deutschland bekommt Werner Lorant nur wenig mit. Der ehemalige Bundesliga-Trainer des TSV 1860 München hält sich gerade im sonnigen Estepona in Spanien auf und renoviert seine marode Finca: «Ich mache alles selbst», sagt Lorant. Das Ferienhaus ist alles, was ihm noch geblieben ist - Geld, um Handwerker-Rechnungen zu bezahlen, hat er nicht. Der 63-Jährige, der in seiner Karriere als Profi und hinterher als Trainer Millionen verdient haben muss, ist ruiniert. Er hat fast alles verloren.

Sein luxuriöses Haus in Oberdorfen bei München wurde zwangsversteigert, weil er seine Verpflichtungen nicht mehr erfüllen konnte. Er verspekulierte sich mit Ost-Immobilien in Dresden - und auch seine Ehe ist nach 30 Jahren kaputt. «Ich muss nicht als Millionär sterben», sagt Lorant kämpferisch, «sondern als korrekter Mensch.»

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Dauerbrenner auf dem Trainerkarussel
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Zuletzt sorgte der arbeitslose Lorant nicht auf der Trainerbank für Aufsehen, sondern in der Pro7-Reality-Soap Die Alm. Der gelernte Anstreicher, der einer der Kandidaten war, verteidigt seinen Auftritt: «Das war für mich bezahlter Urlaub auf dem Bauernhof.»

Asyl auf dem Campingplatz

Nach dem TV-Abstecher lebte Lorant abgeschieden auf einem Campingplatz am Waginger See (Oberbayern). Der Inhaber, ein bekennender Löwen-Fan, hatte Lorant kostenlos Asyl gegeben. Als kleines Dankeschön dafür hat Lorant die Campingplatz-Kinder einmal die Woche trainiert. «Das mache ich auch nächstes Jahr wieder», verrät er, «das macht Spass. Die Kinder lieben diesen Sport noch ehrlich und sind dankbar für jede Minute, in der man sich mit ihnen beschäftigt.»

Lorant schwebt nun der Aufbau einer eigenen Fußballschule vor - am Waginger See und in Spanien: «Das ist einer meiner Pläne.» Mit dem großen Fußball, der ihm aufgrund seines Führungsstils auch den Namen «Werner Beinhart» einbrachte, hat Lorant längst abgeschlossen.

Lorant genießt Rentnerdasein

«Ich bin jetzt Rentner und genieße mein Leben. Ich will nicht mehr ins Profi-Geschäft zurück. Diesen Fußball liebe ich schon lange nicht mehr», sagt er und schiebt sofort den Grund hinterher: «Heutzutage brauchst du nur einen guten Manager an der Seite, die Qualität der Arbeit ist zweitrangig. In Deutschland geht es schon lange nicht mehr um Leistung, sondern um das beste Telefonbuch und Ja-Sagertum in Perfektionismus. Da sag ich mir: Dann schaue ich mir lieber ehrlichen Amateurfußball auf den Dörfern an.»

Was Lorant, eine der schillerndsten Trainer-Figuren der letzten 20 Bundesliga-Jahre, am meisten verärgert: «Die Bundesliga ist mittlerweile total versaut. Die Spieler küssen das Vereinsemblem auf dem Trikot - und am nächsten Tag wechseln sie den Verein und machen dann wieder dasselbe. Aber von wem sollen sie es auch lernen, wenn die Trainer wie Hasen durch die Liga hüpfen und ihnen das alles vorleben.» Aufgeregt hat sich Werner Lorant über Friedhelm Funkel: «An einem Tag wird er in Bochum entlassen, am nächsten Tag unterschreibt er in Aachen. Wo soll das hinführen? Das ist doch krank. Da lobe ich mir ein Gesetz im spanischen Fußball: Da hast du erstmal Berufsverbot bis Saisonende...»

«Lasst mich in Ruhe»

Und tatsächlich war Lorant einer, der Vereinstreue vorgelebt hat: Beim TSV 1860 war der ehemalige Mittelfeldspieler neuneinhalb Jahre beschäftigt und schaffte in dieser Zeit das Kunststück, den Traditionsklub von der Bayernliga bis in die Champions League-Qualifikation zu führen. Erst nach der Entlassung bei den Löwen im Oktober 2001 begann Lorants Odyssee durch die Welt. Er arbeitete in der Türkei, in China, in der Slowakei oder auch beim Münchner Bezirksligisten SV Ataspor. Doch glücklich wurde Lorant ohne 1860 nicht mehr.

Dass die Löwen und auch ehemalige Mitstreiter ihn vergessen haben, schmerzt Lorant: «Glaub nicht, wenn es dir schlecht geht, dass dir einer hilft. Ich bin von so vielen Leuten enttäuscht. Angefangen von Peter Pacult. Ich hatte ihn aus Österreich geholt, als keiner mehr von ihm gesprochen hat. Heute kennt er mich nicht mehr. Deswegen sage ich mir jetzt: Lasst mich alle in Ruhe!» Lorant fühlt sich vergessen. Nun sagt er: «Ich habe nur einen Wunsch: Wenn ich sterbe, dann will ich nicht, dass diese Leute dann an meinem Grab stehen und eine Rose auf den Sarg werfen. Die sollen lieber daheim bleiben. Ich brauche keine Scheinheiligkeit.»

hem/beu/news.de/dapd

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • meyerdieter
  • Kommentar 3
  • 06.01.2013 14:39

DIE erfahrung mußte ich auch machen , wenn du tief im dreck steckst dann hilft nicht mal die familie aber bei mir zumindest meine frau , die oberen " 10tausend" im dorf brauch ich auch nicht unbedingt was die nicht wissen bzw. noch nicht realisiert haben das sie auch bald den a.... zukneifen , da nützt der stern auf der haube 0,00 prozent !

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  • TFischer
  • Kommentar 2
  • 13.06.2012 23:53

Ich wünsche Ihnen alles gute, Sie sind sehr tapfer, ein starker Mensch, nur Ihr Geld sollten sie mehr zusammen halten. Das Leben gehr seine eignenen Wege und auch für Sie werden diese wieder unter dem Regenbogen langführen. Freundliche Grüsse, T.Fischer

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  • juergen pahl
  • Kommentar 1
  • 04.01.2012 01:15

ich sitze grade am ende der welt ,in paraguay,und da nochmal in der pampas...aber dank internet ist ja alles möglich.. lieber werner ,es freut mich für dich,was ich gelesen habe und wünsche dass es wahr geniess die neue zeit! du hast recht mit deinen äusserungen, ich kenne deine erfahrungen.menschlich und charakterlich ganz unten,die da oben was zu sagen haben.aber auch menschliche unreife und kleingeistigkeit ist ihr manko inc.angst.sie kennen einfach die vielfalt des lebens nicht...aber auch sie wird es eines tages einholen.und dieser tag ist in der heutigen schnellen zeit nicht mehr fern..

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