Hannover 96 Miller kehrt nach Burnout zurück

Markus Miller (Foto)
«Ich wäre auch mit einem ausgerissenen Bein zum Training gegangen»: Markus Millers euphorisches Comeback. Bild: dapd

Voller Optimismus ist Markus Miller in den Trainingsbetrieb zurückgekehrt. «Ich bin gesund zurück und fühle mich wohl», sagte der Torwart von Hannover 96. Miller hatte hierzulande als erster Fußballprofi bekannt, am Burnout-Syndrom zu leiden.

An einem trüben Novembertag begann für Markus Miller der bemerkenswerte Weg zurück in die Normalität. Im dichten Nebel kehrte der Ersatztorwart von Hannover 96 nach elf Wochen stationärer Behandlung wegen einer psychischen Erkrankung ins Training zurück - fröhlich lachend, irgendwie befreit. «Ich bin froh, wieder hier zu sein», sagte der Fußballprofi, der in einem viel beachteten Schritt seine Probleme öffentlich gemacht hatte. «Es war richtig schön, die alten Gesichter wieder zu sehen.» Richtig herzlich sei er empfangen worden, «von jedem einzelnen». Am Morgen stand Miller im Training der 96er erstmals wieder im Kasten. Danach stand er auf eigenen Wunsch hin Rede und Antwort.

«Es war die absolut richtige Entscheidung, meine Probleme öffentlich zu machen und mir externe Hilfe zu holen», sagte der Schlussmann. Der Weg in die Öffentlichkeit habe bei der Genesung geholfen, erklärte Miller, ohne weitere Details der Behandlung zu nennen. «Es waren sehr spannende und emotionale elf Wochen.» Neben den Therapeuten und der Familie hätten auch viele im Klub geholfen: «Viel professioneller, viel besser kann sich ein Verein damit nicht auseinandersetzen!» Auch die Mannschaft habe ihn mit einer Video-Botschaft «in der schweren Zeit» unterstützt.

Burnout
Ausgebrannte Promis

Miller war ausgebrannt, litt am Burnout-Syndrom. Nach einer Therapie in einer Gelsenkirchener Privatklinik hofft er nun, so schnell wie möglich wieder zum engen Kader von Trainer Mirko Slomka zu gehören. «Ich bin körperlich in einer sehr guten Verfassung und voller Elan und Leidenschaft», sagte Miller nach der ersten Übungseinheit. «Ich wäre auch mit einem ausgerissenen Bein zum Training gegangen.»

«Es ist nicht ganz so einfach, wenn so viele Leute da sind»

Das triste Wetter stand im Kontrast zu der gelösten Stimmung des 29-Jährigen. Beobachtet von mehreren Fernsehkameras und Fotografen machte sich Miller nach dem fröhlichen Trainingsbeginn zunächst mit den Torwartkollegen um den neuen Nationalkeeper Ron-Robert Zieler warm. Anschließend absolvierte er die komplette Einheit, stand beim abschließenden Trainingsspielchen eine Halbzeit lang im Tor.

Dem großen Medieninteresse begegnet er offensiv und mit einem sympathischen Lächeln. «Es ist überraschend, so viele Leute zu sehen, nachdem man elf Wochen weg war», sagte Miller. «Es ist nicht ganz so einfach, nachdem man lange in einem geschlossenen Raum war, wenn dann so viele Menschen da sind.»

Der Fall Rangnick gab Miller Kraft

Der vor seiner Erkrankung als Spaßvogel des Teams bekannte Miller erschien befreit und fröhlich, hatte aber auch ernste Erklärungen und Botschaften. «Wenn es dazu beiträgt, dass sich das Bewusstsein in der Öffentlichkeit ändert, dann bin ich gerne Vorbild», sagte Miller zu seinem «Outing». Vor ihm hatte noch kein Bundesligaprofi eine psychische Krankheit öffentlich gemacht. Mentale Erschöpfung und ein beginnendes Burnout-Syndrom lautete die Diagnose. «Grundsätzlich hat die Enke-Tragödie dazu beigetragen, öffentlich damit umzugehen», bestätigte Hannovers Sportdirektor Jörg Schmadtke. Vor etwas mehr als zwei Jahren beging der damalige Nationaltorwart Suizid, nachdem er seine Depression jahrelang geheim gehalten hatte.

Miller machte es anders. «Sicherlich hat das auch mit eine Rolle gespielt, alles öffentlich zu machen», erklärte der 96-Ersatzkeeper, der erst nach Enkes Tod verpflichtet worden war. Zu seiner Krankheit erläuterte er: «Es gibt da geringe Parallelen.» Jede psychische Erkrankung sei anders und individuell.

Nach Miller fand auch der Schalker Trainer Ralf Rangnick den Mut, zu seinen psychischen Problemen zu stehen. «So ernst das mit ihm ist, mir hat es ein bisschen Erleichterung gebracht, weil ich nicht alleine in der Öffentlichkeit stehe», gestand Miller. Umgekehrt könnte die Rückkehr des Tormanns in den Fußball-Alltag auch ein Signal für Ralf Rangnick sein, der früher auch in Hannover arbeitete. «Der Fall Miller zeigt, dass der Weg zurück immer möglich ist», sagte Schmadtke.

kru/beu/news.de/dpa/dapd

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
++ Fußball-Liveticker ++
 

Live-Ticker powered by live-ticker.com

Fußball im Überblick
news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige