Bundesligaspiel abgesagt Referee Rafati begeht Selbstmordversuch

Babak Rafati (Foto)
Hielt der Belastung offenbar nicht mehr Stand: Schiedsrichter Babak Rafati. Bild: dpa

Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur
Spielabsage in Köln: Schiedsrichter Babak Rafati hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Der 41-jährige Bundesliga-Referee wurde mit aufgeschnittenen Pulsadern aufgefunden. Die Bundesligapartie zwischen Köln und Mainz wurde abgesagt.

Die Bundesligapartie zwischen dem 1. FC Köln und Mainz 05 im Rhein-Energie-Stadion ist von der deutschen Fußball-Liga (DFL) abgesagt worden. Der traurige Grund: Schiedsrichter Babak Rafati, der das Spiel leiten sollte, hat offenbar versucht, sich das Leben zu nehmen. Am Morgen war der 41-Jährige mit aufgeschnittenen Pulsadern in seinem Hotel aufgefunden worden. Kölns Vorstand Claus Horstmann sagte zu bild.de: «Ich weiß, dass er lebt.» Die Hannoveraner Polizei bestätigte, den Auftrag erhalten zu haben, Rafatis Lebensgefährtin von dem Suizidversuch zu unterrichten. Wie eine Sprecherin der Polizei-Landesleitstelle Nordrhein-Westfalen mitteilte, ist Rafati außer Lebensgefahr.

Über die Gründe für den Suizidversuch ist noch nichts bekannt. Bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz sagte Kölns Sportdirektor Volker Finke: «Es ist der Situation angemessen, nicht in Details zu stochern.» Zuvor war in einer Telefonkonferenz mit Vertretern der Klubs, DFB-Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel und Wolfgang Niersbach, Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes, beschlossen worden, das Spiel abzusagen. Rafatis geschockte Referee-Kollegen sahen sich nicht in der Lage, die Leitung der Partie zu übernehmen. Ein Ersatzmann konnte in der Kürze der Zeit und der Situation angemessen nicht einspringen.

Suizidversuch
Die Achterbahn-Karriere von Babak Rafati
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Rafati wurde mehrfach zum schlechtesten Schiedsrichter gewählt

In den vergangenen Jahren war Rafati wegen diverser Fehlentscheidungen in die Kritik geraten. Nach der Partie zwischen dem 1. FC Nürnberg und Borussia Mönchengladbach zu Beginn des Jahres hatte Fandel entschieden, dass Rafati künftig keine Spiele mehr mit Beteiligung des 1. FC Nürnberg pfeifen soll. In Umfragen des Kicker wurde der Bankkaufmann aus Hannover von den Bundesligaprofis bereits dreimal zum schlechtesten und zuletzt zum zweitschlechtesten Schiedsrichter der Liga gewählt.

2010 kommentierte der Ex-Fifa-Schiedsrichter Markus Merk die Wahl bei bild.de: «Ich denke, bei ihm ist die Entwicklung, die man erwartet hatte, ausgeblieben. Er sollte zu dieser Umfrage nun nicht sagen, ‹ist mir egal› - sondern er sollte sie schon ernst nehmen. Denn mit das Wichtigste für einen Schiri ist die Selbstkritik - sonst kann ich nicht besser werden.»

Ab 2012 darf Rafati nicht mehr international pfeifen

Im September dieses Jahres hatte der DFB bekannt gegeben, dass Rafati 2012 nicht mehr auf der Fifa-Liste stehen wird und somit keine internationalen Spiele mehr leiten darf. Der iranischstämmige Rafati pfeift seit 2005 Bundesligaspiele. Am 6. August hatte er ausgerechnet bei der Partie Köln gegen Mainz sein Debüt gegeben.

Funktionäre und Trainer äußerten sich geschockt. DFB-Präsident Theo Zwanziger sagte seinen geplanten Besuch beim EM-Qualifikationsspiel der Frauen gegen Kasachstan in Wiesbaden ab, um sich in Köln persönlich ein Bild über die Hintergründe zu machen.

Suizid
Hilfe für Betroffene und Angehörige
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kru/cvd/news.de

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Helmut2008
  • Kommentar 2
  • 20.11.2011 13:32

Ich wünsche Herrn Rafati alles Gute. Ich kann die Ausweglosigkeit, die ihn zu dieser Handlung veranlasste, nachvollziehen. Ich weiß auch aus langjähriger eigener Erfahrung, dass viele Menschen ins Stadion gehen um sich das wunderschöne Spiel "Fußball" anzusehen. Aber das wird nicht mehr lange möglich sein, da immer mehr Horden von Hirnis "Fans?" unter einem Riesenauf- gebot von Polizei in die Stadien hinein- und auch wieder herausgeleitet werden müssen. Schals mit Aufdrucken in der Fäkaliensprache werden vor den Stadien verkauft. Beleidigende und verletzende Plakate! Wer lässt das zu?

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  • Helmut2008
  • Kommentar 1
  • 20.11.2011 13:15

Wenn nicht umgehend im Profifussball der Video- Beweis eingeführt wird, wird es in absehbarer Zeit keine Schiedsrichter mehr geben. Wer will sich diesem Stress aussetzen, wer will sich wöchentlich in Stadien vor 40000-80000 Zuschauern, die übrigens alle Schiedsrichter sind, die Blöße einer Fehlentscheidung geben? Fehlentscheidungen, die dem einen Verein zum Vorteil gereichen und den anderen Verein benachteiligen. Es gibt keine ausgleichende Gerechtigkeit. Man muss einen Weg finden, die Schiedsrichter zu schützen und das geht nur wie in vielen anderen Sportarten über den Videobeweis.

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