Bundesliga-Kracher Kehl will Dortmund zum Sieg in München führen

Sebastian Kehl (Foto)
Er grätscht wieder: Sebastian Kehl gegen den FC Arsenal London. Bild: dapd

Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur
Vom Patient zum Dirigent: Vor dem Spitzenduell in München ist Sebastian Kehl nach Jahren des Leidens zurück in der Stammelf. Der Kapitän des BVB stabilisert und organisiert das Spiel des Deutschen Meisters.

Sebastian Kehl hat den 26. Februar dieses Jahres sicher nicht vergessen. Zwar war er beim phänomenalen 3:1-Auswärtssieg von Borussia Dortmund in München nicht mehr als ein Statist. Doch bei seiner Einwechslung in der 89. Minute stand Dortmunds Kapitän das erste Mal seit September 2010 in der Bundesliga auf dem Fußballplatz. Matchwinner Nuri Sahin, der die Bayern mit einem sensationellen Schlenzer in der 18. Minute geschockt hatte, übergab Kehl kurz vor Spielschluss die Kapitänsbinde.

Doch Spielführer Kehl blieb in der Meistersaison eine Randnotiz. Nach seiner Einwechslung gegen Bayern München stand er nur noch in zwei Partien für jeweils einige Minuten auf dem Platz. Danach stoppte den gebürtigen Hessen erneut eine Verletzungsserie. Nach einem langwierigen Sehnenriss plagten ihn Rücken- und Knieprobleme, eine Operation hatte eine Schleimbeutelentzündung zur Folge. Während seine jungen Kollegen Sahin, Großkreutz, Götze & Co. ganz Fußball-Deutschland in ihren Bann zogen, quälte sich Kehl im Krankenbett und der Rehabilitation. Es grenzt an ein Wunder, dass er überhaupt körperlich dazu in der Lage war, bei der Meisterfeier die Schale in die Luft zu stemmen.

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Meilensteine auf dem Weg zum Titel
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In den vergangenen beiden Spielzeiten absolvierte Kehl ganze zwölf Bundesligapartien, davon nur drei über die volle Distanz. Gerade einmal 612 Minuten stand der defensive Mittelfeldspieler seit Beginn der Saison 2009/10 auf dem Spielfeld. Der Mann, der in den schwierigen Jahren des deutschen Fußballs einer der wenigen Lichtblicke war und um den im Winter 2001 ein erbitterter Transferstreit zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München geführt wurde, rutschte von einer Verletzung in die nächste. Im Grunde währte Kehls Leidenszeit seit Herbst 2006. Nachdem er beim Sommermärchen der deutschen Nationalmannschaft noch in vier WM-Partien dabei war, öffnete sich nach einer Verletzung am ersten Spieltag der Saison 2006/07 Kehls lange Krankenakte. Auslöser war damals übrigens ein Foul von Hasan Salihamidzic - bei Dortmunds Gastspiel beim FC Bayern. Kaum war Kehl dann nach Knochenstauchungen oder Leistenproblemen wieder fit, folgte der nächste Rückschlag.

Kehl sucht noch seinen Rhythmus, gibt aber schon wieder den Takt vor

Aktuell jedoch ist Kehl nach überstandener Schleimbeutelentzündung seit Mai beschwerdefrei. Und mehr noch: Im Spitzenspiel gegen den FC Bayern wird Kehl die Dortmunder Borussia als Kapitän auf den Platz führen. Anders als im Februar, als er nur ins Spiel kam, weil Trainer Jürgen Klopp dem brillanten Sahin einen Abgang mit Applaus verschaffen wollte, ist er wieder zu einer Stütze der Mannschaft geworden. Nach der jahrelangen Verletzungsseuche ist Kehl zwar noch dabei, seinen eigenen Rhythmus zu finden. Doch den Takt im Spiel der Dortmunder kann der dienstälteste Borusse bereits wieder vorgeben.

Nach dem Abgang von Sahin zu Real Madrid setzte sich Kehl gegen den mit viel Vorschusslorbeeren bedachten und bislang indisponierten Ilkay Gündogan genauso durch wie gegen Talent Moritz Leitner. «Ich würde sagen, dass ich auf einem richtig guten Weg bin, aber noch lange nicht da, wo ich hinwill», sagt Kehl ehrgeizig.

Kehl: «An einem guten Tag können wir die Münchner schlagen»

Vor den richtungsweisenden Duellen gegen den übermächtigen FC Bayern, Reviernachbarn FC Schalke sowie Arsenal London in der Champions League sagte Kehl den Ruhr Nachrichten selbstbewusst: «Wir können richtig für Furore sorgen.» Einen Sieg bei den zuhause bislang beängstigend souveränen Münchenern hält Kehl für machbar: «Wir brauchen natürlich Mut, müssen an uns glauben, unser Spiel durchziehen und läuferisch wieder an unsere Grenzen gehen. Wir wissen, dass es nicht leicht wird. Aber wir wissen auch, dass wir in München bestehen können», sagte der 31-Jährige bei fifa.com.

Anders als im Februar kann Kehl, der gegen die Bayern sein achtes Ligaspiel in dieser Saison bestreitet, die Spielführerbinde wieder selbstbewusst aufs Feld tragen. Zwar sind «Kehlis» Aktionen bisweilen noch etwas hölzern, doch Dortmunds Oldie hat gezeigt, dass er was Spiel- und Laufgeschwindigkeit angeht, noch nicht zu langsam für Dortmunds jugendliche Sturm- und Drang-Fußballer ist. Im Gegenteil: Mit seiner Rückkehr in die Stammformation kehrte auch die bis dato vermisste Stabilität bei Borussia Dortmund zurück. Und bei der Gala gegen Köln sorgte Kehl, der aus einer anderen Ära des deutschen Fußballs stammt, auch offensiv mit vielen Torschüssen und einem Kopfballtreffer für Furore.

Im Sommer endet Kehls Vertragslaufzeit nach zehn Jahren bei Borussia Dortmund. Was danach kommt, ist völlig offen. Gefragt, ober er auch in der kommenden Spielzeit das BVB-Dress tragen werde, sagt Kehl: «Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es im Fussball sehr schnell gehen kann. Wir haben aber bis jetzt noch keine Gespräche geführt. Für mich ist es wichtig, die guten Leistungen aus den letzten Wochen zu bestätigen und weiterhin auf mich aufmerksam machen zu können. Denn ich möchte, wenn ich gesund bleibe, noch ein paar Jahre spielen.» Derzeit könnte sich der BVB nicht leisten, auf seinen Spielfüher zu verzichten.

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mik/news.de

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