Nationalelf Löw simuliert die Krise

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Bundestrainer Joachim Löw hielt sich lange über die Aufstellung bedeckt. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Michael Heinrich
So schnell wird man eine deutsche Nationalmannschaft wohl nicht mehr mit Dreier-Abwehrkette spielen sehen. Gegen Holland wird Deutschland in stärkster Formation auflaufen. Doch Bundestrainer Joachim Löw behält das gegen die Ukraine getestete Sytem im Hinterkopf - nur für alle Fälle.

Die Überraschung war geglückt. Nicht nur die Zuschauer, auch die Spieler sahen staunend auf den Spielbogen. Drei Abwehrspieler, keine Außenstürmer - die Startaufstellung wirkte bereits wie eine Notvariante. Genau das sollte sie sein. «Ich wollte den Ernstfall vor dem Erstfall proben», erläuterte Löw sein ungewöhnliches System.

Deshalb informierte der Bundestrainer selbst die Spieler erst kurz vor Anpfiff. «Wir haben erst in der Mannschaftssitzung davon erfahren», berichtete Mats Hummels. So ins kalte Wasser geworfen, musste jeder Profi das beste aus der ungewohnten Situation machen. Dass das nicht ohne Probleme ging, sah man deutlich und war von Löw einkalkuliert.

Dem deutschen Spiel fehlte die Klarheit, in der Abwehr die Zuordnung und den einzelnen Mannschaftsteilen oft die Bindung zueinander. «Es war ja auch nichts einstudiert. Wir haben es einfach ausprobiert, auf gut Glück», erklärte Thomas Müller. Doch trotz schwerer Fehler, großer Lücken und fehlender Abstimmung stand am Ende dennoch ein 3:3 gegen die Ukraine.

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Anderer Auftritt gegen Niederlande

«Ich nehme viel Positives mit», verteidige Löw anschließend seine Entscheidung: «Das Recht zu experimentieren nehme ich mir heraus!» Da zwei der drei Gegentore nach deutschen Eckbällen fielen, wollte Löw die Abwehrleistung auch nicht schlechter machen als sie war. Die Gegentore hätten «nichts mit dem System zu tun gehabt», meinte auch Hummels und pries gleich die Vorteile an: «Das neue System bringt uns im Spielaufbau einiges. Wir können die Bälle gut laufen lassen.»

Tatsächlich spielte in Halbzeit zwei nur noch Deutschland. «Wir hatten eine unglaubliche Dominanz», stellte Löw fest. Für das Spiel gegen den Weltranglistenzweiten Niederlande am Dienstag in Hamburg verschwindet das System erst einmal wieder in der Schublade, aber ganz sicher nicht aus Löws Kopf: «Eine gute Mannschaft kann auch mal umstellen, ohne dass es dann im Ernstfall viele Probleme gibt.»

Käme es bei der EM zu einem Platzverweis, müsste Deutschland also in Unterzahl spielen, würde Löw es wohl wieder herausholen. Denn es bietet die Möglichkeit, das offensive Personal auf dem Platz zu halten und damit weiter Druck auf den Gegner auszuüben. «Es wird Situationen geben, in denen wir auf die Dreierkette umstellen müssen», meinte Löw.

Das Spiel in Kiew war die einzige Möglichkeit für ihn, das Krisenszenario zu testen. Gegen die Niederlande steht zu viel Prestige auf dem Spiel. Danach wartet nur noch Frankreich als Testspielgegner vor der EM auf. Gegen die Niederlande wird Löw auch anderes Personal zur Verfügung stehen: Miroslav Klose und Marco Reus werden wieder zum Team stoßen. Auch die Stammkräfte Manuel Neuer, Thomas Müller, Per Mertesacker und Lukas Podolski dürften zum Jahresabschluss gegen den Vizeweltmeister wieder in der Startformation stehen. Die Zeit zum Experimentieren ist vorbei.

cvd/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Alexander Voronin
  • Kommentar 1
  • 13.11.2011 13:58

Genau so spielt auch Barcelona. Und die sollen ja nicht ganz erfolglos sein. es braucth halt Zeit diese neue Variante einzustudieren. Wenn die erst einmal sitzt ist Deutschland noch überlegener als heute. Das Spiel am Freitag hat Spaß gemacht! Für mich war das ein schöner Fußballabend.

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