Nationalelf Kalte Dusche in Kiew

Ukraine - Deutschland (Foto)
Mario Gomez (M.) und Mesut Özil stehen betroffen zusammen. Bild: dapd

Von news.de-Redakteur Michael Heinrich
Das Experiment von Joachim Löw ist schiefgegangen: Das neue System abseits des allbekannten und bewährten 4-2-3-1 ist stark verbesserungswürdig. Allein es bleiben bis zum Beginn der Fußball-Europameisterschaft nur noch zwei Testspiele. Das Spiel in der Ukraine gibt Löw einige Hausaufgaben auf.
 

Es war ein Rückfall in längst vergessene Zeiten: Die deutsche Nationalmannschaft hat sich beim 3:3 (1:3) in der Urkaine von einer Seite gezeigt, wie man sie seit dem rasanten Aufschwung im Zuge der Heim-WM 2006 nicht mehr gesehen hat. Der 1:3-Halbzeitstand durch Tore von Andriy Iarmolenko (28.), Yevhen Konoplyanka (37.) und Serhiy Nazarenko (45.+1), sowie durch Toni Kroos (39.) war kein Ausrutscher, sondern spiegelte die tatsächlichen Kräfteverhältnisse wider. Erst die Treffer von Simon Rolfes (65.) und Thomas Müller (76.) bogen das Ergebnis zurecht. «Mit dem 3:3 können wir gut leben. Man hat gesehen, dass das System nicht einstudiert war», sagte Müller.

Dabei hatte Bundestrainer Joachim Löw erstmals die Zauberfußballer Mario Götze und Mesut Özil zusammen auflaufen lassen; in der Verteidigung dafür nur auf eine Dreierkette gesetzt. Mats Hummels spielte links außen, Holger Badstuber allein in der Mitte, Jerome Boateng auf rechts. Toni Kroos bildete zusammen mit Sami Khedira die Doppelsechs. Doch anstatt eines Offensivfeuerwerkes ging der Schuss nach hinten los. Deutschland war offensiv wenig durchschlagkräftig, dafür defensiv äußerst verwundbar.

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Einzelkritik

Die Urkaine konterte Deutschland aus, gerade so wie Deutschland es bei der WM in Südafrika vorgemacht hatte. Den ersten beiden Gegentreffer gingen jeweils Aktionen im ukrainischen Strafraum voraus. Badstubers Ballverlust nutzte Andriy Shevchenko für einen öffnenden Pass, mit etwas Glück bugsierte Iarmolenko den Ball über die Linie. Irrwitzigerweise standen Özil und Götze im eigenen Strafraum Mann gegen Mann und machten natürlich keine glückliche Figur. «Die Automatismen haben gefehlt, einer hat sich auf den anderen verlassen», analysierte ARD-Experte Mehmet Scholl.

Debütant Zieler im Stich gelassen

Beim zweiten Gegentor schenkte der aufgerückte Hummels den Ball her. Wieder stimmte die Zuordnung nicht. Konoplyanka tauchte nach einem langen Sprint aus der eigenen Hälfte vor Ron-Robert Zieler auf, umspielte ihn und schob den Ball ins Netz. Zieler, der sein Debüt gab, hatte wahrlich nichts zu feiern, wurde er doch von seiner Abwehr fahrlässig im Stich gelassen. «Die Ukrainer haben sehr schnell umgeschalten - wir weniger», übte Zieler vorsichtig Kritik.

Das schnelle Anschlusstor von Kroos - ein schöner ansatzloser Schuss aus 20 Metern - war auf seine Weise auch bezeichnend. Denn flüssiges Kombinationsspiel, mit dem sie zuletzt so begeistert hatte, zeigte die deutsche Elf in der Ukraine nicht. Das Spiel lahmte am Flügel: ohne Lukas Podolski und Thomas Müller ging es meist durch die Mitte, wo der Angriff ein ums andere Mal festlief. Mario Gomez, der in seinem 50. Länderspiel erstmals die Kapitänsbinde tragen durfte, kam nur zu zwei Chancen.

Christian Träsch, der keine vernünftige Flanke zustande bekam, blieb zur Pause in der Kabine und wurde durch Andre Schürrle ersetzt. Mit dem Leverkusener kam etwas mehr Dynamik ins deutsche Spiel. Die besseren Chancen verbuchten jedoch weiterhin die Gastgeber: Gegen Shevchenko (50.) rettete Zieler in höchster Not und lenkte den Ball mit den Fingerspitzen um den Pfosten. Nazarenko (62.) vergab freistehend eine hundertprozentige Möglichkeit. Iarmolenko konnte einen blitzartigen Konter (80.) nicht abschließen. Die Lücken, die Deutschland immer wieder offenbarte, waren erschreckend.

In der 66. Minute war dann Schluss für Götze und Özil; Müller und Podolski durften aufs Feld. Am System änderte Löw allerdings nichts und das Spiel wurde auch trotz des erneuten Anschlusstreffers von Simon Rolfes, der nach einer Ecke abstaubte, nicht besser. In der 69. Minute wurde Mario Gomez allerdings ein klarer Elfmeter verweigert. Nazarenko blockte den Kopfball des Stürmers mit dem Arm. Müller, der einfach mal abzog und Torwart Oleksandr Rybka alt aussehen ließ, stellte den etwas scheichelhaften Endstand her: ein 3:3, das mit Blick auf den angestrebten EM-Titel zu denken gibt.

hem/cvd/news.de

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