Sir Alex Ferguson Titel, Zoff und Kaugummi

1986 war Manchester United ein Krisenklub. Dann übernahm Alex Ferguson das Team und führte es an die Spitze. Der grantelige, mittlerweile fast 70-jährige Schotte feiert am Wochenende sein 25-jähriges Dienstjubiläum. Erfolge pflastern seinen Weg.

Ferguson  (Foto)
Noch ein Pokal: Alex Ferguson ist der Titelhamster von Manchester United. Bild: dapd

Es war ein Schock für den jungen, ehrgeizigen und von Disziplin besessenen Trainer. Gerade 44 Jahre war Alex Ferguson alt, als er den damaligen Krisenklub Manchester United übernahm. Die Spieler feierten, tranken und rauchten, sie spielten miserabel. Kaum jemand glaubte daran, dass der Trainer-Neuling in Englands Eliteliga das Team in den Griff bekommen würde. Das wird sein erster und letzter Verein in England, sagten einige - sie sollten recht behalten.

Denn mittlerweile sind 25 Jahre vergangen seit diesem 6. November 1986. Dem Tag, an dem Alexander Chapman Ferguson eine Erfolgsgeschichte begann, die weltweit ihresgleichen sucht. Und noch immer zieht der wild Kaugummi kauende Schotte die Strippen bei Manchester United, einem der inzwischen größten, bekanntesten und besten Fußballvereine der Welt. Trotz Dutzender Titel ist sein Ehrgeiz ungebrochen.

Fußball: Dauerbrenner auf dem Trainerkarussel

United war ganz unten

Dabei sah es anfangs übel aus für Ferguson und die Red Devils. Auf Platz 19 liegend wurde Ron Atkinson am 13. Spieltag entlassen. Und zwei Wochen später war man unter Ferguson gar 21., damals Vorletzter. Erst im dritten Anlauf, bei Fergusons Premiere im heimischen Old Trafford, klappte es endlich mit dem ersten Sieg. Das 1:0 gegen die Queens Park Rangers war der Startschuss zum Klassenverbleib - am Ende landete die Mannschaft im sicheren Mittelfeld auf Rang elf.

«Ganz offensichtlich musste ich eine neue Mannschaft aufbauen», sagt Ferguson, der «ein Team ohne Wurzeln» übernommen hatte. Schon ein Jahr später reichte es zur Vizemeisterschaft. Zwar deutlich hinter dem schier unerreichbaren Rekordmeister FC Liverpool. Doch damit wollte sich Ferguson nicht zufriedengeben. Er suchte und fand regelmäßig «frische, junge Spieler».

Transfer-Coup Cantona

1990 dann der erste Titel im FA Cup, und nur ein Jahr später der 2:1-Sieg im Finale um den Europapokal der Pokalsieger gegen Barcelona. Die Titel brachten finanziellen Spielraum, und so fädelte Ferguson 1992 seinen ersten Transfer-Coup ein: Für eine Million Pfund holte er den Franzosen Eric Cantona aus Leeds. Mit dem Superstar sollte in den 1990er-Jahren endgültig die Wachablösung Liverpools an der Spitze des englischen Fußballs folgen.

Tatsächlich wurde United mit Cantona auf Anhieb Meister - erstmals nach 26 Jahren. Doch für Ferguson ging es um mehr. Mehr Titel, mehr Spieler, die er zur Weltklasse führen wollte: Robbie Keane, die Neville-Brüder Phil und Gary, Paul Scholes und Ryan Giggs sowie natürlich David Beckham, Cristiano Ronaldo und Wayne Rooney. Sie alle prägten United über Jahre, geformt von dem Schotten, dessen deftiger Akzent selbst für Engländer schwer zu verstehen ist.

Boykott der BBC

Auch mit den Stars scheute Ferguson nie die Konfrontation: Legendär, wie er Beckham vor lauter Ärger einen Fußballschuh an den Kopf kickte und dieser eine Platzwunde davontrug. Schon Tradition sind seine über die Medien ausgetragenen Dispute mit Arsenal-Trainer Arsene Wenger. Zumindest über fast alle Medien, denn als die BBC 2004 eine umstrittene Reportage über Fergusons Sohn Jason ausstrahlte, boykottierte er den Sender über Jahre, bis es diesen Sommer zu einer Aussprache kam.

Auch seine ständigen Attacken gegen die Schiedsrichter - gefolgt von teils drastischen Strafen seitens des englischen oder europäischen Verbandes - sind berüchtigt. Nur einmal konnte er sich wahrlich nicht über die Unparteiischen beschweren: Als Pierluigi Collina am 26. Mai 1999 im Nou Camp zu Barcelona lange genug nachspielen ließ.

Fergusons Ritterschlag

Es war der vorläufige Höhepunkt in der Karriere des Alex Ferguson, der nach dem Herzschlagfinale mit dem 2:1-Erfolg im Endspiel der Champions League gegen Bayern München von Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagen wurde und seitdem Sir Alex heißt. Erstmals in der Geschichte des englischen Fußballs gewann ein Verein das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League.

Und wer jetzt dachte, nach diesem einmaligen Jahr sei Schluss, der wurde schnell eines Besseren belehrt. Keinen Funken seines Ehrgeizes und seiner Besessenheit hatte Ferguson verloren. Auch in den folgenden Jahren verstand er es immer wieder, das Team umzubauen, mit Talenten aufzufrischen und punktuell mit Stars zu verstärken. So schaffte Ferguson 2008 den erneuten Triumph in der Königsklasse.

Was treibt diesen Mann noch an? Im Mai machte er United mit dem 19. Titel zum englischen Rekordmeister und beendete damit endgültig die Vorherrschaft Liverpools. An Silvester wird er 70 Jahre alt - und eigentlich kann er nur noch ein Ziel haben: Noch zwei Titel, welcher Art auch immer, dann hätte er die 50 Titel in seiner Karriere als Trainer komplett. Niemand zweifelt daran, dass er es schafft.

 

  Titel OHNE Alex Ferguson Titel MIT Alex Ferguson
Meisterschaften 7 (1908, 1911, 1952, 1956, 1957, 1965 und 1967) 12 (1993, 1994, 1996, 1997, 1999 bis 2001, 2003, 2007 bis 2009 und 2011)
Pokalsiege 6 (1909, 1948, 1963, 1977, 1983 und 1985) 5 (1990, 1994, 1996, 1999 und 2004)
Ligapokal-Siege - 4 (1992, 2006, 2009 und 2010)
Champions-League-Titel 1968 (Europapokal der Landesmeister) 2 (1999, 2008)
Community-Shield-Siege 9 (1908, 1911, 1952, 1956, 1957, 1965, 1967, 1977 und 1983) 10 (1990, 1993, 1994, 1996, 1997, 2003, 2007, 2008, 2010 und 2011)
Weitere Titel - Europapokalsieger der Pokalsieger (1991), europäischer Supercup-Sieger (1991), Weltpokalsieger (1999) und Gewinner der Fifa-Klub-WM (2008)

hem/kru/news.de/dapd

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