Uwe Seeler Immer nur der HSV

Uwe Seeler wird 75 (Foto)
Uwe Seeler beim Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Irland 1970. Bild: dapd

Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus
Herzlichen Glückwunsch zum 75. Geburtstag! Am 5. November 1936 wurde Uwe Seeler in Hamburg geboren, immer blieb das Jahrhunderttalent seiner Stadt und seinem HSV treu. Deshalb ist er nicht nur in der Hansestadt eine Legende. 

Eigentlich war das heutige Geburtstagskind Uwe Seeler nur in einem Bereich nicht sonderlich erfolgreich: als Präsident seines Vereins, des Hamburger Sportvereins (HSV). 1994 war die Idee aufgekommen, als Franz Beckenbauer ihn während der Weltmeisterschaft in den USA ansprach: «Pass mal auf, Dicker», soll der Kaiser gesagt haben: «Du machst in Hamburg den Präsidenten. Ich werd' es im Süden beim FC Bayern. Dann bilden wir eine kampfstarke Achse. Gegen die Schalker, die Dortmunder, Hertha BSC und den wortgewaltigen Calmund in Leverkusen

Im November 1995 wurde er dann mit mehr als 99 Prozent zum Präsidenten des HSV gewählt. Das sei ihm damals sehr unter die Haut gegangen, schreibt Uwe Seeler acht Jahre später in seiner Autobiographie Danke, Fußball - mein Leben.

Uwe Seeler
Das Leben des Ausnahmefußballers

Drei Jahre lang dauert sein Engagement als Präsident, dann tritt er zurück. Mitgliedern des Vorstandes wurden Unredlichkeiten vorgeworfen, Uwe Seeler konnte man nichts nachweisen. Trotzdem gab es für ihn keine andere Möglichkeit als zurückzutreten: «Ich bin aus Liebe zum HSV Präsident geworden», sagte er in seiner Begründung. «Ich habe es nicht nötig, mich anfeinden und meinen Namen beschmutzen zu lassen. Dafür müsst ihr euch einen anderen suchen.»

Wie gesagt: Nur in diesem Bereich war er nicht so erfolgreich, wie er es sich gerne gewünscht hätte. Doch als Spieler ist er bis heute eine Legende. Auch ohne Weltmeistertitel: Uwe Seeler kennt so gut wie jeder. 

Auch der Koffer voller Geld lockte «uns Uwe» nicht

Klare Entscheidungen, Einsatz und die Verbundenheit zu einem Verein: Uwe Seeler ist nicht nur in Hamburg ein Idol. Selbst St. Pauli-Fans wie der Regisseur Jürgen Roland, verstorbener Tatort- und Stahlnetz-Macher, brachten «uns Uwe» Respekt entgegen, überall ist er gerne gesehen. Die Begründung dafür kennt auch Uwe Seeler selbst: Er ist normal geblieben. Diese Verbundenheit zu seiner Heimat und den Menschen nannte er in einem Interview mit der Welt 2006 «das größte Glück». 

1961 bot ihm Inter Mailands Trainer Helenio Herrera einen Koffer voller Geld. Eine Million Mark befand sich darin, die Summe sei nach oben verhandelbar, sagte man ihm. Er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sagt Uwe Seeler heute über diese Chance, Norddeutschland gegen Mailand einzutauschen. «Für alle ist es besser, wenn ich in Hamburg bleibe», hatte Uwe Seeler dem offenbar verdutzten Herrera in einer noblen Suite eines Hotels gesagt und das Angebot abgelehnt. Verdutzt über die Aufmerksamkeit des italienischen Klubs saß er dort und hielt sein Glas Cola in der Hand. Nie spielte Uwe Seeler woanders, immer war es der HSV.

Erinnerungen an nostalgisch-romantische Zeiten

Uwe Seeler war und ist ein Fußballromantiker. Vielleicht war es auch das, was ihm die Zeit als Präsident so schwer machte. Als Spieler hatte er gelernt, Probleme in der Kabine zu besprechen - und dort blieben sie auch. Ärger, Unmut über Mitspieler, Frust über Niederlagen: Das solle nicht nach außen getragen werden, sagte er. Darauf schwor er als Präsident auch seinen Vorstand ein - ohne Erfolg. Er musste feststellen, dass Fußball nicht mehr nur ein Mannschaftssport war, sondern ein Geschäft, in dem taktiert wird. Nicht nur auf dem Platz. 

Vorbei die Zeiten, in denen Uwe Seeler auf Fahrten zum Spiel im Gepäcknetz schlief (ein Platz, den ihm die anderen Spieler freihielten und ihre Koffer lieber unter den Sitzen verstauten), vorbei die Zeiten, in denen Spieler einem Verein treu blieben und in denen die Spieler nicht von dem Sport leben konnten, sondern wie er selber als Vertreter für Sportschuhe über das Land fuhren. 

Uwe Seeler erinnert an einen anderen Fußball. Und das ist wahrscheinlich der Grund, weshalb von vielen anderen Alt-Spielern kein Geburtstag medial so viel Beachtung findet. Aber der Hamburger weckt Erinnerungen: An den nostalgisch-romantischen Fußball, als es mehr um das Spiel als um das Geschäft ging. Als bei Verletzungen ganze Städte mitlitten und Blumen an das Krankenbett des Spielers schickten, als die Spieler ihre Eigenheime noch in der Nähe des Trainingsplatzes bauten - weil es etwas bedeutete, bei einem Verein zu spielen. 

In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch, Uwe Seeler!

cvd/news.de

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